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Alte Historische Fotos und Bilder Sankt Wendel, Saarland
Old historical photos and pictures Sankt Wendel, Saarland

Wenn Sie habe Vergessen deine Vergangenheit - Ihr wirst keine Zukunft haben


Wappen Sankt Wendel

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Geschichte von Sankt Wendel, Saarland in Fotos
History of Sankt Wendel, Saarland in photos

Eine kleine historische Referenz

Geographie: Zu Sankt Wendel gehören 16 Stadtteile:

Bliesen, Bubach, Dörrenbach, Hoof, Leitersweiler, Marth, Niederkirchen, Niederlinxweiler, Oberlinxweiler, Osterbrücken, Remmesweiler, Saal, Urweiler, Werschweiler, Winterbach und die Kernstadt Sankt Wendel.

Gründungszeitpunkt:

Einwohner: 26 106

Geschichte:

Sehenswürdigkeiten:

Sankt Wendel. Bahnhofstraße, 1918
Bahnhofstraße, 1918
Sankt Wendel. Bahnhofstraße
Bahnhofstraße
Sankt Wendel. Gymnasium
Gymnasium
Sankt Wendel. Häuser am Domplatz, 1935
Häuser mit Bekenntnissprüchen am Domplatz, 1935
Sankt Wendel. Hotel 'Riotte', 1919
Hotel 'Riotte' an Bahnhofstraße, 1919
Sankt Wendel. Katholischen Kirche, 1912
Katholischen Kirche, 1912
Sankt Wendel. Kelsweilerstraße
Kelsweilerstraße
Sankt Wendel. Marienkrankenhaus
Marienkrankenhaus

Geschichte

Von den Anfängen bis Mitte des 19. Jahrhunderts

Den Kern der Stadt St. Wendel bildete wahrscheinlich der Hof eines Grundherrn aus der Zeit der Merowinger Zeit (spätes 6. Jahrhundert) namens Baso. So entstand der Ortsname Basonevillare, d. h. Landgut des Baso. Dieser Name hätte sich in unserer Zeit vermutlich zu Bosenweiler weiterentwickelt – wäre die Wendalinusverehrung nicht gewesen. Basos Hof lag auf der Schulter des Bosenbergs, zwischen dem Todbach und dem Bosenbach. Mitte des 7. Jahrhunderts kaufte der Bischof von Verdun, Paulus, Basonevillare. Außerdem erbte er von einem fränkischen Adeligen, Adalgisil mit dem Beinamen Grimo, die Stiftung Tholey (damals noch ohne Kloster). Auf diese Weise kam das Gebiet von St. Wendel auf Jahrhunderte zu Verdun. Um 600 lebte hier vermutlich ein Mann, der nach seinem Tod von der Bevölkerung stark verehrt wurde. Daraus entstand der Kult um den heiligen Wendelin (lat. Wendalinus). Infolge dieser Verehrung entwickelte sich in den Jahrhunderten nach seinem Tode eine ausgedehnte Wallfahrt, was schließlich dazu führte, dass der alte Siedlungsname Basonevillare im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts durch St. Wendel ersetzt wurde.

Die Grafen von Blieskastel, deren Besitz sich vom nördlichen Lothringen zu beiden Seiten der Blies quer über den Hunsrück bis nach Bernkastel an der Mosel, dem heutigen Bernkastel-Kues, erstreckte, legten im 10. Jahrhundert in den Bliesniederungen (heute Bereich der Tiefgarage in der Mott) möglicherweise eine Wasserburg an, die dem Schutz des aufstrebenden Wallfahrtsortes diente. Diese Wasserburg bestand typischerweise aus einem aufgeschütteten Erdhügel mit einem Wohnturm, umgeben von einem Palisadenzaun und einem Wassergraben. Eine solche Anlage nannte man Motte. Aus dem Vorhandensein des Flurnamens „Mott“ wird in St. Wendel auf diese frühe Burganlage geschlossen; Belege und Anzeichen dafür sind sonst keine vorhanden.

Im 9. oder frühen 10. Jahrhundert entstand eine Kirche am Standort der heutigen Basilika, in der heute die Reliquie „Heiliger Wendalinus“ verwahrt wird. Parallel zur Wallfahrt entstanden mehrere Märkte, u. a. der Wendelsmarkt, der zentrale Markt der gesamten Umgebung für Vieh, Kleidung und Gebrauchsgegenstände. Burg, Hof und Kirche wuchsen erst im 14. Jahrhundert allmählich zusammen.

1326/28 erwarb der Trierer Kurfürst und Erzbischof Balduin von Luxemburg Burg und Dorf St. Wendel. Mit dem Erwerb St. Wendels durch Balduin entwickelte sich die Siedlung nach und nach zu einer mittelalterlichen Stadt. Erster kurtrierischer Amtmann (Burggraf) des Amtes St. Wendel wurde Jakob (Jacomin) von Montclair (Monkler). Als Vertreter des Kurfürsten ließ er nach 1328 eine neue Burg errichten. Es wird angenommen, dass auf Erzbischof Balduins Geheiß mit dem Bau der neuen Pilgerkirche begonnen wurde. Auf dem Reichstag zu Nürnberg erhielt Balduin 1332 von Kaiser Ludwig dem Bayern das sog. Sammelprivileg für 29 Städte, Dörfer, Burgen und Kapellen seines Bereichs, die er mit den Rechten, wie sie das Frankfurter Stadtrecht enthielt, ausstatten konnte. Der St. Wendeler Historiker Max Müller hat in seinem Standardwerk über die Geschichte St. Wendels (bis zum Ersten Weltkrieg) diese Urkunde als „Stadtrechtsurkunde für St. Wendel“ interpretiert (diese Fehlinterpretation wirkt weiter, obwohl sie schon zu Müllers Zeiten von Fachleuten als falsch erkannt wurde). St. Wendel wurde im 14. Jahrhundert Stadt, aber eine förmliche Verleihung der Stadtrechte ist nicht bekannt. Balduins Nachfolger, Erzbischof Werner von Falkenstein, ließ 1388 eine 650 Meter lange Mauer rings um die Stadt errichten; den Zugang zur Innenstadt bildete damals ein einziges Tor (heute obere Balduinstraße in Höhe des Salons Bernhard). Zu dieser Zeit lebten etwa 500 Menschen in St. Wendel.

Der heutige Fruchtmarkt war immer schon Marktplatz gewesen; 1440 erhielt er eine Steigerung, als der damalige Erzbischof in Trier den Platz, genannt „Kaff“, der Pfarrei schenkte mit der Maßgabe, dort ein großes Kaufhaus zu errichten; daraus wurde später das erste Rathaus. In den Häusern rund um die Pfarrkirche siedelte sich die mittelständische Bürgerschicht (meist Handwerker und Händler) an. Es bildeten sich Zünfte, die ein Mitspracherecht in der Stadtverwaltung durch die Schöffen erlangten. 1455 entstand das St. Wendeler Hospital als private Stiftung; 1460 wurde unter dem Pfarrherr Nikolaus von Cues die Pfarrkirche fertiggestellt. Mitte des 15. Jahrhunderts war die Einwohnerzahl auf 700 gestiegen.

Im Jahr 1512 besuchte Kaiser Maximilian während seines Aufenthaltes beim Trierer Reichstag die Stadt St. Wendel. Im September 1522 erlebte die Stadt die einzige Belagerung ihrer Geschichte durch die Truppen Franz von Sickingens. Nach zwei Tagen Dauerbeschuss auf die Mauer (die aber standhielt) und dreimaligem vergeblichen Sturm durch Sickingens Truppen kapitulierte die kurtrierische Besatzung (60 Reiter). Während Franz nach Trier weiterzog, verblieb sein Sohn Johann in der Stadt. Die Belagerung Triers musste am 14. September erfolglos abgebrochen werden, und Teile des Heeres zogen sich über St. Wendel zurück. Daraufhin erschienen zwei Kompanien trierischen Fußvolkes und ein Fähnlein Reiter vor der Stadt und verlangten die Übergabe. In der folgenden Nacht flüchtete Johann von Sickingen durch „eine Bresche in der Stadtmauer“. Diese Stelle, die niemals genau lokalisiert werden konnte, wird heute noch „Sickinger Loch“ genannt (vermutlich gab es dieses Loch in der Mauer gar nicht, da die Mauer nirgends eingestürzt war). An die Belagerung erinnert eine Inschrift und eine eingemauerte Kanonenkugel an einem Strebpfeiler an der Südseite der Wendalinusbasilika, die aber erst 1922 dort angebracht wurde.

1514 und 1589 wurden große Teile der Stadt durch Feuersbrünste in Schutt und Asche gelegt. Fast 50 Jahre später brachten Einquartierungen und Kontributionen (Beiträge zum Unterhalt von Besatzungstruppen) während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) die Stadt an den Rand des Ruins.

Am 2. Februar 1677 wurden alle Häuser von französischen Truppen unter dem General Comte de Bissy, dem Nachfolger Turennes, bis auf wenige Ausnahmen niedergebrannt (Lichtmess 1677). Die Stadtmauer wurde geschleift. Auch das alte Rathaus und die kurfürstliche Burg wurden verwüstet.

Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) wurde die Stadt erneut besetzt und geplündert. Gewerbe und Handel konnten sich lange Zeit nicht mehr erholen. Erst 1714 konnte mit dem Aufräumarbeiten begonnen werden.

Auch im Polnischen Erbfolgekrieg (1733–1736), im Österreichischen Erbfolgekrieg (1741–1748) und im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) marschierten Truppen durch St. Wendel, und es mussten Kontributionen geleistet werden.

Die städtebauliche Entwicklung der Stadt war lange gekennzeichnet gewesen durch einen großen Gegensatz zwischen der sehr hohen Wohndichte im mauerumringten Bereich der Altstadt und der geringen Wohndichte außerhalb. Die Stadtmauer verschwand gegen Ende des Jahrhunderts, die Stadt begann sich etwas auszudehnen. Die Gewerbe, vor allem die Woll- und Lederindustrien, lebten von neuem auf. Es gab große Betriebe mit über 100 Webstühlen. Kaufleute aus Saarbrücken und Straßburg deckten hier ihren Bedarf an guten Tüchern, während die Gerbereien ihre Ledererzeugnisse auf die Frankfurter Messe brachten. So bildete sich bald eine wohlhabende Oberschicht, es entstanden zahlreiche prächtige Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude. Der Wendelsdom wurde 1753 mit einer dreistufigen barocken Kuppelhaube versehen. Zudem fanden zahlreiche städtebauliche Maßnahmen statt (zum Beispiel Anlegen von Straßen, Bebauung des Schlossgeländes, Verlegung des Friedhofs von der Basilika vor das Obere Tor der Stadt).

Während der Revolutionskriege hatte St. Wendel ab 1792 unter Plünderung und Einquartierung durch Truppen beider Seiten zu leiden. Die Einführung der Gewerbefreiheit schaffte die alten Zunftordnungen ab, wodurch viele Meister arbeitslos wurden, da es keine Preisbindungen mehr gab und Pfuscher unter Preis arbeiteten. Ab 1798 gehörte der Kanton St. Wendel zum Arrondissement Saarbrücken im Saardepartement. Allmählich kam wieder etwas Wohlstand in die sich langsam, aber stetig ausdehnende Stadt. In der Kelsweilerstraße wurde die untere Stadtpforte abgerissen (1774) und eine Brücke über den Todtbach (1809) sowie in der jetzigen Bahnhofstraße eine Brücke über die Blies gebaut (1820); die Bahnhofstraße in einer frühen Form wurde angelegt. Am 9. Januar 1814 proklamierte Feldmarschall von Blücher in St. Wendel die Wiederaufnahme des freien Handels zwischen dem Saardepartement und dem rechtsrheinischen Gebiet.

1816 erhielt Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld für seine Verdienste in den Befreiungskriegen (gegen Napoleon) die Kantone St. Wendel, Grumbach und Baumholder (zusammen etwa 20.000 Einwohner) zugewiesen. Ab 1819 nannte er dieses Gebiet Fürstentum Lichtenberg, dessen Grenzen sich heute noch weitgehend unverändert in denen des Evangelischen Kirchenkreises St. Wendel wiederfinden. Die herzogliche Regierung war in der Finanz- und Wirtschaftspolitik erfolgreich (im Auftrag des Herzogs, der immer knapp bei Kasse war, versuchte man, die Bevölkerung bis aufs Letzte auszupressen, im Gegenzug dafür aber wurden Investitionen unterlassen), doch sie versuchte, die Justiz einer staatlichen Kontrolle zu unterwerfen, in dem sie die Richter und Verwaltungsbeamten in Personalunion besetzte. Das Vertrauen der Lichtenberger in eine unabhängige Rechtsprechung schwand. Nach der Bildung eines Landrates hoffte die Bevölkerung auf eine Mitbestimmung in der Gesetzgebung, Steuerpolitik etc., doch Herzog Ernst entschied in vielen Fällen eigenmächtig, in dem er zum Beispiel den Landrat erst gar nicht mehr einberief. Die Bevölkerung wurde zunehmend unzufrieden, was zu Unruhen führte. Im Zuge der liberalen Bewegung nach dem Hambacher Fest 1832 eskalierten die Auseinandersetzungen. Die Mini-Revolten der Bevölkerung wurden mit Hilfe preußischer Truppen aus Saarlouis niedergeschlagen. 1834 verkaufte der Herzog das Land an das Königreich Preußen. St. Wendel wurde Kreisstadt im Regierungsbezirk Trier, der zur Rheinprovinz gehörte.

Der preußische Staat machte aus St. Wendel einen Garnisonsstandort. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wanderten viele Bürger aus dem St. Wendeler Land nach Amerika aus.

1850 bis 1918

Mitte des 19. Jahrhunderts wuchsen die Stadt St. Wendel und die nahegelegenen Orte Alsfassen und Breiten allmählich zusammen. Die heutige Bahnhofstraße, die nach Niederweiler (im Bereich am heutigen Bahnhof) führte, wurde bebaut und ebenso die Brühl- und die Kelsweilerstraße, die nach Breiten und Alsfassen führten. 1859 wurden St. Wendel, Alsfassen und Breiten zu der Stadt St. Wendel zusammengeschlossen. Weitere bauliche Maßnahmen: Straßenbeleuchtung, Verlegung des Hospitals in die heutige Hospitalstraße (1818), zweite Friedhofverlegung in die Gemarkung „Sprietacht“ in der Werschweilerstraße (1814), Bau der evangelischen Kirche (1841). Die Wirtschaftslage in St. Wendel änderte sich erst 1860 mit der Eröffnung der Rhein-Nahe-Bahn zwischen Bingen und Saarbrücken, wovon die Stadt als Bahnstation und durch den Bau der Eisenbahnwerkstätte profitierte. Damals entstand wieder eine jüdische Gemeinde in St. Wendel. 1868 wurde St. Wendel Sitz eines Landwehr-Bezirkskommandos, einer Institution, die nicht nur eine beträchtliche militärische Bedeutung besaß, sondern auch die zentralörtliche Bedeutung der Stadt und des Landratsamtes wesentlich verstärkte. Aus Dankbarkeit verlieh die Stadt bereits ein Jahr später dem kommandierenden General Eberhard Herwarth von Bittenfeld, der sich für den Standort St. Wendel eingesetzt hatte, die Ehrenbürgerwürde.

1898 begann die 1875 in den Niederlanden gegründete Steyler Missionsgesellschaft (Ordensname: Societas Verbi Divini, SVD) in St. Wendel eine Niederlassung zu errichten; sie kaufte für 350.000 Reichsmark den rund 320 Hektar umfassenden „Langenfelderhof“ (auch „Cettos Hof“ genannt) und benannte ihn in „Wendelinushof“ um. Vorbesitzer war die damalige Rheinprovinz. Der Hof, dessen Ursprünge auf das 15. Jahrhundert zurückgingen, wurde, neben der Selbstversorgung, eine Ausbildungsstätte für technische und landwirtschaftliche Berufe.

In mehreren Bauabschnitten wurden von 1901 bis 1914 das Missionshaus mit Wohn- und Schultrakten für eine Ausbildung zum Ordensbruder und Ordenspriester errichtet. 1912 wurde die Missionshauskirche vollendet. Über 500 Priester und Brüder wurden hier, bis zur Auflösung und Enteignung durch die Nationalsozialisten, ausgebildet. Von 1941 bis 1945 war das Missionshaus eine Napola, eine Elite-Internatsoberschule für den nationalsozialistischen Führungsnachwuchs.

Um die Jahrhundertwende setzte, als Reaktion auf die Veränderung der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur, eine umfangreiche Stadterweiterung ein. Dies hatte zur Folge, dass sich zwischen 1910 und 1937 die Wohnbaufläche mehr als verdoppelte. Während der NS-Zeit wurde 1937/38 am westlichen Stadtrand beiderseits der Ausfallstraße nach Winterbach ein großer Kasernenkomplex errichtet; die Eigentümer der benötigten Grundstücke wurden mehr oder minder zwangsenteignet.

1918 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Nach Inkrafttretens des Versailler Vertrags im Jahr 1920 verblieb die Stadt St. Wendel wie der südwestliche Teil des Landkreises St. Wendel im Saargebiet und damit unter der Verwaltung des Völkerbund. Dadurch blieben nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 im Deutschen Reich anders als im Reichsgebiet Oppositionelle sowie jüdische Mitbürger vom Zugriff der nationalsozialistischen Verfolgung vorerst verschont. Die Einflussnahme der nationalsozialistischen Ideologie wurde jedoch schon deutlich vor der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 und dem folgenden Anschluss an das Deutsche Reich immer massiver. So vollzog der TV St. Wendel schon am 14. Mai 1933 freiwillig seine Gleichschaltung in die deutsche Turnerschaft (TD), was den Ausschluss aller jüdischen Mitglieder zur Folge hatte. Am 13. Oktober 1934 beschloss der Stadtrat die Umbenennung der Bahnhofstraße in Adolf-Hitler-Straße und des Schlossplatzes in Adolf-Hitler-Platz.

Aus Angst vor Verfolgung flüchteten nach dem Anschluss an das Deutsche Reich 1935 die meisten der 136 jüdischen Bürger St. Wendels ins Ausland. Geschützt durch das im ehemaligen Saargebiet gültige „römische Abkommen“, welches die legale Auswanderung unter Schutz des Eigentums garantierte, veräußerten fast alle St. Wendeler Juden ihr Eigentum (meist deutlich unter Wert) und verließen Deutschland. Die 1902 neu errichtete St. Wendeler Synagoge wurde in der Reichskristallnacht 1938 zerstört, etwa 50 jüdische Bürger St. Wendels wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Verfolgung ermordet.

Am 19. März 1945 besetzten amerikanische Truppen der Third Army unter General George Patton jr. (10th Armored Division und 80th Infantry Division) die Stadt und richteten unter Captain Stanley R. Jacobs eine vorläufige Militärverwaltung ein. Am 10. Juli 1945 wurde die Stadt von französischen Truppen übernommen.

Nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte mit dem Wirtschaftswunder noch einmal eine starke Expansion der Wohnbebauung ein. Doch die Rückgliederung an die Bundesrepublik brachte St. Wendel zunächst eine negative Entwicklung, da 1960 mit der traditionsreichen Tabakfabrik Marschall ein großer Arbeitgeber schließen musste. Im Kasernenkomplex an der Tholeyer Straße war von 1951 bis Juli 1999 eine französische Garnison untergebracht.

Trotz aller Kriege war noch in den 1960er Jahren viel historische Bausubstanz im Stadtkern von St. Wendel vorhanden. Unter den Nachkriegsbürgermeistern Franz Josef Gräff und Jakob Feller zerstörten mangelndes Geschichtsbewusstsein und wirtschaftlich orientierte Sanierung jedoch bis Anfang der 1980er Jahre zahlreiche Gebäude. Die Bürgermeister waren als Verfechter der seinerzeit weit verbreiteten Philosophie einer Flächensanierung im Rahmen der Stadtentwicklung bekannt. Während ihrer Amtszeit wurden etliche historisch und städtebaulich wichtige Gebäude in der St. Wendeler Kernstadt abgerissen, um durch moderne Zweckbauten ersetzt zu werden. Dadurch wurde das ursprünglich sehr gut erhaltene Stadtbild im Kernbereich erheblich beschädigt. Spuren der mittelalterlichen Stadt sind nur noch in der Nähe der Wendalinusbasilika zu erkennen.

Von der Flächensanierung war in besonderer Weise der zentrale Platz der Stadt, der Schlossplatz, betroffen. Dort wurde unter Bürgermeister Klaus Bouillon auf der Nordseite die gesamte alte Häuserfront abgerissen und durch historisierende, moderne Bauten ersetzt, die nur in Teilen die ursprüngliche Häuserfront abbilden. Dies bewirkte einen erheblichen Verlust an Authentizität des Platzes.

St. Wendel hat durch die Gebietsreform von 1974, bei der mehrere Dörfer im Umland zum Stadtgebiet gezogen wurden, heute rund 27.000 Einwohner.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörten die heutigen Orte der Stadt zu unterschiedlichen Herrschaften: Fürstbistum Trier, Nassau-Saarbrücken, Pfalz-Zweibrücken; die ehemals nassauischen und pfälzischen Orte sind bis heute überwiegend evangelisch geprägt. Von 1816 bis 1834 gehörte St. Wendel zum Fürstentum Lichtenberg, das dem Herzogtum Sachsen-Coburg unterstand, und anschließend zu Preußen, in dessen Rheinprovinz das Gebiet als Landkreis St. Wendel eingegliedert wurde. Seit 1947 gehören die bis dahin bayerisch-pfälzischen Orte Osterbrücken, Hoof, Niederkirchen, Marth, Saal und Bubach (Landkreis Kusel) zum Landkreis St. Wendel und kamen mit der kommunalen Neugliederung 1974 zur Stadt St. Wendel.

Im Zuge der Umwandlung des Kasernengeländes wurden die Gebäudekomplexe der ehemaligen Kasernen baulich sehr verändert. Der südliche Teil der Kasernen wurde zur Erweiterung des angrenzenden Gewerbegebietes. Auf dem angrenzenden Standortübungsplatz wurde ein zum Verbundsystem der Golfanlagen Weiland gehöriger Golfplatz angelegt.

Am 1. Dezember 2000 wurde der Name Sankt Wendel offiziell in St. Wendel geändert.

Quelle: de.wikipedia.org



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