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Alte Fotos Albstadt, Baden-Württemberg
Wappen Albstadt

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Geschichte Albstadt, Baden-Württemberg in Fotos

Eine kleine historische Referenz

Einwohner: 44 135

Geographie: Stadtteil:

Zu einigen Stadtteilen gehören noch räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die jedoch meist nur wenige Einwohner haben oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen:

  • in Ebingen: Ehestetter Hof, Ehestetter Mühle, Eselmühle, Fohlenweide, Galthaus, Im Degerwand, Im Kienten, Im Mehlbaum, Jausenteich, Oststadt, Petersburg, Sandgrube, Setze, Stopper, (Am) Schloßberg, Waldheim, Weiherwuhr, Weststadt und Weißenburg
  • in Lautlingen: Tierberg, Eisental
  • in Margrethausen: Ochsenberg
  • in Onstmettingen: Hohberg, Allenberghöfe, Dagersbrunnen, Heuberghöfe, Raichberg, Ritzenbühl, Stich, Zaislen und Zollersteighof
  • in Pfeffingen: Brechetsteighof, Roschbach und Zitterhof
  • in Tailfingen: Neuweiler, Schafbühl, Stiegel, Langenwand, Lammerberg, Nank und Weiler Tal
  • in Truchtelfingen: Auf Hofstett, Bol und Rossental
Albstadt. Balingen - Internierungslager, 1945
Balingen - Internierungslager, 1945
Albstadt. Ebingen - Adolf Hitler Straße
Ebingen - Adolf Hitler Straße
Albstadt. Ebingen - Aussichtsturm, um 1905
Ebingen - Aussichtsturm, um 1905
Albstadt. Ebingen - Bahnhof-Hotel, 1906
Ebingen - Bahnhof-Hotel, 1906
Albstadt. Ebingen - Bahnhofstrasse
Ebingen - Bahnhofstraße
Albstadt. Ebingen - Blick auf die Stadt
Ebingen - Blick auf die Stadt
Albstadt. Ebingen - Bürgerturm
Ebingen - Bürgerturm
Albstadt. Ebingen - Karlstraße mit Postamt, 1906
Ebingen - Karlstraße mit Postamt, 1906
Albstadt. Ebingen - Marktstraße, um 1940
Ebingen - Marktstraße mit Rathaus, um 1940
Albstadt. Ebingen - Obere Vorstadt, 1911
Ebingen - Obere Vorstadt, 1911
Albstadt. Ebingen - Rathaus
Ebingen - Rathaus
Albstadt. Ebingen - Schillerstraße, 1903
Ebingen - Schillerstraße, 1903
Albstadt. Ebingen - Teilansicht, um 1920s
Ebingen - Teilansicht, um 1920s
Albstadt. Ebingen - Teilansicht, um 1930s
Ebingen - Teilansicht, um 1930s
Albstadt. Ebingen - Teilansicht
Ebingen - Teilansicht
Albstadt. Onstmettingen - Raichberg, Aussichtsturm
Onstmettingen - Raichberg, Aussichtsturm
Albstadt. Onstmettingen - Raichberg, Nägelehaus
Onstmettingen - Raichberg, Nägelehaus und Aussichtsturm, 1940s
Albstadt. Tailfingen - J. Hakenmüller - Textilfabrik
Tailfingen - J. Hakenmüller - Textilfabrik, erbaute am Ecke Hechinger- und Goethestraße
Albstadt. Tailfingen - Textilfabrik, Hechinger Straße
Tailfingen - Textilfabrik, Hechinger Straße - Lange Straße, um 1950
Albstadt. Tailfinger - Bus neben Firmengebäude Hasana
Tailfinger - Bus neben Firmengebäude Hasana - J. Hakenmüller, 1937
Albstadt. Tailfinger - Einzelhaus, 1915
Tailfinger - Einzelhaus, 1915
Albstadt. Tailfinger - Firmengebäude Hasana
Tailfinger - Firmengebäude Hasana - Julius Hakenmüller-Gebäude, zwischen 1930-1937
Albstadt. Tailfinger - Teilansicht
Tailfinger - Teilansicht
Albstadt. Tailfinger - Teilansicht, um 1950-60s
Tailfinger - Teilansicht, um 1950-60s

Chronik von Albstadt

Albstadt
  • 793 - Ersterwähnung von fünf Teilorten Albstadts: Ebingen, Lautlingen, Pfeffingen, Tailfingen und Laufen
  • 950 - Ersterwähnung von Truchtelfingen
  • 1064 - Ersterwähnung von Burgfelden und Onstmettingen
  • 1275 - Ersterwähnung von Margrethausen
  • 1285 - Erste Erwähnung von Ebingen als Stadt
  • 1338 - Stiftung des Klosters Margrethausen
  • 1367 - Ebingen kommt zu Württemberg
  • 1403 - Burgfelden, Laufen, Onstmettingen, Pfeffingen, Tailfingen und Truchtelfingen kommen zu Württemberg
  • 1534 - Einführung der Reformation in Württemberg durch Herzog Ulrich, die Orte Burgfelden, Ebingen, Laufen, Onstmettingen, Pfeffingen, Tailfingen und Truchtelfingen werden evangelisch
  • 1550 - Die Ortsherrschaft von Lautlingen und Margrethausen geht von den Tierbergern an die Herren von Westerstetten über
  • 1625 - Die Ortsherrschaft von Lautlingen und Margrethausen geht an die Herren von Stauffenberg über
  • 1764-1770 - "Mechanikerpfarrer" Philipp Matthäus Hahn ist Pfarrer der Gemeinde Onstmettingen
  • 1805 - Lautlingen und Margrethausen kommen zu Württemberg
  • 1811 - Auflösung des Klosters Margrethausen
  • 1834 - Erste Dampfmaschine in Ebingen
  • 1850 - Das Schloss Lautlingen wird in seiner jetzigen Form gebaut
  • 1859 - Abbruch der Klosterkirche und des Südflügels der Klosteranlage Margrethausen
  • 1878 - Bahnanschluss Ebingens
  • 1892 - Entdeckung der Wandmalereien in der Michaelskirche in Burgfelden
  • 1930 - Tailfingen wird zur Stadt erhoben
  • 1934 - Truchtelfingen wird nach Tailfingen eingemeindet
  • 1944 - Schwere Bombenangriffe auf Ebingen
  • 1945 - Im Februar: Bombenangriff auf Laufen
  • 1945 - Im April: Einrücken der Franzosen
  • 1960 - Krankenhausneubau in Truchtelfingen
  • 1971 - Im Juli: Burgfelden wird nach Pfeffingen eingemeindet
  • 1971 - Im Dez.: Margrethausen wird nach Ebingen eingemeindet
  • 1972 - Im Mai: Lautlingen kommt zu Ebingen
  • 1973 - Im Mai: Laufen kommt zu Ebingen
  • 1975 - Gründung der Stadt Albstadt durch Zusammenschluss der Städte Ebingen (mit den Stadtteilen Laufen, Lautlingen und Margrethausen) und Tailfingen (mit dem Stadtteil Truchtelfingen) und den Gemeinden Onstmettingen und Pfeffingen (mit Burgfelden)
  • 1980 - Einweihung des Freizeitzentrums "badkap"
  • 1988 - Errichtung der Fachhochschule Albstadt-Sigmaringen
  • 1989 - Das Philipp-Matthäus-Hahn-Museum in Albstadt-Onstmettingen wird eröffnet
  • 1996 - Eröffnung des Maschenmuseums in Albstadt-Tailfingen
  • 1997 - Einweihung des Kindergartens am Wieslesweg (in Albstadt-Tailingen)
  • 2000 - Walther Groz †
  • 2000 - Ehrenbürger und (Ober-) Bürgermeister von Ebingen 1948 - 1960
  • 2001 - Untertunnelung von Albstadt - Laufen
  • 2001 - Eröffnung des Bürgerbüros in Albstadt - Tailfingen
  • 2002 - Eröffnung des Naturbads in Albstadt - Tailfingen
  • 2003 - Beschluß eines Leitbildes im Rahmen der Albstadt-Konzeption 2010
  • 2004 - Eröffnung der Westtangente mit Innenstadttunnel in Albstadt-Ebingen
  • 2004 - 25 Jahre Städtepartnerschaft Albstadt-Chambery
  • 2007 - Eröffnung der Stauffenberg-Gedenkstätte im Stauffenbergschloss in Albstadt-Lautlingen
  • 2007 - Eröffnung der Buchtal-Klinik (Privatklinik) in Albstadt-Tailfingen
  • 2009-10 - Innenstadtgestaltung Albstadt-Ebingen (Bürgerturmplatz, Marktstraße)
  • 2010 - Generalsanierung des Rathauses in Albstadt-Ebingen
  • 2010 - Einweihung des Bürgerhauses in Albstadt-Lautlingen (Schlossscheuer)
  • 2010 - Einweihung Traufgänge
  • 2010 - Einweihung „Textilbrücke“ in Albstadt-Lautlingen
  • 2010 - Aufnahme in das EU-Leuchtturm-Projekt (EULE-BW) zur innovativen Kommunalentwicklung

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Geschichte von Stadtteil Burgfelden

Burgfelden

Mit rund 330 Einwohnern ist Burgfelden der kleinste Teilort Albstadts und mit 912 Metern über dem Meeresspiegel auch der am höchsten gelegene.

Nur wenige 100 Meter vom Ortskern entfernt befindet sich der Albtrauf, oder noch konkreter: der Böllat, ein nach drei Seiten hin abfallender Felsvorsprung mit einer märchenhaften Aussicht. Nach Süden hin kann man bei güsntigen Wetterverhältnissen den Säntis als weißen Fleck erkennen; im Westen sieht man in der Ferne die Höhen des Schwarzwalds. An wetterklaren Wochenenden sammeln sich die Wandersleute hier zuhauf, um diese eindrucksvolle Aussicht zu genießen. Bei einem kunstsinnig sensiblen Naturbeobachter mag die Wahrnehmung vorhanden sein, dass durch die Höhenlage sich Licht, Luft, Natur und Landschaft farblich und atmosphärisch anders darbieten als in den Talniederungen. Vielleicht ist diese Andersartigkeit der Grund, warum sich hier immer wieder Künstler niedergelassen haben. Ein weiterer Grund hierfür mag Burgfeldens Abgeschiedenheit sein: nur eine einzige, steile und stark gewundene Straße führt dorthin.

Eine weitere Attraktion Burgfeldens ist die romanische Michaelskirche mit ihren mittelalterlichen Fresken, die wahrscheinlich aus dem späten 11. Jahrhundert stammen und denen auf der Insel Reichenau sehr ähnlich sind, insbesondere den Wandmalereien von St. Georg in Oberzell. Das beherrschende Thema des Freskenzyklus von Burgfelden ist das Weltgericht auf der Stirnseite der Kirche; in der Mitte der Darstellung thront Christus als Weltenrichter, links von ihm werden die Guten von Engeln in den Himmel geleitet; rechts treibt eine Schar von Teufeln die Bösen in die Hölle. Auf der linken Seitenwand sieht man die Geschichte von dem Barmherzigen Samariter, auf der rechten Seitenwand haben wir die Erzählung vom armen Lazarus und dem reichen Prasser. Die Fresken wurden 1892 entdeckt, als man die Michaelskirche abreißen wollte, weil sie die Gottesdienstbesucher der im 19. Jahrhundert stark gewachsenen Gemeinde nicht mehr fassen konnte (1820: 167 Einwohner, 1871: 236 Einwohner).

Im Früh- und Hochmittelalter spielte Burgfelden kirchlich eine bedeutsame Rolle: Es gehörte zu den so genannten „Urpfarreien“, das heißt, dass es kirchlicher Mittelpunkt für das gesamte weitere Umland war. Noch 1451 gehörten sechs Orte der näheren Umgebung als Filialen zu der Pfarrei Burgfelden. Dies sollte sich erst nach der Reformation ändern.

Dann ist noch die unmittelbare Nähe zu Schalksburg zu nennen – eine ausgedehnte Burganlage auf einer dem Albtrauf vorgelagerten Höhe. Von dieser Anlage sind allerdings nur wenige Mauerreste erhalten. Die Herren von Schalksburg waren im 13. und 14. Jahrhundert eine politisch ernst zu nehmende Größe in der Region, bis die Schalksburg-Herrschaft einschließlich Burgfelden an Württemberg überging. Bis 1971 war der Ort selbständig, wurde dann zu Pfeffingen eingemeindet. Doch diese Konstellation hielt nur vier Jahre: 1975 ging Pfeffingen in der neuen Stadt Albstadt auf.

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Geschichte von Stadtteil Ebingen

Ebingen

Ebingen hat heute rund 18.500 Einwohner. Zum ersten Mal in seiner Geschichte wurde Ebingen im Jahre 793 urkundlich erwähnt. Der Ort ist allerdings mit Sicherheit wesentlich älter. Wie gemeinhin bekannt, werden die Siedlungen auf -ingen als alemannische Gründungen angesehen. In der Zeit um 259/260 n.Chr. endete die Herrschaft der Römer in Südwestdeutschland - die Alemannen traten an ihre Stelle und machten sich daran, das Land zu besiedeln.

Natürlich ließen sie sich zunächst in Gegenden mit besonders mildem Klima nieder. So bald aber solche Landstriche besetzt waren, kamen die etwas weniger "lieblichen" Regionen zur Besiedlung an die Reihe, und dazu wäre auch die Rauhe Alb zu zählen.

Solchermaßen dürfte die Gründung Ebingens im 4. oder 5. Jahrhundert n.Chr. stattgefunden haben.

Bedingt durch seine verkehrsmäßig nicht vollkommen ungünstige geographische Lage wird Ebingen wahrscheinlich schon bald etwas größer geworden sein als andere alemannische Dörfer der Umgebung, denn einerseits ist durch die Schmiecha die Anbindung an das Donautal gegeben, wie auch andererseits über die nahe gelegene Eyach der Zugang zum Neckartal ermöglicht wird. Auf diese Weise entwickelte sich Ebingen während des Früh- und Hochmittelalters zum Zentralort der näheren Umgebung. Diese Funktion zeichnet sich auch im kirchlichen Bereich ab, denn seit dem 7. oder 8. Jahrhundert wurde Ebingen Sitz des gleichnamigen Landkapitels (moderne Bezeichnung: Dekanat).

Auf die Bedeutung Ebingens als wirtschaftliches und kirchliches Nahzentrum ist es wohl zurückzuführen, dass die Grafen von Hohenberg den Ort um 1260 zur Stadt erhoben, ihr eine eigenes Wappen verliehen und sie mit einem besonderen Stadtrecht versahen. Eine Stadterhebungs-Urkunde ist uns nicht erhalten; der früheste schriftliche Hinweis auf Ebingens Status als Stadt geht aber auf das Jahr 1285 zurück.

Ein knappes Jahrhundert später, nämlich 1367, kam Ebingen an das Haus Württemberg, und zwar zunächst als Pfand; 1468 wurde die Stadt als württembergischer Besitz endgültig bestätigt. Alsbald erwarb sich Ebingen den Rang einer württembergischen Amtsstadt - mit gewissen Einschränkungen allerdings. Die Kommune hatte zwar einen Amtmann und war außerdem auf dem Stuttgarter Landtag vertreten, verfügte aber über keinen nennenswerten Amtsbezirk, denn lediglich die benachbarten Ansiedlungen Ehestetten und Bitz standen unter Ebinger Botmäßigkeit.

Gegen Ende des Mittelalters nahm die Ebinger Bevölkerung in einem derartigen Ausmaß zu, dass die Bewohner innerhalb der Stadtmauern keinen Platz mehr fanden. So entstanden im 15. Jahrhundert die Obere und die Untere Vorstadt.

Nach dem 30-jährigen Krieg beginnt sich in Ebingen eine spezifische wirtschaftliche Besonderheit abzuzeichnen, nämlich eine deutliche Zunahme handwerklicher Berufe auf dem Textilsektor. So finden wir 1664 nicht mehr als 15 Weber; bis 1788 hatte sich deren Zahl jedoch verdoppelt; außerdem waren 53 Strumpfwirker, 77 Zeugmacher und 20 Bortenwirker hinzugekommen. Eine solche frühe Ausrichtung auf den Textilbereich wirkte sich nachhaltig auf die Industrialisierung in Ebingen aus. Deren erste Anfänge liegen im Wirken des Textilfabikanten Johannes Mauthe, genannt Löwen-Mauthe, der 1834 die erste Dampfmaschine und 1836 den ersten Rundwirkstuhl nach Ebingen brachte.

Der große Durchbruch kam allerdings erst in den 1870-er Jahren (Eisenbahn-Anschluss 1878). Neben der Herstellung von Trikotwaren kam in Ebingen der Produktion von Samt und Manchesterstoffen eine größere Bedeutung zu, darüber hinaus spielten eine maßgebliche Rolle der Waagenbau wie auch die Erzeugung von Nadeln (Theodor Groz, heute Groz-Beckert). Die allgemeine wirtschaftliche Aufwärtsbewegung bewirkte eine gewaltige Bevölkerungszunahme. Hatte die Stadt 1820 noch 4126 Einwohner, so waren es 1871 bereits 5029, 1895 dann 7600 und 1910 schließlich 11423.

Der Erste Weltkrieg beeinträchtigte die Ebinger Wirtschaft nur vorübergehend; der Mangel an Rohstoffen und Lebensmitteln erzeugte aber bei der Arbeiterschaft großen Unmut. Weniger rabiat freilich reagierten die Ebinger auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die Bürger legten keinen sichtbaren Widerstand an den Tag, als Kommunisten und Gewerkschaftler verschwanden, als die wenigen Ebinger Juden vertrieben wurden, als Vereine und Parteien sich zur Auflösung bewegen ließen. Als einer der wenigen aufrechten kann der Fabrikant Dr. Fritz Haux gelten, der unerschrocken für die Liberalen eintrat und deswegen zeitweise im Gefängnis saß.

Der zweite Weltkrieg brachte mehr als 1600 Zwangsarbeiter in die Stadt, die Hälfte davon Russen. Der Krieg selbst kam erst am 11. Juli 1944 in Gestalt eines Bombenangriffs nach Ebingen, wobei 61 Menschen ums Leben kamen und im Stadtzentrum 37 Häuser zerstört wurden.

Das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit ließ die Bevölkerung Ebingens weiter ansteigen, so dass 1956 die Zahl 20.000 erreicht wurde, was bedeutete, dass Ebingen fortan den Titel einer "Großen Kreisstadt" führen durfte; der Bürgermeister wurde analog dazu zum Oberbürgermeister. Für die neu hinzu gekommenen Menschen musste Wohnraum bereit gestellt werden; es mussten neue Schulen gebaut (Schalksburgschule 1957) bzw. erweitert werden; 1956 entstand ein repräsentatives Hallenbad. Damit sind einige herausragende Leistungen des (Ober-)Bürgermeisters Walther Groz (1948-1960) beim Namen genannt.

Nach dieser Aufbauphase setzte unter dessen Nachfolger Dr. Hans Hoss (1961-1975) die Konsolidierungsphase ein. In dieser Zeit entstand die Umgehungsstraße (B 463), das Berufsschulzentrum, das Gymnasium, der Krankenhaus-Neubau.

Mit der Gründung von Albstadt 1975 beginnt ein neuer Abschnitt in der städtischen Geschichte: Siehe weiter bei "Albstadt".

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Geschichte von Stadtteil Laufen

Laufen

Der Ort wird 793 erstmals erwähnt, als dem Kloster St. Gallen Güter oder Rechte in "Luofo" geschenkt wurden.

Vermutlich ist der Ort ursprünglich nur eine kleine Mühlensiedlung zu Burgfelden gewesen, die erst nach 800 durch das Kloster St. Gallen zu einer Bauernsiedlung erweitert wurde. Der Ort vergrößerte sich zunächst nur langsam. Zwischen 1560 und 1630 fällt eine Periode überaus starken Wachstums auf. Der 30-jährige Krieg vernichtete mehr als die Hälfte des Dorfes. Von großer Bedeutung für Laufen war die um 1740 erbaute Papiermühle, deren Wert mit Inventar bereits 1747 auf 2600 fl. geschätzt wurde. Um 1800 erlebte sie ihre höchste Blüte. Sie lieferte das Papier für die Cotta`schen Buchdruckereien; ein Teil der Erstausgabe der Werke Schillers ist auf Laufener Papier gedruckt. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhundert dehnte sich der Ort, der damals von Lumpenhändlern und vor allen Dingen Hausierhändlern und Samenhändlern/Forstbaumschulbetrieben bewohnt war, nach allen Seiten stark aus. Dies dürfte allerdings auf den Bau der neuen Kirche im Jahre 1873 und auf den Bau der neuen Eisenbahnlinie und des Bahnhofs im Jahre 1878 zurückzuführen sein. Auch noch zu erwähnen wäre die große Überschwemmungskatastrophe im Eyachtal im Jahre 1895, welche große Verwüstungen anrichtete, wobei 15 Personen in den reißenden Fluten ertranken und mehrere Häuser fortgerissen wurden. Ebenfalls zu erwähnen wäre noch der schwere Bombenangriff am 20. Februar 1945 auf den Ort, wobei 19 Menschen den Tod fanden und viele Häuser total zerstört wurden.

Nach dem Kriege forcierten die Geschäfte der ansässigen Forstbaumschulbetriebe sowie der Kartonfabrik und der kleineren Textilbetriebe und Handwerker. Durch den Konkurs der Kartonfabrik sowie Aufgaben vieler Textilbetriebe und Filialen gingen die Arbeitsplätze am Ort immer mehr zurück. Die damals selbständige Gemeinde schloss sich dann am 1. Mai 1973 freiwillig der großen Kreisstadt Ebingen an und am 1. Januar 1975 wurde sie infolge der Gemeindereform in die neu gebildete Stadt Albstadt eingegliedert.

Nach der Aufnahme in die Stadt Albstadt war das kommunale Geschehen vor allen Dingen geprägt durch den Bau von Kanälen, Brücken und Straßenbau sowie Anschluss an den Abwasserzweckverband Balingen und der Wassersorgung.

Der Stadtteil hat über 1700 Einwohner und liegt an der Bahnstrecke Tübingen-Sigmaringen und an der Bundesstraße B 463. Durch den starken Verkehr der B 463, welcher mitten durch den Ort ging, ist es gelungen, einen Tunnel mit 540 Meter Länge durch Finanzierung der Bundesrepublik Deutschland zu erstellen, welcher im Jahre 2001 mit einem Kostenaufwand von 33,2 Millionen Mark eingeweiht werden konnte. Dadurch ist die Lebens- und Wohnqualität in dem Stadtteil wesentlich verbessert worden. Der Ort ist überwiegend evangelisch und neben der schönen evangelischen Dorfkirche wurde nach dem Kriege noch eine katholische Kirche gebaut. Die Infrastruktur ist gegeben durch einen Kindergarten und die Grundschule sowie Versorgung durch eine Metzgerei, Bäckerei, Friseur und verschiedene Handwerksbetriebe und Gastronomie. Das Vereinsleben ist sehr rege und die Vereine beteiligen sich aktiv am örtlichen Geschehen, so konnte im Jahr 1993 mit einem großen Festzug und Festlichkeiten die 1200-Jahr-Feier begangen werden.

Eingebettet von umliegenden Bergen der Schwäbischen Alb liegt der Ort sehr ruhig und schön im Eyachtal und ist Ausgangspunkt von vielen Wanderrouten auf die Berge unter anderem auf die Schalksburg, Heersberg, Gräbelesberg und Hörnle mit dem Naturschutzgebiet und Bannwald Untereck.

Bei uns harmoniert noch, was sich sonst oft ausschließt: Tradition, Ruhe und Dynamik, Gastfreundschaft und eine schöne Landschaft und gute Gastronomie.

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Geschichte von Stadtteil Lautlingen

Lautlingen

Römerzeit führte ein Verkehrsweg vom Neckar zur Donau durch das Eyachtal. An dieser Verbindungslinie befindet sich Lautlingen, mit rund 1900 Einwohnern einer der größeren Stadtteile im Eyachtal. Westlich vom Ortskern befinden sich Spuren eines römischen Kastells, doch ist davon oberirdisch nichts zu sehen. Ein Goldblattkreuz aus der zeit um 600 n. Chr. liefert den Nachweis für die verhältnismäßig frühe Christianisierung der Region.

Für das 11. und 12. Jahrhundert ist ein edelfreies Geschlecht „de Luttelingen“ nachgewiesen, an deren Stelle die ab 1216 auftauchenden Herren von Tierberg treten. Diese reichsfreien Ritter hatten die Herrschaft Lautlingen bis 1550 inne. Aus ihrer Zeit stammt auch das Lautlinger Schloss, dessen Umfassungsmauer (mitsamt den Ecktürmen) aus dem Spätmittelalter stammt. 1550 fiel die Herrschaft an die Herren von Westerstetten, die jedoch bald schon ausstarben, weshalb 1625 die Schenken von Stauffenberg auf dem Wege der Erbschaft die Nachfolge antraten. Unter den Stauffenbergern taten sich mehrere Familienmitglieder im Kirchendienst hervor, so Marquard Sebastian als Bischof von Bamberg (1686-1693), Johann Franz als Bischof von Konstanz 1705-1740) und ein weiterer Johann Franz als Generalvikar von Würzburg (1761-1808). Nur ausnahmsweise gingen sie in die Politik, wie Franz, der 1866 bis 1893 im bayerischen Landtag und 1871 bis 1892 im Reichstag saß und dort immer wieder durch seine liberalen Anträge immer wieder von sich reden machte so forderte er beispielsweise die Abschaffung der Todesstrafe oder die Beendigung des Wettrüstens. Der in Lautlingen ansässige der Familie wurde übrigens 1874 in den königlich-bayerischen Grafenstand erhoben.

Die großen Haupt- und Staatsaktionen deutscher Zeitgeschichte reichen an einem Punkt bis nach Lautlingen. Die Widerstandskämpfer Berthold und Claus von Stauffenberg machten sich hier im Sommer 1943 Gedanken darüber, wie Deutschland nach einem Attentat auf Hitler aussehen könnte – so entstanden die so genannten „Lautlinger Leitsätze“. Bekanntlich scheiterte das Attentat vom 20. Juli 1944; Claus wurde noch in der Nacht des Attentats standrechtlich erschossen; sein Bruder Berthold am 10. August 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Seit 1956 findet alljährlich vor der Gedächtniskapelle neben der Pfarrkirche eine Gedenkfeier statt.

In dem Stauffenberg-Schloss ist heute eine Stauffenberg-Gedächtnisstätte untergebracht wie auch eine sehenswerte, musikalische Sammlung. An weiteren Sehenswürdigkeiten kann Lautlingen aufwarten mit einem Nähmaschinenmuseum (im Betriebsgebäude der Firma Gebr. Mey) – dort können rund 150 Nähmaschinen aus ganz Europa bestaunt werden, deren älteste auf 1790 datiert. Sehens wert ist zudem die 1913 errichtete, neubarocke Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, der früheste Eisenbetonbau in der weiteren Umgebung. Schließlich ist auf das Gasthaus zur Krone hinzuweisen, an der Bundesstraße gelegen – das schönste Fachwerkgebäude im ganzen Zollernalbkreis.

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Geschichte von Stadtteil Margrethausen

Margrethausen

Im Jahre 1275 wurde Margrethausen erstmals urkundlich erwähnt, als "Husen Margarete". Schon 1339 wurde eine Klause gestiftet, nachdem hier schon eine lange Tradition geistlichen Lebens bestand.

Die Neustiftung eines Franziskanerinnen-Klosters war bis ins 15. Jahrhundert unter die Schirmherrschaft der Herren von Tierberg gestellt. Als diese ausstarben, ging die Herrschaft über diverse Familien auf die Familie der von Stauffenberg über. In Ahnlehnung an diese behielt die Gemeinde den kath. Glauben.

Der 30jährige Krieg setzte der Gemeinde hart zu. Das Dorf und die Klosterkirche wurden verwüstet und zerstört. Aber durch die rührige und fleißige Tätigkeit der Nonnen entfaltete sich das geistige Leben zu Anfang des 18. Jahrhunderts zu einem neuen Höhepunkt. Ein Jahrhundert später setzte die Säkularisation dem kaum aufgeblühten Kloster ein jähes Ende. Die heutige Struktur von Margrethausen weist zwei zentrale Entwicklungszentren auf. Es ist dies der alte Dorfkern, konzentriert auf den Klosterbau mit angrenzender kath. Kirche und einigen Fachwerkhäusern. Im Klosterbau sind das Rathaus mit weiteren gemeindlichen Einrichtungen und das kath. Gemeindezentrum untergebracht. Hier finden heute vielerlei Veranstaltungen, z. B. Vorträge, Ausstellungen und Weiterbildungstagungen statt.

Im zweiten neuen Entwicklungskern befindet sich das Kulturzentrum mit Schule, Turn- und Festhalle und der Kindergarten. Auch hier ist ein reichhaltiges kulturelles und sportliches Angebot vorhanden. Seit einigen Jahren ist hier ebenfalls das Staatl. Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (GHS) Albstadt mit einer Lernwerkstatt für angehende Lehrer und ein "Service Zentrum Englisch Grundschule" der Abteilung 7 (Schule und Bildung) des Regierungspräsidiums Tübingen untergebracht.

Aber auch andere Gewerbe- und Handelsbetriebe stärken die wirtschaftliche Kraft und die Arbeitsplatzsicherheit unserer Gemeinde. Moderne Wohngebiete und eine gute Infrastruktur, sowie ein bürgerliches, verantwortungsbewusstes Gemeinwesen sind die Voraussetzungen für ausgezeichnete Zukunftsmöglichkeiten.

Als "gute Stube" bezeichnet, ist Margrethausen seit 1. Januar 1975 ein Stadtteil von Albstadt. Margrethausen hat heute rund 1.000 Einwohner.

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Geschichte von Stadtteil Onstmettingen

Onstmettingen

Onstmettingen, dort wo die Schmiecha entspringt, ist der nördlichste Stadtteil von Albstadt. Gesegnet mit einer der schönsten Landschaften der Schwäbischen Alb ist Onstmettingen oft Ausgangspunkt für Wanderungen, gerade am Steilabfall der Schwäbischen Alb. Der Schwäbische Albverein hat rund um den Raichberg einen seiner Stützpunkte errichtet. Dies wird deutlich mit dem "Nägelehaus" als Wanderheim, dem Aussichtsturm mit seinem Blick zum Schwarzwald sowie zu den Alpen. Die "Fuchsfarm", das Jugendzentrum des Schwäbischen Albvereins, feiert in diesem Jahr sein 50. Zeltlager in Folge auf dem 1964 erworbenen Gelände.

Ausgrabungen und deren Funde belegen, dass Onstmettingen schon um 500 v. Chr. besiedelt war. Eine kürzlich gestaltete Ausstellung mit Grabfunden aus der Bronzezeit konnte dies anhand von wertvollen Fundstücken belegen.

In die eigentliche Geschichte tritt Onstmettingen im Jahre 1064 ein. Ein Graf von Habsburg vermachte dem Kloster Otmarsheim im Elsass eine Schenkung, darunter Besitz "Ansmutingen". 1403 kommt "daz dorff Anschmattingen" zusammen mit der Herrschaft Schalksburg an Württemberg. Vermutlich ist der Name Onstmettingen vom Vornamen Ansmut abgeleitet.

Wichtige geschichtliche Station von Onstmettingen war das Wirken von Pfarrer Philipp Matthäus Hahn von 1764 bis 1770. Seine ersten großen astronomischen Uhren baute Hahn in Onstmettingen. Mit dem Bau der Neigungswaage legte er den Grundstock für die Waagenindustrie, die bis heute in unserem Raum ihren Bestand hat. Ergänzt wurde die Waagenindustrie mit der Fertigung von Präzisionswerkzeugen. Im vorigen Jahrhundert kam die Textilindustrie dazu, die aber in den zurückliegenden Jahren ihre große Strukturkrise hinnehmen musste.

Im Jahr 1989 wurde in der ehemaligen Johanneskirche und späterem Fruchtkasten (vermutlich aus dem Jahr 940) das Philipp-Matthäus-Hahn-Museum eingerichtet, ein städtisches Museum, das ehrenamtlich von den Mitgliedern des "Arbeitskreis Kasten" betrieben wird.

Trotz der gesetzlichen Zusammenführung von Onstmettingen zum 1.1.1975 zur damals neuen Stadt Albstadt, hat sich Onstmettingen sein positives Eigenleben bewahrt. Daneben besteht aber eine konstruktive Mitarbeit im gemeinsamen Denken und Handeln der Stadt Albstadt. Ein überaus reges Vereinsleben zeichnet den Stadtteil aus. Heute hat Onstmettingen rund 5.100 Einwohner.

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Geschichte von Stadtteil Pfeffingen

Pfeffingen

Nächst der Eyachquelle (833 m) liegt Pfeffingen (764 m) eingebettet ins obere Eyachtal.

Urkundlich erwähnt wurde Pfeffingen zum ersten Male im Jahre 793 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen, dort mit der Bezeichnung "Faffinga". Funde aus der älteren Eisenzeit weisen aber auf viel frühere Besiedlungen hin. (ca. 700 v. Chr.) Pfeffingen ist, wie alle "ingen"-Dörfer eine Gründung der Alemannen. Die Ortsnamen auf -ingen enthalten in der Regel im 1. Teil den Namen eines Anführers der ersten siedelnden Menschen: Pfeffingen heißt: "zu den Leuten des Paffo oder Faffo gehörend.

Wie in den umliegenden Gemeinden mussten die Bewohner in der Landwirtschaft und im Forstwesen ihr Auskommen finden.

Für das 18. Jahrhundert ist Kohlebrennerei belegt wie auch die Herstellung von Kienspänen. Der Handel mit den harzreichen Kienspänen brachte den Pfeffingern den Namen "Kea-Länder " ein. 1836 siedelte sich hier eine Bleiweißmühle an, die als älteste Fabrikanlage Albstadts gilt. Später finden die meisten Einwohner in den Textilindustriebetrieben Brot und Arbeit, ab 1934 auch in einer Möbelfabrik.

Die wirtschaftlichen Veränderungen haben auch das Gesicht des einstmaligen Industriedörfchensverändert. Die Textilindustriebetriebe sind deutlich weniger geworden und um den Ortskern herum entstanden in schöner Wohnlage schmucke Wohngebiete.

Der Rückgang der Arbeitsplätze sorgte immer mehr dafür, dass ein Großteil der Beschäftigten auspendelt.

Seit 1975 ist Pfeffingen Stadtteil von Albstadt und zählt heute etwa 2100 Einwohner und hat eine Markungsfläche von 1343 ha.

Heute ist Pfeffingen ein schöner, ruhiger Stadtteil, der sich durch seinen dörflichen Charakter eine persönliche Atmosphäre erhalten hat. 12 aktive Vereine und Organisationen gestalten das soziale Miteinander in der Dorfgemeinschaft.

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Geschichte von Stadtteil Tailfingen

Tailfingen

Zusammen mit Ebingen, Laufen, Lautlingen und Pfeffingen wird Tailfingen erstmals im Jahr 793 in einer St. Gallener Urkunde erwähnt. Der Ort selbst ist älter; er dürfte wie alle auf -ingen endenden Siedlungen im Zuge der Landnahme durch die Alemannen nach der Vertreibung der Römer (260 n.Chr.) gegründet worden sein - wie aus dem Ortsnamen zu erschließen, von einem Sippenhäuptling namens Tagolf. Der älteste Ortsteil wird entlang der heutigen Ludwigstraße vermutet. Als wohl zum Ausgang des 8. Jahrhunderts die Peterskirche an dem Heerweg errichtet wurde, der durch den Talgang führte, entstand bei der Kirche ein weiterer Siedlungskern. Im Laufe des Mittelalters wachsen beide Ortsteile zusammen.

Als ältestes Bauwerk kann der frei stehende Turm der Peterskirche gelten, der mehr als tausend Jahre alt sein dürfte. Es handelt sich um einen der wenigen, unbeschadet aus dem Mittelalter erhaltenen Kirchtürmen im Bereich der Südwestalb, dessen einst wehrhafter Charakter heute noch deutlich erkennbar ist. Dies zeigt sich an mehreren bautechnischen Details: erstens durch die Tatsache, dass der Turm frei steht, zweitens durch das ausnehmend dicke Mauerwerk, und drittens durch den früheren und heute vermauerten Eingang in Stockwerkshöhe. Beim Herannahen eines Feindes stiegen die mittelalterlichen Tailfinger über eine Leiter durch eine Luke in den Turm, die mannshoch über dem Boden lag, und zogen dann die leiter zu sich hinauf. Der mittelalterliche Turm war etwas niedriger als der heutige und verfügte in früheren Zeiten wohl auch über einen Zinnenkranz; der heutige Fachwerkaufsatz kam erst im Spätmittelalter hinzu. Seitdem hat sich an der markanten Form nichts mehr geändert. Gerade dieses einprägsame, scharf umrissene Aussehen hat dazu geführt, dass der Turm der Peterskirche zum Wahrzeichen Tailfingens geworden ist.

Politisch teilte der Ort die Geschicke der Gemeinden seiner näheren Umgebung; zusammen mit ihnen kam er 1403 von der Schalksburg-Herrschaft an das Herzogtum Württemberg und wurde dem Amtsbezirk Balingen zugeschlagen. 1534 führte Herzog Ulrich hier wie auch anderswo in seinem Herrschaftsgebiet die Reformation ein. Der Dreißigjährige Krieg wirkte sich so verheerend aus, dass sich der Ort bis 1660 keinen eigenen Pfarrer mehr leisten konnte, außerdem ging das älteste Kirchenbuch verloren.

Im 18. Jahrhundert hatte sich der Ort von den Kriegsfolgen endgültig erholt, die Bevölkerungszahl stieg stetig an (1744: 512 Einwohner, 1820: 1449 Einwohner). Die karge Landwirtschaft konnte diese Menschen nicht mehr alle ernähren, deshalb entwickelte sich als handwerklicher Nebenerwerb die Strumpfwirkerei, die wiederum die Grundlage bildete für die Industrialisierung.

1853 wurden die ersten (damals noch handbetriebenen) Rundwirkmaschinen (so genannte "Rundstühle") aufgestellt. Auf ihnen produzierten die Tailfinger zunächst im Auftrag von Hechinger und Ebinger Unternehmern hauptsächlich gefütterte Unterbekleidung, erst ab etwa 1870 begannen sie, sich selbständig zu machen. Bis 1880 wuchs die Trikotwarenherstellung noch verhältnismäßig langsam, dann aber ging es rapide aufwärts: befanden sich 1880 noch 180 Rundstühle am Ort, so waren es zehn Jahre später bereits 600 und am Vorabend des Ersten Weltkrieg sogar 1800.

Dieses extrem rasche Wirtschaftswachstum führte innerhalb kürzester Zeit zu einer grundlegenden Veränderung der Bevölkerung und vor allem auch des Ortsbilds. Hatte Tailfingen 1871 noch 2193 Einwohner, so waren es 1910 schon 5412, also mehr als das Doppelte. Entsprechend stieg die Zahl der Häuser von 377 im Jahr 1871 auf 1685 im Jahr 1930. Die bebaute Fläche dürfte sich in diesem Zeitraum vervierfacht haben.

Nun wurden Schulen gebaut (1891/92 Christophschule, 1904 Bismarckschule, 1911 Lutherschule), Kirchen errichtet (1903 St. Bonifatius für die neu zugezogenen Katholiken, 1907 Pauluskirche), die Straßenbeleuchtung eingeführt (1888), ein Wasserleitungsnetz verlegt (1896/97), ein Gaswerk erstellt (1905), die Elektrizitätsversorgung eingerichtet (1911), und im Verlauf der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg verlor Tailfingen mehr und mehr sein dörfliches Gepräge. So kam es, dass der Ort 1930 zur Stadt erhoben wurde; 1934 erfolgte unter nationalsozialistischem Druck die Eingemeindung von Truchtelfingen. Gerade hier, im politisch eher links orientierten und vom Arbeitermilieu geprägten, "roten" Tailfingen, war der Widerstand gegen den Nationalsozialismus zunächst besonders groß. Gegen Kriegsende kam der Atom-Forscher Otto Hahn mit einem Teil seines Forschungsinstituts in die "Trikotstadt", wo ihn ein amerikanisches Kommando am 25. April 1945 gefangen nahm.

Der Zuzug von Heimatvertriebenen wie auch der wirtschaftliche Aufschwung der Fünfzigerjahre brachten einen weiteren, rasanten Bevölkerungszuwachs (1954: 14.073; 1972: 17.278 - jeweils einschließlich Truchtelfingen), was einen erneuten Ausbau der kommunalen Infrastruktur nach sich zog: 1953 Bau der Erlöserkirche, 1954 der Lammerbergschule, 1955 des Hallenbads, 1960 des Krankenhauses (heute Sana-Klinik), 1961 der Langenwandschule, 1963 der Aussegnungshalle Friedhof Markenhalde, 1966 der Volksschule in Truchtelfingen, 1967 der Zollern-Alb-Halle, 1969 St.-Franziskus-Kirche, 1971 des Progymnasiums. Heute ist die "Trikotstadt" zweitgrößter Ortsteil Albstadts mit knapp 12.000 Einwohnern.

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Geschichte von Stadtteil Truchtelfingen

Truchtelfingen

950 ist der Ort erstmals erwähnt, und zwar in einer Urkunde des Kaisers Otto der Große. Der Kaiser bestätigt in dieser Urkunde eine Schenkung seines Sohnes Luitof, an das Kloster Reichenau, wodurch das Kloster den gesamten Besitz des Herzogs in Truchtelfingen erhielt. Truchtelfingen ist jedoch mit Sicherheit wesentlich älter und dürfte wie alle auf -ingen endenden Siedlungen im Zuge der Landnahme durch die Alemannen nach der Vertreibung der Römer (260 n.Chr.) gegründet worden sein - wie aus dem Ortsnamen zu erschließen, von einem Sippenhäuptling namens Truchtolf. Die genannten Güter sind in der Folgezeit von der Reichenau an das Kloster St. Gallen gekommen, denn letzteres besaß im 12. Und 13. Jahrhundert den größten Teil von Truchtelfingen. Im Laufe des 14. Jahrhunderts kam der St. Gallener Besitz an die Herrschaft Schalksburg, die wiederum 1403 an das Haus Württemberg gelangte. Das Truchtelfinger Wappentier - der schwarze, aufrecht schreitende Bär auf silbernem Grund (1918 als Gemeindewappen angenommen) - soll an die einstige Zugehörigkeit zu St. Gallen erinnern.

Als ältester Ortsteil sind die Hofgruppen südlich der Kirche anzusprechen. Die Kirche selbst wurde allem Anschein nach im 9. Jahrhundert vom Kloster St. Gallen gegründet und hat, wie nicht anders zu erwarten, den heiligen Gallus als Patron (erstmals urkundlich belegt 1462). Bis zur Reformation wirkte das Kloster St. Gallen über das Präsentationsrecht bei der Einsetzung der Pfarrer mit. Übrigens hatte der Truchtelfinger Pfarrer im Mittelalter für die Gemeinde einen Zucht-Eber zu halten. Dies allerdings nur bis zum Jahr 1534, als in Truchtelfingen wie in alle anderen württembergischen Orten die Reformation eingeführt wurde. die Kirche selbst stammt aus dem Jahr 1732, der Turm hingegen mit seinem ausgesprochen wehrhaften Charakter stammt aus gotischer Zeit.

Im Dreißigjährigen Krieg scheint der Ort weniger Schäden erlitten zu haben als das benachbarte Tailfingen, denn von 1639 bis 1651 war Tailfingen, das während dieser Zeit keinen eigenen Pfarrer hatte, nach Truchtelfingen eingepfarrt.

Während die Industrialisierung in den benachbarten Orten Ebingen (im Süden) und Tailfingen (im Norden) seit etwa 1870 die Bevölkerungszahlen sprunghaft ansteigen ließ, folgte Truchtelfingen dieser Entwicklung sehr zögerlich und sehr verhalten. 1820 zählte der Ort 862 Einwohner; 50 Jahre später waren es kaum mehr, nämlich 894. 1899 zeigten sich allmählich doch gewisse Auswirkungen des Industrie-Zeitalters mit dem Bau der ersten Truchtelfinger Fabrik. Trotzdem bewahrte Truchtelfingen auch weiterhin sein dörfliches Gepräge. So herrschte noch 1961 im ortskern das Bauernhaus vor. Dies änderte freilich nichts daran, dass Truchtelfingen Anschluss an die neue Zeit fand - 1902 erhielt der Ort eine Wasserleitung, es folgten 1906 der Anschluss an das Tailfinger Gaswerk, 1912 die Straßenbeleuchtung mit Gaslaternen und wenig später die Einführung des elektrischen Lichts - zunächst 1913 in den öffentlichen Gebäuden, im folgenden Jahr allgemein.

Das überaus rasche Anwachsen der Industrie in den beiden Nachbarorten Tailfingen und Ebingen brachte es mit sich, das bereits kurz nach der Jahrhundertwende der Durchgangsverkehr in Truchtelfingen ein unerträgliches Ausmaß erreicht hatte. Bereits 1911 wurden an der Hauptstraße Verbotstafeln aufgestellt, welche die Autofahrer zur Verminderung ihrer Geschwindigkeit veranlassen sollten. Die große Nähe der beiden benachbarten Industrieorte hatte für die Truchtelfinger indessen durchaus auch großen Nutzen, setzte sie doch eine beträchtliche Anzahl von ihnen in Lohn und Brot, was zu einer Erhöhung der Einwohnerzahl führte: Zählte der Ort 1871 noch 894 Bürger, so waren es 1910 bereits fast doppelt so viel, nämlich 1469.

Als bedeutendster Truchtelfinger kann der Pfarrerssohn Hermann Essig gelten. 1878 geboren, studierte er zunächst an der Technischen Hochschule in Stuttgart, bis ihn 1902 eine schwere Lungenerkrankung zu einem Kuraufenthalt in der Schweiz zwang, wo er sich der Schriftstellerei zuwandte. Ab 1904 lebte er in Berlin, zunächst als Ingenieur, dann als freier Schriftsteller. Der literarische Erfolg ließ einige Jahre auf sich warten: Erst 1909 erschien seine erstes Werk in Buchform. Nach verschiedenen Lungenerkrankungen starb er 1918 in Berlin.

Drei Grundthemen lassen sich in Essigs Dramen und Prosawerken feststellen: eine gegen das Bürgertum gerichtete Sozialkritik, die Isolation des Einzelnen und die Absurdität der menschlichen Existenz. Ist in seinen Dramen der Realismus vorherrschend (stilistische und inhaltliche Bezüge zu den Dramen Gerhard Hauptmanns, Hermann Sudermanns und Frank Wedekinds sind nicht übersehbar), so findet sich in den Prosawerken häufig eine märchenähnliche Grundkonstellation. In einem großen Teil seiner Dramen zeigt Essig seine Heimatverbundenheit; die Lustspiele sind fast ausnahmslos im Truchtelfingen seiner Kindheit angesiedelt.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Truchtelfingen von einem seiner beiden großen Nachbarn geschluckt (sprich: eingemeindet) wurde - so 1934 unter nationalsozialistischem Druck geschehen. Fortan teilte der Ort die Geschicke Tailfingens, das auf Truchtelfinger Gemarkung 1960 ein Krankenhaus (heute: Sana-Klinik) und 1967 die Zollern-Alb-Halle baute. Erst mit der Albstadtgründung löste sich Truchtelfingen aus der engen Verbindung mit dem Nachbarort zeigt als eigener Ortsteil Albstadts wieder etwas mehr Identität.

Truchtelfingen hat heute etwa 3.100 Einwohner.

Quelle: www.albstadt.de


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