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Alte Historische Fotos und Bilder Reutlingen, Baden-Württemberg
Old historical photos and pictures Aalen, Baden-Wuerttemberg

Wenn Sie habe Vergessen deine Vergangenheit - Ihr wirst keine Zukunft haben


Wappen Reutlingen

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Geschichte von Reutlingen, Baden-Württemberg in Fotos
History of Aalen, Baden-Wuerttemberg in photos

Eine kleine historische Referenz (Wiki)

Geographie: Reutlingen - ist eine Großstadt im Zentrum Baden-Württembergs. Sie ist die größte Stadt und zugleich Kreisstadt des Landkreises Reutlingen, in dessen äußerstem Nordwesten gelegen. Nahebei befindet sich die Mittelstadt Tübingen (12 km westlich), die nächsten Großstädte sind Stuttgart (31 km nördlich) und Ulm (57 km östlich).

Reutlingen liegt auf einer bis zu zwölf Meter starken, von Süden nach Norden geneigten Schotterterrasse am Fluss Echaz, der die Kernstadt in einem leichten Bogen umfließt.

Gründungszeitpunkt: Vermutlich um 1180 erhielt Reutlingen von Kaiser Friedrich Barbarossa das Marktrecht.

Einwohner: 114 310

Sehenswürdigkeiten: Reutlingen hat mit 17,5 Prozent seiner Gemarkung teil am Biosphärengebiet Schwäbische Alb, weshalb sich die Stadt offiziell auch als das "Tor zur Schwäbischen Alb" bezeichnet.

Reutlingen. Am Zwinger
Am Zwinger
Reutlingen. Bahnhof
Bahnhof
Reutlingen. Das Gymnasium
Das Gymnasium
Reutlingen. Die Hermann-Kurz-Schule
Die Hermann-Kurz-Schule
Reutlingen. Die Mädchen-Mittelschule
Die Mädchen-Mittelschule
Reutlingen. Die Oberrealschule
Die Oberrealschule
Reutlingen. Federnseestraße
Federnseestraße
Reutlingen. Gartentor mit Brunnen
Gartentor mit Brunnen
Reutlingen. Gerberstraße
Gerberstraße
Reutlingen. Handelskammer
Handelskammer
Reutlingen. Klein-Venedig, 1912
Klein-Venedig, 1912
Reutlingen. Klein-Venedig
Klein-Venedig
Reutlingen. Klein-Venedig
Klein-Venedig - für immer verschwunden
Reutlingen. List-Denkmal am Bahnhofplatz, 1906
List-Denkmal am Bahnhofplatz, 1906
Reutlingen. Marienkirche
Marienkirche
Reutlingen. Marktplatz mit Maximilians-brunnen
Marktplatz mit Maximilians-brunnen
Reutlingen. Marktplatz und Wilhelmstraße
Marktplatz und Wilhelmstraße
Reutlingen. Obere Kanzleistraße
Obere Kanzleistraße
Reutlingen. Panorama der Stadt
Panorama der Stadt
Reutlingen. Partie an der Echaz
Partie an der Echaz und Tübinger Tor
Reutlingen. Pfäfflinhofstraße
Pfäfflinhofstraße
Reutlingen. Pferdekutsche vor dem Bahnhof, 1906
Pferdekutsche vor dem Bahnhof, 1906
Reutlingen. Technikum für Textilindustrie
Technikum für Textilindustrie
Reutlingen. Weingärtnerstraße
Weingärtnerstraße

Stadtgeschichte

Begeben Sie sich auf eine Reise durch die Reutlinger Stadtgeschichte:

Vorstädtische Zeit

10 000 v. Chr. bis 400 n. Chr - Frühe Siedlungsspuren

Grabinventar der Hallstatt-Zeit aus Reutlingen-Betzingen.Die ältesten menschlichen Siedlungsspuren im bereich des heutigen Stadtgebiets stammen aus dem Spätpaläolithikum (Reutlingen-Mittelstadt). Danach erst wieder Grabfunde aus der Bronzezeit in Gönningen. Aus der Hallstatt-Zeit mehrere Fundstellen, meist Grabhügel (Betzingen, Rommelsbach, Ohmenhausen). Eine keltische Siedlung der mittleren La-Tène-Zeit (300 bis 200 v. Chr.) ist auf dem Rappenplatz im Bereich der Achalm ergraben worden. In römischer Zeit Verdichtung der Siedlungsspuren. Reste von Gutshöfen ("villa rustica") in Altenburg, Betzingen und Ohmenhausen.

5. - 7. Jahrhundert n. Chr - Alemannische Landnahme

Vermutlich ab 4./5. Jh. Gründung mehrerer alemannischer Teilsiedlungen auf Reutlinger Gemarkung; wohl bedeutendste Siedlung beim heutigen Friedhof unter den Linden und der ehemaligen Pfarrkirche St. Peter in den Weiden. Auch der Ortsname Reutlingen mit der charakteristischen Endsilbe "-ingen" weist auf die alemannische Landnahme hin.

Um 1030 - Bau der Burg Achalm

Die Burg Achalm auf einem Stich des L. Ditzinger 1620.Graf Egino beginnt um 1030 mit dem Bau einer Höhenburg auf der Achalm, die sein Bruder, Graf Rudolf, fertig stellt. Die Achalmgrafen sterben bereits 1098 im Mannesstamm aus, doch behält die Burg über Jahrhunderte hinweg aufgrund der mit ihr verbundenen Herrschaftsrechte für Reutlingen eine wichtige Bedeutung.

1089/90 - Erstnennung im Bempflinger Vertrag

Bempflinger Vertrag (Ausschnitt) in der Zwiefalter Chronik (um 1136).Erste schriftliche Nennung Reutlingens im sogenannten Bempflinger Vertrag, einem Erbvergleich zwischen den Achalmgrafen Kuno und Liutold, den Stiftern des Klosters Zwiefalten, und ihrem Neffen Graf Werner von Grüningen. Als Zeuge urkundet ein "Ruodolfus de Rutelingin". Der Bempflinger Vertrag wird auf 1089/90 datiert.

Stadterhebung und Reichsstädtische Freiheiten

Anfang 13. Jahrhundert - Marktrecht und Stadterhebung

Standbild Kaiser Friedrichs II. auf dem Kirchbrunnen.Wohl um 1180 erhält Reutlingen von dem Staufer Friedrich Barbarossa das Marktrecht. Zwischen 1220 und 1240 wird es von Kaiser Friedrich II. zur Stadt erhoben und mit Mauern, Gräben und Türmen befestigt.

1247 - Belagerung Reutlingens und Bau der Marienkirche

Marienkirche: Aufnahme aus den 1920er Jahren. Vergebliche Belagerung Reutlingens durch Anhänger des Gegenkönigs Heinrich Raspe. Als Dank für die glücklich überstandene Gefahr beginnen die Bürger mit dem Bau der Marienkirche, dem Wahrzeichen der Stadt, die 1343 vollendet wird. Bis zur Reformation ist die Marienkirche allerdings nur Filialkirche der außerhalb der Stadtmauern gelegenen Pfarrkirche St. Peter und Paul in den Weiden.

1262 - Die achalmischen Rechte gelangen an Württemberg

Vom Rang einer "freien" Reichsstadt ist Reutlingen allerdings zunächst weit entfernt. In rechtlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht besteht ein enges Abhängigkeitsverhältnis vom Achalmvogt, der Zoll, Steuern und sonstige städtische Einkünfte einzieht, die niedere und hohe Gerichtsbarkeit ausübt, sowie den Schultheißen ernennt. 1262 verpfändet Konradin, der letzte Hohenstaufer, diese achalmischen Rechte an Graf Ulrich von Württemberg.

1337 - Das Rechtswesen

Im sogenannten "privilegium fori" (1337) befreit Kaiser Ludwig IV. Reutlingen von der Gerichtsbarkeit des Rottweiler Hofgerichts sowie aller anderen Landgerichte. Die niedere Gerichtsbarkeit unterliegt fortan dem städtischen Schultheißen. Die Hoch- bzw. Blutgerichtsbarkeit verbleibt dagegen zunächst beim Achalmvogt und geht erst im Laufe des 15. Jh. an die Reichsstadt über. Eine rechtliche Besonderheit bildet das Reutlinger Asyl, das aufgrund eines kaiserlichen Privilegs aus dem Jahr 1495 allen Totschlägern, die ihre Tat ohne Vorsatz verübt haben, einen reichsrechtlich garantierten Asylschutz in Reutlingen zusichert.

1343 - Friedensordnung und Reichsstädtische Verfassung

Erste städtische Friedensordnung um 1300.In der ältesten Rechtsurkunde der Stadt (um 1300) trifft die Reutlinger Bürgerschaft Bestimmungen zur Sicherung von Ruhe und Ordnung und regelt das Verfahren bei Verletzung des Stadtfriedens. Die erste reichsstädtische Verfassung von 1343 sichert der in Zünften organisierten aufstrebenden Schicht der Handwerker weitgehende politische Mitbestimmungsrechte. Mit der Verfassungsordnung des Jahres 1374, die - abgesehen von einem Intermezzo 1552-1576 ("Hasenrat") - die Grundlage der demokratisch-zünftischen Tradition bis zum Ende der Reichsstadtzeit bildet, ist die Vorherrschaft des Patriziats endgültig gebrochen.

1377 - Schlacht bei Reutlingen

Sieg über ein württembergisches Ritteraufgebot unter Graf Ulrich vor Historisierende Darstellung der Schlacht (Ausschnitt).den Toren der Stadt. Der Städtekrieg, den Reutlingen als Mitglied des Schwäbischen Städtebundes mitträgt, endet allerdings 1388 in der Schlacht bei Döffingen mit der Niederlage des Bundes und seiner Auflösung. Reutlingen muss im Friedensschluss 1389 die württembergische Vorherrschaft anerkennen.

14./15. Jahrhundert - Reichsstädtisches Territorium

Im Laufe des 14. und 15. Jh. dehnt Reutlingen sein Herrschaftsgebiet auf sieben umliegende Dörfer und Weiler aus: Wannweil (zwischen 1333 und 1463), Ohmenhausen (1358), Bronnweiler und das Gut Alteburg (1437), Betzingen (1495/97), Gomaringen mit Stockach, Ziegelhausen und Hinterweiler (1499). Mit einer Fläche von ca. 44 qkm zählt Reutlingen zu den kleineren Reichsstädten.

Von der Reformation bis zum Übergang an Württemberg 1802

1505 - Schirmverträge mit Württemberg

Schirmvertrag von 1505 sowie Herzog Ulrich von Württemberg (1487-1550).Reutlingen schließt mit Württemberg einen zunächst auf 51 Jahre befristeten Schirmvertrag ab, der später bis 1802 laufend verlängert wird. Neben der Regelung von Zoll- und Handelsfragen ist darin für die Reutlinger Seite die Zahlung eines jährlichen Schutzgeldes sowie die Stellung von Soldaten im Kriegsfall vorgesehen.

1519 - Überfall Herzog Ulrichs

Der Tod eines württembergischen Forstknechts dient Herzog Ulrich als Vorwand, Reutlingen zu überfallen und einzunehmen. Durch die Hilfe des Schwäbischen Bundes wird die Stadt rasch wieder befreit und der Herzog für 15 Jahre aus seinem Land vertrieben.

1524 - Reformation und Markteid

Unter dem Einfluss des Reutlinger Predigers Matthäus Alber (1495-1570) wendet man sich in Reutlingen früh der Lutherischen Lehre zu. In dem berühmten Markteid von Mai 1524 zwingen die Bürger die Obrigkeit, an dem neuen Glauben festzuhalten. Neben Nürnberg unterzeichnet Reutlingen als einzige Reichsstadt 1530 das protestantische Glaubensbekenntnis, die Confessio Augustana. Nach den unheilvollen Folgen des sogenannten Schmalkaldischen Kriegs (1546/47) gewinnt die Lehre Luthers mit dem Augsburger Religionsfrieden (1555) endgültig die Oberhand. Bis 1802 bleibt in Reutlingen die Anerkennung der Augsburger Konfession Voraussetzung für den Erwerb des Bürgerrechts.

1618-1648 - Dreißigjähriger Krieg

Reutlingen erleidet durch Plünderungen und Einquartierungen schwere Schäden. Durchzüge schwedischer, kaiserlicher, bayerischer und französischer Truppen bringen die Reichsstadt an den Rand des finanziellen und wirtschaftlichen Ruins. Die Einwohnerzahl sinkt um ein Drittel, die Kontributionen belaufen sich auf eine Million Gulden. Reutlingen sieht sich 1648 zum Verkauf der Ortschaften Gomaringen und Hinterweiler an Württemberg gezwungen.

1726 - Stadtbrand

Zeitgenössische Darstellung des Stadtbrands von 1726.Einschneidendstes Ereignis im 18. Jh., dessen Auswirkungen sich bis heute im Stadtbild und in der Bausubstanz bemerkbar machen. Der drei Tage lang wütende Brand vernichtet vier Fünftel der Wohnhäuser, fast alle öffentlichen Gebäude und macht 1200 Familien obdachlos. Dank vieler spontaner Hilfeleistungen vollzieht sich der Wiederaufbau relativ rasch, jedoch ungeplant und mit bescheidensten Mitteln.

Ende 18. Jahrhundert, 1802/03 - Krise der Reichsstadt und Übergang an Württemberg

Reformbürgermeister Johann Jakob Fezer (1760-1844).Finanzielle Engpässe, administrative Mängel sowie interne politische und soziale Probleme beeinträchtigen zunehmend die Handlungsfähigkeit der Reichsstadt. Vergeblich bemüht sich Bürgermeister Johann Jakob Fezer um durchgreifende Reformen (1798). Schließlich büßt Reutlingen im Zuge der tiefgreifenden territorialen Umgestaltungen in Deutschland während der Napoleonischen Kriege seine Selbständigkeit ein und geht an Württemberg über (1802/03). Reutlingen wird eine von 64 württembergischen Oberamtsstädten und ab 1818 Sitz der Regierung des Schwarzwaldkreises.

1813 - Hermann Kurz

Am 30. November 1813 wird der schwäbische Dichter, Schriftsteller und in der demokratischen Bewegung engagierte Redakteur Hermann Kurz in Reutlingen geboren. Ab 1863 zur Existenzsicherung als "Unterbibliothekar" an der Universität beschäftigt, stirbt Kurz am 10. Oktober 1873 in Tübingen.

Im Zeichen der Industrialisierung

1821 - Friedrich List und die Reutlinger Petition

Friedrich List im Alter von 28 Jahren als Professor in Tübingen.Der am 6. August 1789 in Reutlingen geborene Friedrich List zählt als Nationalökonom, Eisenbahnpionier, Verwaltungsreformer, Publizist und Politiker zu den herausragenden Persönlichkeiten des 19. Jh. Seine im Januar 1821 verfasste Reutlinger Petition, in der er in provokativer Form die Missstände in Verwaltung und Rechtsprechung anklagt, zwingt ihn nach Verbüßung einer Haftstrafe auf dem Hohenasperg nach Amerika auszuwandern (1825), wo ihm großes Ansehen zuteil wird. 1830 nach Europa zurückgekehrt, wirkt er maßgeblich am Bau der Eisenbahn Leipzig-Dresden und an anderen Projekten mit. Die Tragweite seiner Ideen und Forderungen wird allerdings erst nach seinem Tod (Selbstmord in Kufstein am 30. November 1846) richtig erkannt.

1840 - Gustav Werners soziales Wirken

Gustav Werner nach einem Gemälde von Robert Heck, 1888.Im Februar 1840 beginnt mit der Errichtung einer kleinen Anstalt für elternlose Kinder die beispiellose soziale Tätigkeit des evangelischen Theologen Gustav Werner (1809-1887) in Reutlingen. Für Kinder, Jugendliche, hilfsbedürftige Erwachsene und Alte schafft Werner zahlreiche Heime, Fabriken und andere Einrichtungen. Allein zwischen 1854 und 1862 gründet er 24 Zweiganstalten. Seine Stiftung "Zum Bruderhaus" besteht in Reutlingen und in anderen Landkreisen bis heute.

1848/49 - Demokratische Revolution

Zentrales Anliegen der 1848er Revolution: Die Forderung nach Pressefreiheit.Die demokratischen Ideen des Vormärz, die sich in der 1848er Revolution Bahn brechen, fallen auch in Reutlingen auf fruchtbaren Boden (Gründung eines "Volksvereins", Errichtung einer Bürgerwehr, zahlreiche Kundgebungen). Höhepunkt dieser Aktivitäten, die Reutlingen allmählich in den Ruf einer "radikalen" Stadt bringen, ist an Pfingsten 1849 eine große Versammlung aller Volksvereine, bei der die erregte Menge sogar die Beteiligung am Badischen Aufstand fordert.

1859 - Eisenbahnanschluss und Industrialisierung

Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Gönningen im Jahr 1902. Der Eröffnung der Eisenbahnlinie von Plochingen nach Reutlingen im September 1859 bedeutet den entscheidenden Impuls für den wirtschaftlichen Aufschwung Reutlingens in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Besondere Bedeutung erlangen die Sektoren Leder- und Textilindustrie, Werkzeugproduktion, Maschinen- und Papierfabrikation. Gleichzeitig starker Anstieg der Bevölkerung.

1907 - Eingemeindung von Betzingen

Eingemeindungsfeier im Betzinger Rathaus am 1. April 1907.Die am 1. April 1907 vollzogene Eingemeindung von Betzingen nach Reutlingen ist Ausdruck einer immer stärkeren Orientierung der umliegenden Gemeinden auf das leistungsfähige Wirtschaftszentrum Reutlingen. Unter ähnlichen Vorzeichen erfolgt 32 Jahre später auch die Eingemeindung von Sondelfingen.

Das 20. Jahrhundert

1933 - Machtübernahme der Nationalsozialisten

Einzug des III. Infanterieregiments 35 im Jahr 1936.Die NS-Machtübernahme verläuft in Reutlingen wie in anderen Kom-munen: Das Gleichschaltungsgesetz macht die Nationalsozialisten im April 1936 plötzlich zur stärksten Fraktion im Gemeinderat, nachdem sie bis dahin nur zwei Räte gestellt haben. Besetzung sämtlicher Leitungsfunktionen mit Parteimit-gliedern, Ausschaltung des politischen Gegners durch massiven Druck. Der demokratisch gewählte Oberbürgermeister wird seines Amtes enthoben, ein neues Stadtoberhaupt nach dem Führerprinzip vom Innenministerium eingesetzt, die Lokalpresse gleichgeschaltet.

1938 - Ausgrenzung, Verfolgung

In der reichsweiten Pogromnacht (9./10. November) werden die beiden letzten jüdischen Geschäfte zur Schließung gezwungen. Die anderen jüdischen Unternehmen (1933 immerhin 16) sowie viele in Reutlingen lebende Menschen jüdischer Herkunft (in den 1930er Jahren rund 100) sind schon zuvor dem massiven Druck der braunen Machthaber gewichen. Zu den Opfern der NS-Rassenpolitik gehören auch mehrere Sinti-Familien. Mindestens 30 Personen aus diesen beiden Gruppen werden in Konzentrationslagern umgebracht, zahlreiche Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten im Reutlinger Raum in Grafeneck ermordet.

1939 - 1945 - Zweiter Weltkrieg

Nikolaiplatz nach den Luftangriffen des Frühjahrs 1945 Nach vier schweren Luftangriffen liegen weite Teile der Stadt am Ende des von Hitler heraufbeschworenen Zweiten Weltkrieges in Schutt und Asche. Die schreckliche Bilanz: 3240 zerstörte Wohnungen (25 Prozent des Gebäudebestandes), mehr als 5.000 Obdachlose, 474 Tote, über 1.800 gefallene Soldaten, ungefähr 3000 Kriegsgefangene und -vermißte sowie ein Bevölkerungsrückgang von 40.000 auf 32.000 Einwohner.

1945 - 1949 - Besatzungszeit und Wiederaufbau

Am 20. April 1945 übergibt der ehemalige SPD-Stadtrat Oskar-Kalbfell Reutlingen den von Tübingen heranrückenden Franzosen, die ihn noch am selben Tag als kommissarisches Stadtoberhaupt einsetzen. Unter Kalbfell (seit September 1946 demokratisch gewählter Oberbürgermeister) werden - noch unter französischer Militärbesatzung - die Weichen für eine rasche Beseitigung der Kriegsfolgen sowie für einen kontinuierlichen Wiederaufschwung in sämtlichen Bereichen gestellt (Reutlinger Spende, Trümmerbeseitigung, städtisches Wohnungsbauprogramm, Integration von annähernd 6000 Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, zeitweilige Eingemeindung von 12 benachbarten Gemeinden).

1958 - Partnerstädte

Erste offizielle Städtepartnerschaft zwischen Reutlingen und dem französischen Roanne. Es folgen weitere Partnerschaften mit Ellesmere Port/Großbritannien (1966/67), Bouaké/Elfenbeinküste (1970/71), Aarau/Schweiz (1986), Szolnok/Ungarn (1990), Duschanbe/Tadschikistan (1990) und Reading Pennsylvania/USA (1998).

1971-1975 - Neun neue Bezirksgemeinden

Nach Betzingen (1907), Sondelfingen (1939) und Ohmenhausen (1949) schließen sich im Zuge der Verwaltungsreform zwischen 1971 und 1975 neun weitere Bezirksgemeinden mit Reutlingen zusammen: Bronnweiler, Gönningen, Oferdingen und Reicheneck 1971, Altenburg, Degerschlacht und Sickenhausen 1972, Rommelsbach 1974 und Mittelstadt 1975.

1945 / 1973 / 1995 / 2003 - Oberbürgermeister nach 1945

Zwei Oberbürgermeister mit ungewöhnlich langen Amtszeiten bestimmen die Entwicklung nach 1945. Dem stürmischen, pragmatischen Wiederaufbau der Kalbfell-Zeit folgt ab November 1973 unter Dr. Manfred Oechsle (CDU) eine Epoche der Konsolidierung und des qualitativen Ausbaus. Dieser vollzieht sich im Zeichen eines einschneidenden wirtschaftlichen Strukturwandels, bei dem unter anderem die elektrotechnische Industrie und der Dienstleistungssektor an Bedeutung gewinnen. Im April 1995 tritt Dr. Stefan Schultes (CDU) die Nachfolge von Dr. Oechsle an. Mit Barbara Bosch wird im Februar 2003 zum ersten Mal eine Frau in Reutlingen als Stadtoberhaupt gewählt.

1988 - Reutlingen wird Großstadt

Luftbild von Reutlingen.Im Oktober 1988 überschreitet Reutlingen die 100000 Einwohner-Marke und wird zur 9. Großstadt in Baden-Württemberg. Unbestritten ist Reutlingens Rolle als Wirtschaftszentrum der Region Neckar-Alb. Auch im kulturellen Bereich übt die Stadt mittlerweile eine überregionale Funktion aus.

Quelle: reutlingen.de



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