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Alte Historische Fotos und Bilder Anrode, Thüringen
Old historical photos and pictures Anrode, Thuringia

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Geschichte von Anrode, Thüringen in Fotos
History of Anrode, Thuringia in photos

Eine kleine historische Referenz

Geographie: Ein Dorf Aninnrod wurde im März 1197 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort bestand bis in das 13. Jahrhundert. Vermutlich 1267 wurde das Kloster Anrode gegründet, das der 1997 neu gebildeten Einheitsgemeinde ihren Namen gab.

Die jetzige Gemeinde Anrode wurde am 1. Januar 1997 aus den fünf bis dahin selbstständigen Gemeinden Bickenriede, Dörna, Hollenbach, Lengefeld und Zella gebildet. Bickenriede, Dörna, Hollenbach und Zella hatten zuvor der Verwaltungsgemeinschaft Landgraben-West angehört.

Gründungszeitpunkt:

Einwohner: 3193

Geschichte:

  • Ortsteile
  • Ortsteil Bickenriede
  • Ortsteil Dörna
  • Ortsteil Hollenbach
  • Ortsteil Lengefeld
  • Ortsteil Zella

Zur „Geschichte“ der Gemeinde Anrode

Die Gemeinde Anrode besteht seit dem 01.01.1997 und wurde im Rahmen der Gebietsreform aus der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft „Landgraben-West“ bestehend aus den Mitgliedsgemeinden Bickenriede, Dörna, Hollenbach und Zella und der Gemeinde Lengefeld gebildet.

Die Verwaltungsgemeinschaft „Landgraben-West“, hatte aufgrund ihrer Größe hinsichtlich der vom Land Thüringen geforderten Einwohnerzahlen keinen Bestand, so dass die Gemeinden beschlossen eine Einheitsgemeinde zu bilden. Mit dem Thüringer Gesetz zur Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden vom 23.12.1996 wurde die bestehende Verwaltungsgemeinschaft Landgraben-West zum 31.12.1996 aufgelöst. Aus dem Gebiet der aufgelösten Gemeinden wurde eine neue Gemeinde gebildet. Da auch hierfür die geforderten Einwohnerzahlen nicht ausreichten, wurde im Rahmen der Gebietsreform die Gemeinde Lengefeld zum 31.12.1996 aufgelöst und per Gesetz der neuen Gemeinde zugeordnet.

Die neue Gemeinde führt seitdem den Namen Anrode. Die ehemalige Klosteranlage des Zisterzienserinnenklosters Anrode als ehemaliger Teil von Bickenriede stand Pate für den Namen der neu gegründeten Gemeinde. Das Gemeindegebiet hat nun eine Gesamtfläche von 5.243 ha.

Blick auf Bickenriede
Blick auf Bickenriede
Lengefeld - Gesamtansicht
Lengefeld - Gesamtansicht
Zella - Kloster, Herrenhaus
Zella - Kloster, Herrenhaus
Zella - Kloster, Herrenhaus
Zella - Kloster, Herrenhaus

Die 5 Ortsteile der Gemeinde grenzen an folgende Nachbargemeinden an:

  • Bickenriede – Büttstedt, Struth
  • Dörna – Struth, Eigenrieden
  • Hollenbach – Mühlhausen
  • Lengefeld – Ammern, Horsmar
  • Zella – Horsmar, Helmsdorf, Beberstedt

Durch die Auflösung der Altgemeinden wurden aus den bisherigen Bürgermeistern nun ehrenamtliche Ortsbürgermeister.

Quelle: gemeinde-anrode.de

Zur Geschichte von Bickenriede

Bickenriede wurde zum ersten mal urkundlich erwähnt am 12.08.1146.

An diesem Tag bestätigte Erzbischof Heinrich I. von Mainz dem Erfurter Peterskloster 1 Mühle und 8 Hufen mit ebensoviel Hofstätten und 2 Wäldchen zu Bichenrid als Geschenk von den Brüdern Folrad und Flartog von Kirchberg.

Der Dorfname lautet hier „Bichenrid“. Dieser änderte sich im Laufe der Zeit bis zum heutigen Bickenriede. Der Dorfname - Bickenriede - wird verschieden erklärt. Die wahrscheinlichste Erklärung ist wohl in der Ableitung von dem urkundlichen Wort „Bichenrid“ zu sehen. Der Name könnte hiernach von „Buchenried“ herrühren und bedeutet somit eine sumpfige Niederung, die mit Buchen bewachsen ist.

Der Vollständigkeit halber sollen hier auch die anderen Erklärungen des Dorfnamens genannt werden:

  • Bickenriede sei eine Niederlassung eines Siedlers Bicko im Ried
  • Ableitung von Roden, und damit als Rodung von einem Bicko verstanden
  • jene Erklärung, die Bick - Pick - Berg auffasst und somit den Ortsnamen als Berg an einer Rodung deutet.
Bickenriede in 1989
Bickenriede in 1989
Bickenriede in 1989
Bickenriede in 1989
Bickenriede in 1989
Bickenriede in 1989
Bickenriede in 1989
Bickenriede in 1989

In Abhängigkeit der unterschiedlichen Deutung des Dorfnamens Bickenriede ist auch die Gründungszeit des Dorfes verschiedenen Epochen zuzuordnen.

Ist der Name von der Endung „riede“ aus Ried = Sumpf abzuleiten, liegt die Gründungszeit in der 1. Siedlungsperiode, das heißt dem 4. -5. Jahrhundert. Zur 3. Siedlungsperiode, also die Zeit nach dem 8. Jahrhundert, gehört die Gründung des Ortes Bickenriede, wenn die Endung „riede“ als mundartliche Änderung von „rode“ (Rodung eines Bicko) - wie alle Rodedörfer - zu erklären wäre.

Im Laufe der Jahrhunderte zwang die wirtschaftliche Lage die Bewohner von Bickenriede immer wieder zum Verlassen ihrer Heimat.

So wanderten nach dem 30-jährigen Krieg viele Bickenrieder ins Rheinland, wo sie in den verödeten Weinbergen arbeiteten und ins Mühlhäuser Gebiet, wo sie als Knechte statt der fehlenden Pferde vor den Pflug gespannt wurden. In den Jahren 1836 bis 1888 verließen viele Bickenrieder ihr Heimatdorf. Sie wanderten in die Vereinigten Staaten von Nordamerika aus. Hauptgrund der Auswanderung war die enorme Bevölkerungszunahme.

Der Niedergang der Heimatindustrie nach 1790 trug wesentlich zur Verschlechterung der Lebenssituation bei. Die heimische Landwirtschaft war nicht mehr in der Lage, die Einwohner ausreichend zu ernähren. Nachweislich sind so in den Jahren von 1836 - 1888 mit Genehmigung 254 Personen nach Amerika ausgewandert, wobei angenommen werden muss, dass noch ein Drittel mehr ohne Konsens ausgewandert ist.

entnommen der Festschrift: "850 Jahre Bickenriede"

Zur Geschichte von Dörna

Die nachweisbare Geschichte der Gemeinde Dörna beginnt mit unserer Zeitrechnung. Davon zeugen Bodenfunde, wie eine Bronzefiebel des 1. Jahrzehntes, Trümmer eines Eisenschmelzofens mit Erz und Schlacke, sowie weitere Siedlungsnachweise.

Diese Relikte stammen von einer Eisenschmelzersiedlung der Hermunduren, eines Teilstammes der Germanen, der im 3. Jh. in den Thüringern aufging. Diese Siedlung fiel jedoch noch im 1. Jh.u.Z. einer Überschwemmung zum Opfer. Eine zweite hermundurische Siedlung muss danach am hochwassergeschützten Kirchberg, in unmittelbarer Nähe einer heidnischen Kultstätte, bestanden haben. Diese Siedlung gilt als Keimzelle des späteren umwallten Dorfes “Thurnithi“.

Die älteste der bisher bekannten Urkunden über das Dorf Dörna wurde am 04. März 1004 vom deutschen König Heinrich II. ausgestellt. Er dotierte das Bistum Halberstadt mit 30 Hufen aus seinem Eigentum in “Dornede“. Dieser Name ist sicherlich auch von den “Ur-Dörnaern“, den Hermunduren, geprägt. Er stammt von “Thurnithi“ (Dorniges) ab und hielt sich bis in das 16. Jh., denn noch 1541 enthielt ein kirchliches Visitationsprotokoll diese Schreibweise. “Dornede“ (von Dorniges also) wiederum läßt vermuten, dass es schon seit Siedlungsbeginn Bemühungen gab, sich vor Angreifern zu schützen. Etwa ab dem Jahr 750 war der Ort zumindest schon durch eine umfassende Wall-Graben-Anlage, die den Kirchberg noch einmal rundum absicherte, geschützt. Alten Überlieferungen zufolge war auf dem Kirchberg einst eine Fliehburg.

Dörna in 1989
Dörna in 1989
Dörna in 1989
Dörna in 1989
Dörna in 1989
Dörna in 1989
Dörna in 1989
Dörna in 1989

Auf der Mitte der heidnischen Kultstätte wurde 1119 eine christliche Kirche errichtet, von der noch eine Wand mit zwei romanischen Fenstergewänden erhalten ist. Diese Kirche wurde mehrfach, zuletzt 1713, erweitert. Um 1280 wurde der umwallte Kirchhof durch eine Steinmauer und ein bewohntes Torhaus verstärkt. Das Torhaus aus mächtigen Travertinblöcken war früher der einzige Zugang zum Kirchhof. Heute ist nur noch der äußere Torbogen erhalten. Zwischen 1290 und 1470 erhielt der Kirchturm durch Aufstockung seine Gestalt als “Flieh - und Wehrturm“ und bildete somit die Hauptfestung der Dörnaer Verteidigungsanlage. Ursprünglich war nur ein Obergeschoß mit Wehrgang vorhanden.

Dieses wurde Mitte des 15.Jh. durch zwei gemauerte Stockwerke mit Schlitzscharten und Lachfratze, vermutlich zur Verhöhnung der Feinde, ersetzt. Im Zusammenhang mit den bäuerlichen Wehrbauten auf dem Kirchberg schufen die Einwohner rings um Alt-Dörna den mit Wallgraben und Dornensträuchem bewehrten Hagen, der noch heute als Waldstreifen dem Oberdorf sein charakteristisches Gepräge gibt. Fachleute bezeichnen das Dörnaer Beispiel als eine Kombination dreier Wehrtypen, wozu also der Hagen, die Steinmauer mit Torhaus und der Wehrturm zählen. Oder man spricht von einem Wehrdorf mit Kirchenburg, weil Mauer und Wehrturm durch den Knickverhau des Hagens ergänzt wurden.

Bis 1302 war Dörna im Besitz der Ritter von Salza, deren berühmtester Sproß, der Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann de Salza, in Dörna einen Meierhof betrieb und das Kirchenpatroziflium St.Georg einfürte. Ein zweiter Meierhof, Chasallaburg genannt, gehörte dem Kloster Anrode. Mit Ausnahme dieser Höfe ging 1302 das Dorf durch Verkauf in Mühlhäuser Besitz über.

Am Mühlhäuser Landgraben liegend, wurde Dörna von 1324 bis 1423 fünfmal Opfer der Fehden zwischen den benachbarten Herrschaften und der Stadt Mühlhausen, wobei die Bauern ihres Viehs beraubt und ihre Höfe in Brand gesteckt wurden. Den letzten Überfall auf Dörna verübte Probst Luckardt vom Kloster Anrode mit 80 Bewaffneten im Mai 1525, um sich für erlittene Verluste am Viehbestand Dörnas schadlos zu halten und durch Abbrennen des Dorfes zu rächen.

Mehr oder minder starke Verwüstungen richteten die Hochwasserfluten an, die aus drei Himmelsrichtungen kommend, sich im Dorftal vereinigten und zahlreiche Gebäude z.T. erheblich beschädigten. Leider ist das Katastrophengeschehen, wie auch die übrige Dorfgeschichte, erst ab dem Jahr 1564 chronologisch festgehalten. Zwar haben auch schon vorher Dorfschulzen existiert, nur ist das Material vermutlich in dunklen Kanälen gelandet, wahrscheinlich in Privathand, und somit gemeinnützigen Interessen entzogen. Da aber der Pfarrer die Pflicht hatte, alle Naturkatastrophen als “Gottes Strafe“ im Kirchenbuch festzuhalten, lässt sich trotzdem vieles rekonstruieren. Manche Unwetterkatastrophen lassen sich allerdings auch anhand Mühlhäuser Chroniken nachvollziehen. So ist für das Jahr 1162 die erste relativ sichere Datierung für ein schlimmes Uferübertreten der Unstrut, mit Sturmwinden und sicherlich auch Todesopfern möglich. Ein weiteres folgenschweres Unwetter ereignete sich im Spätsommer 1434 und richtete schwere Ernteschäden an.

Die wohl größte Naturkatastrophe in der Geschichte Dörnas aber war das Unwetter vorn 29.05.1613. In dieser sog. “Thüringischen Sündflut“ ertranken in Dörna 15 Einwohner. Die Toten wurden z.T. erst Tage später bis zu 5 km bachabwärts gefunden und auf dem Kirchhof beigesetzt. Das nächste erwähnenswerte Unwetter ist mit dem 16.06.1670 datiert, welches von abends 22 bis früh´s 3 Uhr tobte. Wieder eine schlimme “Sündflut“ gab es im Jahr 1813. Weitere verheerende Überschwemmungen ereigneten sich am 23.06.1841, am 26.05.1852, am 13.07.1863 und am 10.06.1864.

Die Überschwemmung vom 10.06.1864 gab schließlich den letzten Anstoß, sich nach längeren Diskussionen im Dorf bzw. mit dem Landrat von Hagen (der auch das Dorf wegen der Schaden besichtigte), für die Anlage eines Umflutgrabens mit schützendem Wall zu interessieren. Es folgte eine großangelegte Hilfsaktion für das Dorf. Schon am 17.06.1864 erschien ein “Aufruf zur Hilfeleistung für das überschwemmte Dörna“ im Mühlhäuser Anzeiger. Es war ein Aufruf des Landrates, Dörna finanziell und materiell zu unterstützen. Im April 1866 wurden die Arbeiten an dem für die damalige Zeit höchst imposanten Bauwerk aufgenommen.

In Kriegs- und Seuchenzeiten teilte Dörna das übliche Schicksal umliegender Gemeinden. Zur Zeit des Königreiches Westfalen, von 1807 bis 1813, fungierte Dörna als Kantonsort für acht Gemeinden. Unter preußischer Herrschaft nahm die kommunale Entwicklung einen Aufschwung, der sich, trotz der Kriegsopfer, in einer ansteigenden Einwohnerzahl niederschlug.

Zwischen 1912 und 1968 wurden verschiedene Maßnahmen zur Erhöhung der örtlichen Lebensqualität durchgeführt, so z.B. Wasserleitungsbau, Dorfbeleuchtung, Straßen- und Wegebau und Verrohrung des Dorfbaches.

Trotzdem war in den letzten Jahrzehnten die Entwicklung der Einwohnerzahlen stark rückläufig, vorwiegend aus wirtschaftlichen und politischen Gründen. Das soziokulturelle Leben im Dorf wurde in den 60er und 70er Jahren stark von der “Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft“ geprägt. Staatliche Reglementierungen und Mangelwirtschaft führten zur Stagnation in Handel, Gewerbe und Bautätigkeit.

Die heutige Marktwirtschaft bietet natürlich andere Möglichkeiten der Entwicklung. Das Kleingewerbe hat sich völlig neu entwickelt, die Zahl der Gewerbebetriebe hat sich etwa verdoppelt. Dafür stirbt jetzt die Landwirtschaft als ehemaliger Haupterwerbszweig dieser ländlichen Gemeinde, was für viele Dörnaer gleichbedeutend mit dem Ende ihrer beruflichen Anstellung ist.

Vor 300 Jahren schrieb ein Thüringer Chronist: “... kein anderes Dorf hat unter Plünderung, Brand und Hochwasser ärger gelitten als Dörna. “ Er erwähnte hingegen nicht, dass die bodenständigen Bewohner ihr Dorf aus Trümmern und Asche stets wieder neu auferstehen ließen.

entnommen dem: Dorferneuerungsplan Dörna

Zur Geschichte von Hollenbach

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 1262 als Holebach, Holenbach oder Hoylbach. Die Ortsnamen besagen, dass die Siedlung am “Hohlen Bach“ entstanden ist. Die Flurnamen der Gemarkung weisen auf eine waldreiche, sumpfige, von Heideflächen durchzogene Niederung hin. Die heutige Schreibweise Hollenbach findet sich vereinzelt und erstmalig 1566, häufiger zwischen 1626 und 1641, 1790 und 1824 und bleibt danach herrschend. Die Thüringer Ortsnamensforschung setzt im allgemeinen die Siedlungen auf ...bach in die fränkische Kolonisationstätigkeit, also in den Zeitraum 531 bis 800. Die eigentliche Gründung des Dorfes wird verhältnismäßig spät angesetzt und auf das 8. Jahrhundert u.Z. eingeengt. Berücksichtigt man aber die auffallend planmäßige, also späte Anlage Hollenbachs als reines Straßendorf, so scheint es berechtigt, seine Gründung in eine Zeit bis 750 u.Z. zu datieren, in der das Hauptgewicht fränkischer Neubildung gerade in Thüringen lag.

Hollenbach in 1989
Hollenbach in 1989
Hollenbach in 1989
Hollenbach in 1989
Hollenbach in 1989
Hollenbach in 1989
Hollenbach in 1989
Hollenbach in 1989

Mit dem Jahre 1262 beginnende urkundliche Überlieferung lässt als älteste Grundherren der Abt von Fulda, sowie die Familie “de Ammera“ und den Kämmerer von Mühlhausen erkennen. 1308 wurde Hollenbach dem Kloster Anrode verkauft. Wahrscheinlich ist das Dorf um 1337 in den Besitz der Stadt Mühlhausen gekommen, als König Ludwig von der Stadt 1.000 Mark borgte. Diese Geldverlegenheit des Königs nutzte die Stadt aus, um Reichsrente zu erwerben (Reichsschultheißensamt, Gerichtsbarkeit, u.a.). Das Dorf hatte also Abgaben an Mühlhausen zu leisten.

Um 1400 waren 13 Landbesitzer, 1418 sogar nur 10 Steuerzahler vorhanden. Auf dem nur mittelguten Boden wurde neben Getreide und Hackfrüchten Flachs angebaut, den man im nahegelegenen Flachswerk Anrode verarbeitete. Der Ortsausgang des Dorfes war im Mittelalter mit einem starkbohligen Schlagtor gesperrt. Auch die übrigen Teile des Dorfes waren gegen Überfälle gut gesichert. Die Reste eines Dorfgrabens sind an der Südseite der Ortslage in den dort gelegenen Gärten noch gut nachweisbar. Die ersten Nachrichten über Zerstörungen und Brände tauchen 1424 auf. Im Februar des Jahres und im August 1429 steckten die Ritter von Hanstein das Dorf in Brand, plünderten und raubten das Vieh. Die Pest der Jahre 1438, 1452, 1463 und 1485 setzte dem Dorf ebenfalls erheblich zu. Im 17. Jahrhundert versuchte die Stadt, noch mehr aus den umliegenden Dörfern herauszuholen und erhöhte die Abgaben. Wie in anderen Dörfern lehnten sich auch die Bewohner Hollenbachs dagegen auf und es kam zum berüchtigten “Wiener Prozess“.

entnommen dem Dorferneuerungsplan Hollenbach

Zur Geschichte von Lengefeld

Eines der ältesten Dörfer im Altkreis Mühlhausen in Thüringen kann auf Namensvetter bei Bad Kösen, Sangerhausen, Weimar, Korbach und im Erzgebirge verweisen. Das 'Doringysche Lengevelth' (thüringische Lengefeld) wird oft mit dem im heutigen Unstrut-Hainich-Landkreis befindlichen Lengenfeld unterm Stein im Eichsfeld verwechselt.

Lengefeld erstreckt sich - etwa zehn Kilometer nordwestlich von Mühlhausen - wie ein langes Feld in einer Mulde, durch welche die Luhne fließt. Unmittelbar westlich des Ortes zieht sich der Mühlhäuser Landgraben dahin. Dieser ist eine 26 Kilometer lange frühmittelalterliche Befestigungsanlage, die zum Schutz der 19 Dörfer der Freien Reichsstadt Mühlhausen angelegt wurde.

Der Landgraben - nordwestlich von Mühlhausen - schützte auch das Thüringer Gebiet vor den Raubrittern des Eichsfeldes. Er bestand aus einem Wall und einem Doppelgraben. Der Wall war mit Bäumen und Strauchwerk bewachsen, das niedergebogen und verflochten wurde. An den Durchfahrten befanden sich Schlagbäume und Warttürme, von denen die feindlichen Truppen mit Zeichen den reichsstädtischen Dörfern gemeldet wurden.

Lengefeld - Elisabeth Krankenhaus mit Erholungsheim
Lengefeld - Elisabeth Krankenhaus mit Erholungsheim
Lengefeld - Gasthof zum freien Schwan, besitzer Herm. Töpler, 1912
Lengefeld - Gasthof zum freien Schwan, besitzer Herm. Töpler, 1912
Lengefeld - FDGB Heim Bischofstein
Lengefeld - FDGB Heim Bischofstein
Lengefeld - FDGB Heim Bischofstein, Gesamtansicht, Garten
Lengefeld - FDGB Heim Bischofstein, Gesamtansicht, Garten

Von den einst acht Warten ist heute noch an der Bundesstraße 247 die Lengefelder Warte - das 'Tor zum Eichsfeld' - gut erhalten.

Seit über 60 Jahren ist jener bekannte Landgasthof in Familienbesitz. Anfang der neunziger Jahre wurde in unmittelbarer Nähe des Landgrabens der komfortable Hotel Gasthof "Lengefelder Warte" erbaut. Der Fremdenverkehrsverband - der aus dem Mühlhäuser Landgraben Verein hervorging - initiiert Wanderungen (Märzenbecher-, Adonisröschen-, Frauenschuhwanderungen), Feste und anderes.

Das Dorf Lengefeld wurde bald nach dem Untergang des großen Thüringer Reiches im Jahre 531 gegründet und erstmals 897 im Zusammenhang mit einer Gütertrennung zwischen den Klöstern Hersfeld und Fulda urkundlich erwähnt. In der heutigen Feldflur befanden sich Wüstungen, wie Kühmstedt, Dörnrode und Dangsdorf. Der Bauernkrieg ging an dem Luhnedorf nicht spurlos vorüber.

Am 26. Mai 1525 überfiel eine Reiterschar das Dorf, und der Vogt vom Scharfenstein drohte den Lengefeldern: 'Seid ihr noch martinisch? Wir wollen euch lutherischen Buben jetzt lehren. . .' Daraufhin wurde geplündert und gebrandschatzt, so dass 27 Bauernhöfe in Schutt und Asche gelegt wurden und nur drei Gehöfte und die damalige Kirche stehen blieben.

Die Pest - der 'Schwarze Tod' - forderte mehrfach ihre Opfer, so dass 1611 sogar 184 Einwohner zu beklagen waren.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) zog ein Lengefelder wie der Simplicius aus Grimmelshausens berühmtem Roman durch die Lande und führte ein ähnlich bewegtes Leben. Jener 'Lengefelder Simplex' Michael Kirchner wurde noch mit 56 Jahren Pfarrer im Brandenburgischen und starb mit 108 Jahren.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts führte durch den Ort eine alte Heer- und Handelsstrasse von Nürnberg nach Hamburg, die unter anderem der Kurfürst von Mainz, die Königin Luise von Preußen und 1801 Johann Wolfgang von Goethe benutzten. Letzterer schrieb in sein Tagebuch: 'Früh fünfeinhalb von Mühlhausen ab durch Ammern, wo man über die Unstrut kommt, in einem schönen Wiesengrunde nach Lengefeld, immer höher dem Eichsfelde näher.' In der Nähe jener Handelsstrasse befanden sich im Süden drei Steinkreuze aus dem 14./15. Jahrhundert, von denen das Haurieder Kreuz am Schildbach nicht mehr vorhanden ist, aber die beiden in Lengefeld auf dem Gottesacker unter drei Eichen im Mühlhäuser Tor.

Einst war südöstlich des Ortes an der Heerstraße ein Siechenhaus zu finden.

Fast bedeutungslos wurde die alte Handelsstraße als 1817 die 'Kunststraße' auf der Mark zwischen Horsmar und Lengefeld eröffnet wurde die heutige Bundesstraße 247.

Das Dorf wurde von vielen Bränden heimgesucht, wie 1686, als 45 Gehöfte zerstört wurden. Die Luhne, die im höher gelegenen Eichsfeld entspringt und in die Unstrut bei Ammern mündet betrieb nicht nur jahrhundertelang die Ober- und die Untermühle, sondern setzte vielfach das Dorf unter Wasser, so dass Hochwasser und Überschwemmungen oft große Schäden anrichteten. Erst 1953/54 wurde südöstlich des Ortes ein Staudamm mit einem Rückhaltehecken angelegt, um die Mühlhäuser Unterdörfer zu schützen.

Im 19. Jahrhundert zog es auch zahlreiche Lengefelder in die Ferne, um Arbeit und Lohn, aber auch das Glück zu suchen, wie Johann Georg Höch nach Amerika.

Stellvertretend für die namhaften im Luhnedorf geborenen Lengefelder sei auf Professor Dr. Adolf SeIlmann (1868 - 1947) verwiesen. Er erwarb sich als Pädagoge, Autor, Regionalhistoriker und Chronist bleibende Verdienste, so dass in seinem Geburtsort eine Straße nach ihm benannt wurde.

Seit den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts entstanden mehrere kleine Neubaugebiete wie Schützenstieg, Siedlung, Mühlhäuser Tor, Bickenrieder Weg, Dörnaer Weg und Luhner Weg. Zu Beginn der neunziger Jahre entstand auf dem alten Sportplatz der Wohnpark 'Eiweideweg' mit annähernd einhundert Wohneinheiten, so dass 1996 wieder über eintausend Einwohner erreicht wurden. Nach 1989 etablierten sich über 30 Firmen und Gewerbetreibende im Ort.

Der stattliche Turm der 1896 erbauten Johanniskirche prägt weithin dass Dorfbild. 1996 konnte die Kirchgemeinde die l00 - Jahrfeier ihres wahrscheinlich dritten Gotteshauses begehen. Vor dem Angertor wurde 1818 der neue Friedhof angelegt und in unmittelbarer Nähe in den zwanziger Jahren ein Kriegerdenkmal aufgestellt. Im Zentrum des Ortes feiern die "Lotschen" (Latschen) - so der Spitzname der Lengefelder - Anfang November ihre Kirmes in der Gemeindegaststätte.

Trieb man früher manchen Schabernack in den 'Spinnstuben', so pflegen die Lengefelder heute ein vielfältiges Vereinsleben, das im Gemeindesaal, auf dem Festplatz oder dem Sportplatz stattfindet. Im Ort bestehen unter anderem eine Jugendfeuerwehr, ein Feuerwehr-, Sport, Kleingarten-, Kleintierzüchter-, Schützen- und ein Heimatverein, Volkschor und Karnevalsclub.

Im Altkreis Mühlhausen wurden etwa 3000 Hektar unter Landschaftsschutz gestellt, wie zwei Naturschutzgebiete, sechs Landschaftsschutzgehiete und 97 Flächennaturdenkmale. Zu letzteren zählen bei Lengefeld der Hasenberg, der Kühmstedter Bach und die Kühmstedter Waldwiese, die sich östlich der Lengefelder Warte erstreckt.

entnommen dem Buch: "Lengefeld am Mühlhäuser Landgraben"

Zur Geschichte von Zella

Diese größtenteils ins Deutsche übersetzte Urkunde aus dem Jahre 1201 ist unter der Nr. 1208 in den „Dobenecker II“ aufgenommen. In Latein ist diese urkundliche Ersterwähnung sowohl in „Eichsfeldische Kirchengeschichte“ von J. Wolf unter Urkunde Nr. 1 als auch im Urkundenbuch des Eichsfeldes, Teil 1, von A. Schmidt unter Nr. 161 zu finden.

Laut Aussage des Hessischen Landesamtes für Geschichtliche Landeskunde blieb das Original leider nicht erhalten, es sei jedoch kein Zweifel an der Glaubwürdigkeit der bei Wolf und Schmidt gedruckten Urkunden angebracht. Da es sich hierbei um einen das Kloster Reifenstein betreffenden Güterverkauf handelt, ist anzunehmen, dass die beiden genannten Zeugen “von Zcelle“ dem Kloster Reifenstein angehörten und höher gestellte Personen waren. Dies lässt sich aus dem Platz in der Reihenfolge der Zeugenaufzählung ableiten. Die Bezeichnung „Frater“ oder „Bruder“ galt auch für Mönche.

Christoph Nöring schreibt: "Den Anfang des Dorfes Zella kann ich im Jahre 1162 vermuten, in welchem das Kloster Reifenstein gestiftet worden ist. " Graf Ernst von Tonna übergab dem Kloster Reifenstein bei der Gründung im Jahre 1162 u. a. "Guntherodt samt dem Walde Stroth, das er von seinem Ministerialen Sigfrid gn. Rhann zu Helmsdorf (Helmbrechtesdorff) eingetauscht hat." Die "Struth" war damals eine Helmsdorfer Flurbezeichnung, während "Güntherodt" zu den Wüstungen bei Helmsdorf zählte. Zur Bewirtschaftung dieser Länderei sind wahrscheinlich Mönche nach Helmsdorf gekommen. In der Nähe des Pfaffenbornes unterhalb der Zimmerwarte (zwischen Helmsdorf und Zella) scheint die erste Lage des Reifensteiner Klosterhofes gewesen zu sein. In den folgenden Kriegen wurden viele Höfe niedergebrannt und Felder zerstört. Die Mönche bauten ihre Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie auch eine Kapelle weiter östlich nahe der Unstrut wieder auf Aus den Aufzeichnungen des Nöring ist zu ersehen, dass diese Gebäude auf den Grundstücken der heutigen Wiesenstraße 2 und 10 errichtet waren. In der damaligen Zeit nannte man die Wohnungen der Klostergeistlichen auch "Zelle". Es deutet alles darauf hin, dass dieses die eigentliche Erklärung für die Entstehung des Ortsnamens Zella ist. Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Schreibweisen. Zunächst heißt es in der Urkunde Zcelle, dann lesen wir Cella. Christoph Nöring verwendet sowohl Zella als auch Zelle, was wohl dem plattdeutschen Zalle entspricht, wie es von den älteren Leuten auch heute noch genannt wird. In den Nachbardörfern sagte man gern: "In Zalle, do wärd's ver Daje nit halle." In früheren Zeiten hieß es auch Zeilchen oder Zellichen, sicher vom kleinen Dorf abgeleitet.

Zella in 1988
Zella in 1988
Zella in 1988
Zella in 1988
Zella in 1988
Zella in 1988
Zella in 1988
Zella in 1988

1262 tauschte das Kloster Reifenstein seinen Besitz in Zella mit Albert Graf von Gleichenstein gegen Grundstücke in Beberstedt. In der Urkunde werden diese Güter nicht mehr zu Helmsdorf sondern schon zu Zella gerechnet.

Das heutige Dorf Zella einschließlich der gesamten Gemarkung gehörte ursprünglich zu Helmsdorf. Als die adlige Familie "derer von Helmsdorf" mit Dieterich (auch Theodorius genannt) ausstarb, fielen alle Güter durch Erbe an die männlichen Nachkommen der Schwester des Dieterich. Auf dem zu diesen Gütern gehörenden Herrenhof Breitenbach stifteten die Erben des Dieterich um das Jahr 1230 ein Zisterzienserinnen-Kloster zur Ehre des allmächtigen Gottes, der Heiligen Jungfrau Maria und aller Heiligen.

Da es oft zu Verwechslungen mit dem Dorf Breitenbach bei Worbis kam, wurde der über mehrere Jahrhunderte bestehende Name Breitenbach im 19. Jh. in Breitenbich geändert.

Als Zisterzienserinnen-Kloster hatte Breitenbich nur ein bis zwei Jahrzehnte Bestand. Im Erbfolgekrieg zwischen dem Markgrafen Heinrich von Meißen und der Landgräfin Sophie von Hessen wurden Klostergebäude und Mühle öfter zerstört. Die Nonnen wurden es leid, ihr mehrmals abgebranntes Kloster immer wieder aufzubauen. 1253 beschlossen sie mit Zustimmung ihres Propstes Otto, Breitenbich aufzugeben. Sie fanden Zuflucht bei der Mühlhäuser Adels-Familie der Kämmerer, die ihnen den Grundbesitz Anrode schenkte. Hier errichteten sie 1268 eine neue Niederlassung ihres Ordens. Das Kloster Anrode bestand über 500 Jahre. Heute ist es als Denkmal ein kultureller Anziehungspunkt in unserer Region, nicht zuletzt ist Zella seit 1997 ein Ortsteil der "Gemeinde Anrode".

Am 27. April 1253 übergaben die Erben des Dieterich das Kloster Breitenbich mit der dazugehörigen Länderei dem Ritterorden des hl. Lazarus. In diesem Zusammenhang wird auch die Meinung vertreten, dass sich der Name des Ortes Zella von der Bezeichnung "Zelle" für die Wohnung der Lazariten ableitet. Zwei wesentliche Punkte sprechen gegen diese Ansicht. Erstens: Die Lazariten siedelten sich erst 1253 hier an und zweitens nannten sich diese nie "von Zelle", sondern stets "von Breitenbach".

Sicher ist aber, dass sich Zella erst durch Breitenbich vergrößert hat. Die Ordensleute errichteten im Tal der Unstrut eine Mühle und auch eine Brauerei, in denen Einwohner des Ortes für sie arbeiteten.

Nach dem bereits erwähnten Landtausch im Jahre 1262 wurden die Zisterziensermönche zurückgezogen. Das Kloster Reifenstein erhielt für seine den Lazariten überlassene Kapelle in Zella drei Häuser, auf denen noch im 18. Jh. ein Zins von 4 Gr., 12 4/5 Pfg., 6 Hähnen und 3 Schock Eiern lag. Heute stehen auf diesem Grund die Gemeindeschenke und das ehemalige Backhaus.

Die Lazariten des Klosters Breitenbich kamen aus der Niederlassung in Gotha. Da sie ihre Hauptaufgabe darin sahen, die Kranken und Siechen zu pflegen, errichteten sie an der Chaussee zwischen Mühlhausen und Dingelstädt - wegen der Ansteckungsgefahr weit von Ortschaften entfernt - den “Siechenhof‘. Weil auch das Kloster Breitenbich weit entfernt lag, wohnten die Krankenpfleger in Zella. Der Feldweg von Zella zur B 247 heißt noch heute der Siechenweg.

Christoph Nöring nimmt an, dass die im Siechenhof Verstorbenen auf dem Friedhof in Zella begraben wurden.

Nach der Aufhebung des Lazaritenordens bestand der Siechenhof unter anderer Verwaltung als Kranken- und Armenhaus weiter und wurde nach 1740 wegen Baufälligkeit abgerissen. Der später an dieser Stelle errichtete Neubau fand nach einiger Zeit als Wirtshaus Verwendung.

Im Jahre 1868 kaufte der Besitzer des Gutes Anrode das Anwesen und verpachtete die Gastwirtschaft an Nikolaus Wand aus Zella. Der nachfolgende Pächter Albin Beil aus Zella betrieb nur Landwirtschaft. 1927 ging der Besitz an den Landkreis Mühlhausen. Da die Gebäude baufällig waren, verkaufte sie dieser zum Abbruch an die Gemeinde Bickenriede. Die Gegend des ehemaligen Siechenhofes heißt noch heute allgemein die “Schwarze Hose“, ursprünglich abgeleitet von ‘Schwarzes Huß“. So wurden Häuser genannt, in denen Menschen mit ansteckenden Krankheiten lebten. Eine angebrachte schwarze Tafel sollte die Vorbeikommenden warnen. Nach dem Bau des Wirtshauses wird der “Schwarzen Hose“ im Volksmund eine andere Bedeutung zugesprochen. Fehlte nämlich beim Kartenspielen noch ein Mann, so wurde eine schwarze Hose ausgehangen. Das soll ganz gut funktioniert haben, denn es waren immer Bauern auf den umliegenden Feldern oder es fand sich jemand, der auf der Durchreise war.

Graf Albert von Gleichen schenkte den Lazariten im Jahre 1283 das Patronatsrecht über die Pfarrkirche in Helmsdorf und der dazu gehörigen Kapelle in Wolkramshausen, ebenso über die Kirchen in Horsmar und Dachrieden. Die Katholiken von Dachrieden wurden nur bis 1842 von der Pfarrei Helmsdorf betreut, während die katholischen Einwohner von Horsmar noch heute zur Pfarrei Helmsdorf gehören. Die seelsorgliche Betreuung der Gläubigen in Horsmar und Dachrieden mag einer der Gründe gewesen sein, weshalb die Lazariten das zerstörte Kloster Breitenbich ca. 1,3 km weiter östlich wieder aufgebaut haben. Ursprünglich lag es vor dem Rosenhagen, "wo die alten Teiche sind bei der Heiligenstädter Wiese" schreibt Christoph Nöring. Der Name dieser Feldflur war von der "heiligen Stätte" des Klosters abgeleitet.

Geschichten hierüber wurden über Jahrhunderte hinweg weitergegeben. Hier habe einst ein Nonnenkloster gestanden, das versunken sei. Die Glocken der Kirche habe man am St. Martinabend bei dem Klosterbramen läuten gehört. Diese Geschichten dürften legendären Charakter haben. Jedoch waren vor 200 Jahren noch Spuren und Merkmale des Klosters vorhanden, so zum Beispiel der gewesene Fischteich, der Heckenzaun des Klostergartens sowie die Fahrwege. Der Klostergarten wurde zur "Heiligenstädter Wiese".

Obwohl die Lazariten anfänglich ihren Besitz ständig durch Schenkungen, Kauf oder Tausch vergrößerten, kamen sie bald in wirtschaftliche Schwierigkeiten und mussten daher laut mehrerer Urkunden nach und nach Besitztümer veräußern. Im Jahre 1490 hob Papst Innocenz VIII. den Lazaritenorden auf und vereinigte ihn mit dem Johanniterorden. Der Lazarit Peter Klopstein wurde 1518 in Gotha Komtur des Johanniterordens und übergab Breitenbich dem Hofmeister Heinrich Schmidt gegen einen Jahreszins von 10 Gulden in Erbpacht. Klopstein, der sich der Lehre Luthers angeschlossen und geheiratet hatte, trat 1525 unter einigen Bedingungen dem Stadtrat zu Gotha das Hospital Maria Magdalena mit allen dazugehörigen Gütern, zu denen auch Breitenbich zählte, ab. Aus dem Kloster Breitenbich wurde das Gut Breitenbich. Heinrich Schmidt gab 1533 den Erbpachtvertrag zurück und erhielt Breitenbich als Lehen. Seine Erben verzichteten auf das Lehnsverhältnis und traten 1542 das Gut Breitenbich für 400 Gulden an den Stadtrat zu Gotha wieder ab.

Am 4. Dezember 1543 verkauften die Kommissarien des Kurfürsten und der Rat zu Gotha "den Gebrüdern Hans und Wilhelm Knorr zu Sollstedt die Höfe und Güter des Hospitals St. Magdalena zu Gotha in Breyettenbach, jenseits von Mühhausen gelegen, für 1800 Gulden Münze Landeswährung".

Der Dreißigjährige Krieg verschonte auch Breitenbich nicht. Weimarische Truppen und Mühlhäuser Bürger, angeführt vom Bürgermeister Selig, plünderten das Gut am 25. Juni 1632 völlig aus. Auch für Zella brachte dieser Krieg durch mehrmalige Überfälle und die damit verbundene Zerstörung des Dorfes viel Not und Elend. Nach dem Krieg musste die Feldflur unter den in Zella verbliebenen Besitzern der 36 Gerechtigkeitshäuser neu verteilt werden, da das Land über Jahre hinweg wüst lag und eine eindeutige Zuordnung nicht mehr möglich war.

Das Rittergut Breitenbich blieb über drei Jahrhunderte im Besitz der adligen Familie von Knorr. 1835 ging der Besitz an den Schwiegersohn, den Kammerherrn Freiherr von Wintzingeroda-Knorr. Seine Witwe heiratete den Freiherrn von Eller-Eberstein zu Morungen, der das Gut 1906 verkaufte. Die nachfolgenden Besitzer waren Franz Kirchfeld und Hans Fischer.

Im Jahre 1809 ordnete die westfälische Regierung die Vereinigung mit der Gemeinde Zella an, 1835 schied das Rittergut jedoch wieder aus und bildete nun einen selbständigen Gutsbezirk, bis 1928 endgültig die Zuordnung zur Gemeinde Zella erfolgte.

Familie Fischer konnte den Besitz nicht halten. 1939 kaufte Ernst Schuchardt aus Dachrieden das Gut Breitenbich. Als er 1946 gewaltsam gegen Plünderer vorging, die den abseits gelegenen Hof oft heimsuchten, wurde er tödlich verletzt. Eine zwangsweise Enteignung im Januar 1953 musste nach dem Aufstand am 17. Juni 1953 grundbuchamtlich rückgängig gemacht werden. Den Betrieb bewirtschaftete der damalige Rat des Kreises Mühlhausen aufgrund eines Nutzungsvertrages durch die inzwischen gegründete LPG "8. Mai" weiter, die später von der LPG "Eichsfelder Höhe" Beberstedt übernommen wurde. Durch Brandstiftung fielen 1974 vier Gebäude den Flammen zum Opfer. 1975 gab der Rat des Kreises den Hof dem Eigentümer zurück. In der nachfolgenden Zeit nutzte der VEB Fernsehgerätewerk Staßfurt und von 1979 bis 1989 das Organisations- und Abrechnungszentrum der Konsumgenossenschaft das Anwesen als Schulungs- und Erholungsheim.

entnommen der Festschrift "800 Jahre Zella"



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