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Alte Historische Fotos und Bilder Burkau (Porchow), Sachsen
Old historical photos and pictures Burkau (Porchow), Saxony

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Wappen Burkau

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Geschichte von Burkau (Porchow), Sachsen in Fotos
History of Burkau (Porchow), Saxony in photos

Eine kleine historische Referenz

Geographie: Burkau (obersorbisch Porchow) ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde westlich von Bautzen im Osten Sachsens.

Zur Gemeinde Burkau gehören die Orte:

Auschkowitz (obersorbisch Wučkecy), Bocka (Bukowc), Burkau (Porchow), Großhänchen (Wulki Wosyk), Jiedlitz (Jědlica), Kleinhänchen (Mały Wosyk) mit Neraditz (Njeradecy), Neuhof (Nowy Dwór), Pannewitz (Panecy), Taschendorf (Ledźborecy), Uhyst am Taucher (Horni Wujězd)

Der Ortsteil Neuhof gehört als einziger zum offiziellen sorbischen Siedlungsgebiet.

Gründungszeitpunkt:

Einwohner: 2 665

Geschichte:

Sehenswürdigkeiten:

Burkau. Alte Schule und Kirche, um 1910
Alte Schule und Kirche, um 1910
Burkau. Blick mit Straße, 1960
Blick mit Straße, 1960
Burkau. Gasthaus 'Zum heiteren Blick', Inhaber Max Müller, 1901
Gasthaus 'Zum heiteren Blick', Inhaber Max Müller, 1901
Burkau. Gasthof Mittel-Burkau, Inhaber R. Schuster, um 1920
Gasthof Mittel-Burkau, Inhaber R. Schuster, um 1920
Burkau. Kirche, Darlehnskasse, Bäckerei und Colonialwarenhandlung, Bahnhof, Rittergut, Molkerei, Schule, Postagentur
Kirche, Darlehnskasse, Bäckerei und Colonialwarenhandlung, Bahnhof, Rittergut, Molkerei, Schule, Postagentur
Burkau. Uhyst am Taucher - Kirche, Kolonialwarenhandlung von Ernst Schieber, Pfarrhaus, Schule, 1915
Uhyst am Taucher - Kirche, Kolonialwarenhandlung von Ernst Schieber, Pfarrhaus, Schule, 1915
Burkau. Villen am Bahnhofstraße, 1943
Villen am Bahnhofstraße, 1943
Burkau. Waldrestaurant Heiterer Blick, Besitzer Max Müller
Waldrestaurant Heiterer Blick, Besitzer Max Müller

Historisches von Ortsteile

Auschkowitz

Der Rundweiler Auschkowitz liegt im Kreuzungspunkt von vier Straßen, die von Zischkowitz, Pannewitz, Kleinhänchen und Tschaschwitz kommen. Die Bundesautobahn A 4 tangiert die südliche Flurgrenze.

In den Dörfern, die vor mehr als 600 Jahren dem Kloster St. Marienstern zinsten und abgabepflichtig waren, befanden sich in Auschkowitz auch die Bauern Pawil und Ottho, die das Kloster 1365 (erste urkundliche Erwähnung) erworben hatte. Jeder besaß eine Hufe, auf der er wirtschaften konnte. Das Kloster fordete von jedem 6 Hühner, 30 Eier und 1 cyfus Mohn (ca. 1,5 Liter). Hinzu kamen Zinsleistungen und der Dinkpfennig. Hopfen wird nicht erwähnt. Inzwischen hat sich das Bild in Auschkowitz verändert. Auf einem Drittel der Flurfläche baut die Taucherwald Agrar GmbH Hopfen an, etwa 50 Hektar. Zwischen 1976 und 1978 entstanden drei Hallen für die Hopfendarre.

Neben dem Kloster hatten noch das Jeßnitzer Rittergutund das Budissiner Kreisamt Anteile an Auschkowitz.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein besaß das Kloster St. Marienstern grundherrschaftliche Kompetenzen. Durch die Bodenreform 1945 wurde das nur 60 Hektar große Lehngut aufgeteilt und das Land an Neubauern vergeben. Als ab 1838 jede Landgemeinde ihre Angelegenheiten selbst zu verwalten hatte, veranlasste das klösterliche Stiftsgericht die Übergabe aller „der Gemeinde gehörigen Gelder, Schriften und Akten“ an den noch zu wählenden Gemeindevorstand. Ende Januar 1840 war es dann soweit. Im „Mütterleinschen Gute“ wurde der Bauerngutsbesitzer Jacob Rentsch erster Gemeindevorstand und blieb bis 1886. Vor den wenigen stimmberechtigten (männlichen) Einwohnern waren vier „schreibensunkundig“ und signierten die Wählerliste mit den berühmten drei Kreuzen. Sein Nachfolger wurde Max Johann Mütterlein, den 1894 ein Herzschlag ereilte. Aus den notwendig gewordenen Wahlen ging wiederum ein Rentsch als Sieger hervor, diesmal der 28jährige Freigutbesitzer Oskar Rentsch. Er wurde in Auschkowitz geboren, war Soldat gewesen und hatte eine Frau und zwei Kinder zu ernähren. Bei Übernahme des väterlichen Hofes musste er „an seine Geschwister viel herauszahlen“ und hatte nun Schulden. Zu allem Übel brannte noch sein Gut ab. Gewissenhaft führte er seine Amtsgeschäfte – bis ihm 1899 der „Plumpenbauer Warnatzsch in Pannewitz mit einem Bierglas auf den Kopf“ schlägt. Nun war der Gemeindevorstand krank, „gedankenschwach uns sehr vergeßlich“. Er vergaß Umlagebeiträge an die land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft abzuliefern und reagierte auf Mahnungen erst, als ihm Ordnungsstrafen angedroht wurden. Im August 1900 fand die Neuwahl statt, und Oskar Rentsch wurde von seinen Pflichten als Dorfoberhaupt entbunden.

Bocka

Der südlich von Ostro gelegene Bauernweiler mit seiner nur 42 Hektar (1900) großen Flur befindet sich in der Zone, der der das Nordwestlausitzer Hügelland in das Lausitzer Gefilde übergeht. Die Siedlung, deren Grundmuster aus dem Ende des 18. Jahrhunderts stammt, liegt oberhalb des Klosterwasser zwischen der zu Bocka gehörenden Steinmühle und der Jiedlitzer Buchholzmühle. Das Dörfchen wurde 1357 als „Buckow“ (Buchenort) erstmals urkundlich erwähnt. Wenig später (1374/82) erscheint es im Verzeichnis der dem Kloster St. Marienstern zins- und abgabepflichtigen Ortschaften.

Bei einem Besuch des Dorfes fällt sofort der ehemalige Vierseithof (Auenweg 5) mit seinen zwei fränkischen Torbögen auf, der über 200 Jahre alt ist. Die Gebäude bestehen aus Feldsteinen, die Fensterwände aus Granit, und von den Wänden bröckelt der Putz. Der Schlussstein des Wohnhauses trägt die Jahreszahl 1794. In der Mitte des 17. Jahrhunderts erwarb Rudolf v. Bünau das Vorgängergut, das er offenbar schlecht bewirtschaftete. Seine Geldgeber verkaufen 1669 an Johann Georg Seidel. Aus dem 1670 ausgestellten Lehnbrief ist zu erfahren, dass er „das Bauernlehngütlein zu Bocka mit denen dazugehörigen und befindlichen Unterthanen, als einem Lehnbauer und zwei Gärtnern sammt deroselben Erbzinsen, vollen landüblichen Diensten, Ober- und Niedergerichten und allen anderen Regalien, Rechten und Gerechtigkeiten, wie es der v. Bünau und seine Vorfahren vorhin genutzt und gebraucht“ übernommen hat. Das Gut wurde noch mehrmals verkauft, schließlich gelangte es 1840 mit der Oberteichwiese, die schon 1764 vom Jiedlitzer Gut abgetrennt worden war, durch testamentarische Verfügung von Johann Herrmann aus Spittwitz, der es bis zu seinem Tod im Jahr 1864 bewirtschaftete.

Burkau

Im Jahr 1312 bekannte die Äbtissin und der Konvent des Frauenklosters Heilig Kreuz (nordwestlich Meißen, heute Ortsteil Klosterhäuser), dass sie wegen anderweitiger Schulden Geldzinsen verkauft haben. Im Text dieses Schriftstückes wird ein Heinrico genannt, der „quondam plebano in Purcowe“ (einstmals Seelsorger in Burkau) war. Das ist des Dorfes erste urkundliche Erwähnung und ein indirekter Hinweis auf eine Kirche.

Die Deutung des Namens ist schwierig. Die Namenkundler neigen der Ableitung von Personennamen Por- zu, sind sich aber nicht sicher, da er selten vorkommt. Die obersorbische Namensform stellt nicht die Grundform des Ortsnamens dar, sie wurde dem deutschen Namen angeglichen. Der heutige Name hat sich schon frühzeitig herausgebildet: 1350 Burkow, 1379 Burckaw, 1391 Burgkow, und in der Oberlausitzkarte von P. Schenk lesen wir Burcka.

Burkau ist ein „Dorf in der Oberlausitz, im Bautzener Kreise, 1 Stunde nördlich der Stadt Bischofswerda gelegen. Es wird eingetheilt in Ober-, Mittel- und Niederburkau; hat 2 Rittergüter und 30 Rauche. Der obere Teil des Dorfes gehört dem Kloster Marienstern, dem auch das halbe Jus patronatus zusteht; die andere Hälfte des letztem gehört dem Rittergute Niederburkau. Hier befindet sich auch der Gränz-Zoll. Der Ort hat eine Pfarrkirche und Schule.“

(A. Schumann/A. Schiffner, 1814)

In der Meißner Bistumsmatrikel von 1495 ist auch die zur Sedes Bischofswerda gehörende Kirche zu Porckaw genannt, deren Kirchengeläut aus zwei Glocken bestand (1457), die zum Lobe der Mutter Maria ertönten. Um 1515/20 schnitzte ein unbekannter Meister einen Altar mit der Darstellung der heiligen Anna, Maria und Jesus. 1518 erwarb das Kloster St. Marienstern einen Teil des bis dahin einheitlichen Rittergutes Burkau und bekam Partronatsrechte übertragen, die dem Kloster erlaubten, bei der Besetzung der Pfarrstelle mitzureden. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass aus dieser Zeit die Benennung der Kirche als „Marienkirche“ stammt. Der Schnitzaltar kam nach Dresden und verbrannte dort in der Bombennacht vom 13. Zum 14. Februar 1945. Mit Billigung der Äbtissin des Klosters St. Marienstern führten Wolfgang und Hans von Kintsch 1550 die Reformation in Burkau ein. Letzter katholischer Geistlicher war (mindestens) von 1547 an den Bischofswerdaer Kaplan und Altarist Georg Gautsch, „auch Pfarr zu Burcka“ (Chr. Heckel, 1713). Erster evangelischer Pfarrer wurde der 26 Jahr alte Matthäus Grünert aus Meißen, der hier 50 Jahre als Seelsorger wirkte.

Nach der Niederschrift von Pfarrer Michael Hempel (1658-1685/86 in Burkau) ließ 1575 Wolf v. Ponickau einen steinernen Kirchturm errichten.

Großhänchen

Der frühere Name des Dorfes lautet Heinichen, Heinichin oder Heinechen. Es bedeutet eine am oder im gehegten Walde gelegene Siedlung, die auf einer Rodungsfläche entstand. Als „Major Heynichich“ (Groß-Hänchen) taucht es 1374/82 im Zinsregister des Klosters St. Marienstern auf. Der Zusatz „Major“ deutet darauf hin, dass es um diese Zeit auch Klein-Hänchen gegeben haben muss. Die heute gültige Schreibweise des Ortsnamens wurde 1911 administrativ verfügt.

Als einziges Dorf der Gemeinde Burkau bestand es aus zwei selbständig voneinander unabhängigen Dorfteilen: der Meißner Seite (MS) und der Lausitzer Seite (LS), die dem Amte Stolpen bzw. dem Bautzener Kreis unterstanden. Erst 1923 kam es zum Zusammenschluss beider Teile zu einer Gemeinde. Einhundert Jahre zuvor (1824) sorgte der „Waßergraben“, der geschlämmt und geräumt werden sollte, für beträchtlichen Streit. Lassen wir die Akten sprechen: „An der Grenze hin, welche den Großhänchner oberlausitzschen Antheil von dem Großhänchner meißnischen Antheil scheidet, gehet von Abend gegen Morgen ein Waßergraben, welcher gemeinschaftliches Eigenthum beider Antheile ausmacht und deshalb auch von jeher und seit undenklichen Zeiten von Michael Krahls Polbritzschen Antheils Garten bis zu den sogenannten Lehmannschen Brunnen Meißnischen Antheils von den Gemeindegliedern beider Antheile gemeinschaftliche im Stande gehalten worden ist.“ Nun besaßen die Einwohner der Meißner Seite die „Anmaaslichkeit, solchen anstatt blos auf ihrer Seite, auf beiden Seiten zu schlämmen“, wobei der Gartennahrungsbesitzer Michael Böhmer regelrecht in Wut geriet, als der Gerichtsschöppe Johann Sperling von der Lausitzer Seite „in aller Gelaßenheit und Freundschaft“ den Leuten auf der Meißner Seite zurief: „Nachbarn, das kommt uns zu, das braucht ihr nicht zu machen“. Als Sperling noch hinzufügte, dass auch die Einwohner seines Anteils „Eigenthumsrechte an gedachten Graben und seiner Umgebung hätten“, kam das Fass zum Überlaufen. Böhmer zornig: „Ein Hundsvot ists, wer solches spricht“ und drohte, den Sperling „mit der Hacke mausetodt“ zu schlagen, wenn er „nicht stille sey“. Die herbeigeeilten Einwohner Glausche und Jaurich verhinderten den Mord. Böhmer ließ sich durch nichts abhalten und begann auf der Lausitzer Seite zu arbeiten. Der Gerichtsschöppe George Jaurich versuchte zu schlichten. Um seinen Argumenten etwas Nachdruck zu verleihen, gab Böhmer und „den übrigen zu erkennen, daß der erste, welcher wieder auf hiesiger Seite gedachten Grabens arbeite, gepfändet würde“. Inzwischen waren alle Wirte des Meißner Anteils zur Schlämmung eingetroffen, aus dem Lausitzer Anteil nur wenige, zumeist Dienstboten. Die Lausitzer Einwohner gaben daraufhin nach, und die Meißner schlämmten den Graben. Dabei haben sie „denselben eigenmächtig schmähler gemacht und verzäunt und bei gedachtem Graben ohngefehr zwei Metzen nach Kornaussaat gerechnet und die auf der Gemeindeau gestandenen Erlensträucher, zwei und zwanzig der Zahl und vierjährigen Wuchses, mehr und weniger abgehauen, auch einige der Stöcke durch Anschüttung mit Schlamm insofern beschädigt, daß ihr künftiges Ausschlagen hierdurch behindert“. Weil nach der Auffassung der Lausitzer Seite diese „Ungebührnisse“ nicht nur eine Beeinträchtigung des Mieteigentums am Wassergraben darstellten, sondern auch eine Verletzung der „Meißnischen und oberlausitzschen Landesgrenze“, wurde das Amt Stolpen „als competente Behörde des Meißnischen Anteils hiesigen Ortes“ in Kenntnis gesetzt und um Abstellung der Beeinträchtigung gebeten. Außerdem sollte sie sich für die Zahlung „fallsiger Entschädigung“ einsetzen. Im Verlauf des Jahres 1825 wurde der „Grenzstreit“ zu den Akten gelegt.

Jiedlitz

Das kleine Platzdorf liegt auf einer Höhe von 220 m in einer baum- und strauchlosen Umgebung. Der Ortsname geht auf das altsorbische Wort jedla zurück und bedeutet Tanne. Es ist der Hinweis auf eine bewaldete Flur in früheren Zeiten. Urkundlich wird das Dorf Gedelicz zum ersten Male im Jahre 1355 erwähnt, als das Kloster St. Marienstern Anteile erwarb. Wenig später wurden die Namen der Einwohner genannt, die an das Kloster zu zinsen und bäuerliche Produkte abzuliefern hatten. Das Dorf musste insgesamt noch 45 grossus und sechs hellensis Peticio aufbringen, dazu dreieinhalb Scheffel Roggen und sieben Scheffel Hafer. Das benachbarte Cannewitz mit seinen sechs Bauern gab Roggen, Hafer, Weizen, Flachs, Hanf, Mohn, Hühner, Eier und Käse ab. Geld natürlich auch!

Anteile an der Jiedlitzer Flur besaßen für längere und kürzere Zeit das Kloster St. Marienstern (1355), der Rat der Stadt Budissin (1547), das Rittergut Elstra (1580) und seit 1664 das ortsansässige Rittergut selbst, dessen Wohnhaus (Hauptstraße 8) mit einem wappenverzierten Schlussstein aus dem Jahre 1685 versehen ist. Da es im 19. Jahrhundert einen Umbau erfuhr, haben wir nicht mehr die ursprüngliche Gebäudeansicht vor Augen. Gut erhalten hat sich der Bauernhof (Kurze Straße 1) mit dem um 1800 gebauten Wohnstallhaus mit Fachwerk, Krüppelwalmdach und Hechtgaube und der gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Scheune mit Fledermausgauben. Dem mit Drempel und Mittelrisalit ausgestatteten Wohnhaus (Kurze Straße 7) schließt sich rechtwinklig der Stall mit Backstein- Ziergewände an.

Als 1938 die Erweiterung es Königsbrücker Truppenübungsplatzes erfolgte, entstanden in Jiedlitz fünf neue Gehöfte für umzusiedelnde Bauern. In den Jahren 1981/83 erweiterte sich die Dorfanlage um 16 Eigenheime.

Als 1908 zwölf Wirtschaften die „Satzung für die freiwillige Vereinigung zum Zwecke gemeinsamer Bullenhaltung“ beschlossen, verfügten sie über lediglich 67 Kühe. Davon gehörten 34 drei Gutsbesitzern, 15 fünf Wirtschaftsbesitzern, sechs dem Erbgerichtsbesitzer, sechs dem Mühlenbesitzer, vier dem Gastwirtschaftsbesitzer und zwei dem Schmiedemeister. Nach der Errichtung großer LPG-Ställe mit insgesamt 1640 Plätzen für Kühe und Schweine veränderte sich das bis dahin harmonisch wirkende Dorfbild erheblich.

Die ehemaligen LPG-Ställe nutzt heute die Taucherwald Agrar GmbH.

Jüngeren Datums ist die 1991 entstandene private Damwildzucht (Hauptstraße 15 C). Im vier Hektar großen Gehege leben 50 Tiere.

Etwa einen Kilometer westlich entfernt liegt die zu Jiedlitz gehörenden Buchholzmühle. Als 1932 das Wasserrad baufällig wurde, erhielt sie als Antrieb eine Turbine und 1937 eine Freifluteranlage am Mühlgraben. Damals kam es auch zum Ausbau und der teilweisen Verlegung des alten Grenzwassers, das zwischen Neustädtel und der Ostroer Schanze in das Klosterwasser fließt. Unmittelbar an der Mühle führt ein Wanderweg vorbei.

Seit wann es eine Feuerwehr in Jiedlitz gibt, ist nicht bekannt. Es war jedenfalls keine Feuerwehr im üblichen Sinne, weil jeder erwachsene Mann Feuerwehrdienst zu leisten hatte, da von auswärts bei Ausbruch eines Feuers kaum Hilfe zu erwarten war. Früher war Jiedlitz von 8 Uhr abends bis 8 Uhr morgens ohne Telefonverbindung, und „Sirenen, Glocken und sonstige Alarmsignale“ gab es nicht. Im Herbst 1889 gehörten dieser Feuerwehr zwölf Männer an. Als sog. Wasserbezugsorte, an die im Brandfall die Spritze zu bringen war, standen Teiche und Brunnen zur Verfügung. Um 1925 verfügte Jiedlitz über zwei Feuerwehrspritzen – eine gehörte der Gemeinde, die andere dem Rittergut, das im äußersten Notfall sein Gerät mit zum Einsatz brachte. Zwei Handdruckspritzen vervollständigten die Ausrüstung. Für Feuerhaken und Leitern waren die Hausbesitzer zuständig. Anlässlich einer Inspektion wurde glaubhaft versichert, dass „im Umgang mit der Spritze jeder Ortsbewohner gut vertraut“ sei.

Vor 100 Jahren bildete Jiedlitz mit Auschkowitz, Bocka, Glaubnitz, Kaschwitz, Kleinhänchen, Neraditz und Neuhof einen Standesamtsbezirk, der 705 Seelen umfasste. Diesem Bezirk stand der Jiedlitzer Gemeindevorstand Karl August Leuner vor. Einem die Registerführung prüfenden Beamten der Kreisverwaltung fiel auf, dass der Gemeindevorstand im Jahre 1883 den Schuhmacher Carl Helas und die unmündige Marie Anna Schmidt aus Kleinhänchen ohne vormundschaftliche Genehmigung getraut hatte. Leider war es nicht Leuners erster Fall. Bereits aus „Unkenntnis oder irrtümlicher Auffassung der Vorschrift“, vermochten die Kontrolleure nicht festzustellen. Es war aber, wie sich bald herausstellte, nicht der einzige Standesbeamte in der Amtshauptmannschaft. Von einer Bestrafung sah der Beamte ab. Dennoch kam die Angelegenheit vor den Staatsanwalt. Weil Leuner ein sog. Abolitionsquantum in Höhe von 10 Mark zahlte, erließ seine „Königliche Majestät in Gnaden“ die weitere Bestrafung.

Als das unverheiratete Dienstmädchen Johanne Rohark aus Auschkowitz ihren, vom Handarbeiter Johann Karl Hoibjan stammenden Sohn Max Otto anmeldet, schrieb K. A. Leuner beide Familiennamen falsch in die Geburtsurkunde: Hoilbjan und Rohack. Um die Sache aufzuklären, bemühte man sogar die Amtshauptmannschaft und Amtsgericht.

Ein ganz anderer Dorfverbund als der Standesbezirk war im 19. Jahrhundert der „gemeinschaftliche Jagdbezirk“ der Ortschaften Jiedlitz, Cannewitz und Neustädtel. Wer in diesem Gebiet jagen wollte, hatte die Berechtigung dazu beim Jiedlitzer Gemeindevorstand zu beantragen. Neben dem Rittergut bemühte sich auch das Kloster St. Marienstern um Jagdrechte auf den Dominial- und Rustikalfluren. Dabei berief sich das Rittergut auf den Rechtstitel der „Beleihung in Gemäßheit der Lehnbriefe“ und das Kloster auf die Koppeljagdberechtigung, die König Wenzelslaus 1417 bestätigte.

Im Oktober 1915 beschlossen die Gemeindevertreter eine Gemeindesteuerverordnung, die, durch 22 Nachträge immer wieder aktualisiert, bis 1937 galt. Als wichtigste Steuer galt die Grundsteuer. Die Kirchensteuer orientierte sich an der Grund- und Einkommenssteuer, und die Schule forderte den Schulgroschen.

1974 verlor Jiedlitz seine Selbstständigkeit und Gemeindeteil von Kleinhänchen, 1994 von Burkau.

Quelle: „Burkau und seine Ortsteile“(Autor: Horst Gersdorf) herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Burkau

Kleinhänchen

Dort wo sich das heutige Kleinhänchen ausbreitet, stand vor tausend Jahren dichter Wald. Wann er gerodet wurde, um eine kleine Siedlung anzulegen, ist nicht bekannt. Die obersorbische Ortsbezeichnung ist die Entsprechung des deutschen Namens: mały=klein, wosyk=Holzschlag.

1290 gibt es nur einen „Heinichen“ genannten Siedelplatz, der aber (nach dem Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen) in Großhänchen zu lokalisieren ist. Kleinhänchen geht auf ein Vorwerk zurück, auf das der Name Großhänchen übertragen wurde. Urkundlich wird Kleinhänchen zum ersten Mal 1466 als „zum Cleynen Henchin“ erwähnt. Zins- und abgabepflichtig an das nahe Kloster St. Marienstern waren die Bewohner nicht. Die ehemalige Gutssiedlung erweiterte sich nach und nach und umfasste im Jahre 1900 mit Neraditz und Neuhof 213 Hektar.

Der aus dem ehemaligen Vorwerk hervorgegangene Rittersitz (1500) bzw. das Rittergut (1580) hat eine interessante Besitzergeschichte aufzuweisen. Das Gut gehörte von 1537 bis 1680 denen v. Bolberitz. Danach erwarb es v. Zezschwitz, der es bis 1695 behielt. Später kaufte J. E. v. Staupitz den Besitz, den er 1705 seinem Sohn überließ. Dieser trat es 1715 an den Kammerprokurator in der Oberlausitz, August Magnus Printz, ab. Im September 1711 wurde das Gut öffentlich versteigert und gelangte für 11000 Taler in den Besitz von Matthäus Lange aus Kleinwelka, der seine Rechte im April 1772 an den Pächter des Riaucourschen Gutes in Crostau abtrat. 1781 kaufte Johann George Mütterlein, Besitzer des Lehngutes Auschkowitz, das Gut Kleinhänchen für 22000 Taler. Der Subrektor des Bautzener Gymnasiums, Mag. Carl Friedrich Barth, zahlt 1816 schon 40600 Taler. Als er stirbt, kommen seine Mitbelehnten in den Gutsbesitz, die es 1859 an Barths Witwe abtreten. Ihr Universalerbe wurde Leutnant a. D. Karl Otto Wilhelm v. Sommerlatt, der den Besitz für 215 500 Mark an Friedrich August Max Thiele veräußerte. 1945 unterlag das Gut der Bodenreform, dessen Felder 1960 in die LPG eingebracht wurden. Schließlich übernahm die LPG Burkau 1976 die Tierhaltung und 1978 die Bearbeitung der Äcker und Wiesen.

Neraditz

Der Rundweiler Neraditz wird 1473 in einer Urkunde des Klosters St. Marienstern zum ersten Mal als „Neradwitz“ erwähnt. Der Ortsname geht auf einen altsorbischen Personennamen zurück. Nerad wurde derjenige genannt, der alles nur „ungern“ (nje rad) verrichtete. 1476 lernen wir einen Haßcha zu Neredwicz kennen, der als Zeuge auftritt, als Heinrich von Bolberitz das halbe freie Lehngut zu Göda an Andriß Lehmann verkaufte. 15 Jahre später (1491) leiht Nitzsche Sawer aus Neraditz dem Friedrich von Bolberitz 18 Schock und 12 Groschen auf zwei Jahre zur Besserung seines Hofes in Kleinförstchen. Dafür wird er von den Hofediensten befreit und muss keine Geldabgaben entrichten. Dann hören wir davon, dass es 1503 einen „Rittersitz“ gegeben haben soll, der aller Wahrscheinlichkeit nach vom Rittergut Kleinhänchen aus eingerichtet wurde und von diesem abhängig war.

Im 16. Jahrhundert lebten in Neraditz etwa viermal so viele Leute wie im benachbarten Kleinhänchen ohne Rittergut. (Inzwischen haben sich die Verhältnisse geändert, denn Kleinhänchen verweist auf mehr Bevölkerung.)

Ursprünglich nach Göda gepfarrt, wechselten die Neraditzer Ende des 17. Jahrhunderts die Kirchgemeinde. Fortan war Uhyst sowohl Kirch- als auch Schulort.

Die Einführung der Landgemeindeordnung, mit der die politischen Gemeinden geschaffen wurden, erfolgte für „Kleinhänchen, Neraditz und Neuhof“ 1839 mit der Wahl des Gemeindeausschusses. Stimmberechtigt und wählbar waren in diesen drei Dörfern zehn Gartennahrungsbesitzer und 23 Häusler, die in Wahllisten erfasst wurden. Interessant dabei ist, dass in der Neraditzer Liste etliche Beinamen auftauchen. So gab es drei Personen, die Johann Helas hießen. Der erste wurde Pschanze genannt, der zweite Schlenker, der dritte Matthias. Georg Helas wurde Kube gerufen, Jacob Helas nannten die Leute Hanzig (Hantschick) und wenn vom Bracher die Rede war, handelte es sich um George Hanzig.

Neuhof

In Kreuzungspunkt der Linien Schweinerden/Kleinhänchen und Jiedlitz/Siebitz liegt auf offener Feldflur der Häuslerausbau Neuhof mit seiner ehemaligen Block- und Streifenflur. Hier waren bis zum Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts dreiviertel der Bewohner Sorben. Zum ersten Mal wird Neuhof 1519 in einer Urkunde des Klosters St. Marienstern als „zum Nawenhofe“ erwähnt. In der Tat, hier haben wir es mit einem neuen Hof zu tun, der von Kleinhänchen aus als „Rittersitz“ eingerichtet wurde. 1759 wurde er als „Vorwerk und Schäferei mit einem Häusleranbau“ beschrieben. Heute fehlt davon jede Spur. Auffallend ist der Reichtum an Großgrün auf den Grundstücken. Selbst Weintrauben reifen hier an Spalieren auf der Südseite der Häuser. Wo der Feldweg auf die Dorfstraße trifft, steht ein alter Wegweiser mit den Richtungshinweisen nach Kleinhänchen und Schweinerden. Unweit davon befindet sich das aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Wohnstallhaus mit Fachwerk zum Hof (Feldweg 1). Ein gut erhaltener fränkischer Torbogen verbindet das Wohnhaus mit der Scheune. Ein etwa zwei Meter hohes Holzkruzifix ist vor dem Haus Dorfstraße 11 zu sehen. Auf der Holztafel ist der Spruch zu lesen: „Zum Himmel ist ein Weg allein: durchs schwere Kreuz und anders kein“. Die katholischen Christen gehören zur Kirchgemeinde Crostwitz, die evangelischen Einwohner sind nach Uhyst gepfarrt. Von 1937 bis 1945 waren die sorbischen Dorfkinder gezwungen, die deutsche Schule in Uhyst zu besuchen, nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sie wieder nach Panschwitz-Kuckau gehen.

Handwerker sind, wie 1852, als die „in gutem Zustand befindliche Schmiede“ zu verkaufen war, nicht mehr ansässig. Und auch die ehemalige Katzersche Schankwirtschaft hat längst geschlossen. Geblieben sind Akten, aus denen die Nachgeborenen erfahren, wie schwierig die Verhältnisse vor einhundert Jahren waren und wie sie der kleine Mann zu bewältigen versuchte. Ein Beispiel dafür ist der Tischler, Bauer und Gemeindevorstand Ernst Wätzlich. Er wurde 1881 in Neraditz geboren, lernte Tischler und besaß seit 1913 eine 4 Hektar große Landwirtschaft in Neuhof. Anfang 1914 sollte er Vorstand der Gemeinde Kleinhänchen mit Neraditz und Neuhof werden. Er wurde auch gewählt, lehnte aber die Übernahme des Amtes ab. Das begründete Wätzlich mit seinen nicht ganz einfachen Lebens- und Wohnverhältnissen so: „1) Durch die Versorgung meiner Landwirtschaft, und durch meine Tischlerei ist es mir ganz unmöglich, das Amt eines Vorstandes anzunehmen, weil ich sonst dauernd in meinem Berufe als Tischler gestört wäre, auch wäre der Verlust an Zeit und Geld mir unersetzlich. 2) Da ich unverheiratet bin, meine Eltern aber alt und unverläßlich sind, ist es mir unmöglich in meiner zeitweisen Abwesenheit vom Hause, eine geneigte Person zu halten, welche mich zu jeder Zeit sofort zurückholen könnte.“ Der Gemeinderat war unerbittlich und ließ Ernst Wätzlich wissen: „1) Der Vater Friedrich Wätzlich hat doch dieselbe Wirtschaft bewirtschaftet, er hat keine andere Arbeit nebenbei betrieben, und ist ganz gut durchgekommen. Bei der Landwirtschaft von 15 Scheffel Feld kann die Tischlerei überhaupt nur ganz nebensächlich angesehen werden. Für den angegebenen Verlust an Zeit und Geld sieht der Gemeinderat den Gehalt des Vorstandes von 100 M jährlich als genügend an. 2)Da doch der Gemeindeälteste, Karl Katzer, bis zum Ablauf seiner Amtsperiode in Neuhof verbleibt, ist doch die Stellvertretung in dringenden Angelegenheiten, jederzeit zur Stelle“.

Pannewitz

In der Oberlausitz gibt es zwei Dörfer namens Pannewitz, die die Sorben Banecy (südlich Neschwitz) und Panecy (östlich Uhyst a. T.) nennen. Beide Namen haben keine gemeinsame Wurzel. Banecy kommt von bahno und bedeutet Sumpf, und Panecy leitet sich von dem Personennamen Pan oder von pan = Herr ab, möglicherweise auch von župan, einem Burgwardhauptmann, dessen Sitz die heute zu Großhänchen gehörende Sumpfschanze gewesen sein kann, wie J. Meschgang (1973) vermutet. Eindeutig geklärt ist die Herkunft des Ortsnamens jedoch nicht.

Die Pannewitzer Flur mit ihren Flachkuppen wird landwirtschaftlich genutzt, denn sie gehört zur fruchtbaren Panschwitz-Spittwitzer Klosterpflege. Von den zahlreichen Farn- und Blütenpflanzen ist vor allem der im Erlenbruch zwischen Pannewitz und Uhyst vorkommende Riesenschachtelhalm zu erwähnen, der wie die drei Pannewitzer Gutseichen unter Schutz steht.

In Pannewitz leben die „nobiles de Panewicz“, die Vornehmen aus oder von Pannewitz, wie einer Urkunde des Jahres 1240 zu entnehmen ist. 1262 ist von einem Herrensitz in Pannewitz die Rede. Ende des 13. Jahrhunderts finden die Pannewitzer häufiger Erwähnung, da sie als Urkundenzeugen gebraucht wurden.

Zwischen 1374 und 1382 hatte das Dorf jährlich „3 ½ modium siliginis et 7 modios avene“ und „gros gebint 3 sexagenas census“ an das Kloster St. Marienstern abzugeben. Das waren Roggen und Hafer in Scheffeln (Hohlmaß) und Garbenzins aus zweierlei Korn in Schock gemessen. Die Namen der ortsansässigen Bauern erfahren wir nicht. Dagegen kommt wenige Jahrzehnte später Deynhart von Pannewicz „zum Ugest gesessen“ häufiger vor, vor allem in Görlitzer und Bautzener Akten. Er besaß 1415 einen Herrensitz in Uhyst. Als unerbittlicher Gegner der Hussiten, die er mit allen Mitteln bekämpfte, machte er viel von sich reden. Die Hussiten rächten sich und zerstörten 1425 nicht nur sein Uhyster Gut, sondern auch das zum Rittergut Putzkau gehörende Vorwerk auf dem Bischofsewerdaer Hunger.

Taschendorf

In der Bischofswerdaer Zeitung „Sächsischer Erzähler“ rühmte man 1923 Taschendorfs Lage. Der Ort, „in einer lieblichen Aue gelegen, ist ein freundliches Dörfchen und könnte gewiß solchen Menschen, deren Nerven im Trubel der Großstadt abgearbeitet sind, recht wohl zum Erholungsaufenthalt dienen. Der ländliche Frieden, der über der ganzen Gegend ruht, dürfte sicherlich Wunder wirken und Balsam sein.“

Das kleine Runddorf mit einer ehemals vorhandenen Block- und Streifenflur liegt nördlich des 344 Meter hohen Polaer Berges und westlich des Taucherwaldes in einer Höhe von 250 Metern.

Der deutsche Name bezeichnet den Ort nach dessen Lage. Es bedeutet „Dorf in einer Senke“ bzw. Tasche. Nach Auffassung Leipziger Namensforscher könnte auch ein Zusammenhang mit dem Pohlaer Berg bestehen, der einmal den Namen Taschenberg trug. Der Höhenunterschied zwischen dem Pohlaer Berg und der Dorfmitte beträgt auf 1250 Meter Entfernung 100 Meter. Der sorbische Name beruht wahrscheinlich auf dem altsorbischen Namen Ledbor und hat also nichts mit der deutschen Bezeichnung gemein. Die Namensform blieb seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1532 unverändert, wobei der sorbische Ortsname erst 1684 auftaucht.

Die grundherrschaftlichen Rechte besaß die Stadt Budissin. Ihr unterstanden 1534 „7 pawerschaften“ mit zum Teil noch heute vorkommenden Familiennamen: Rhede, Donat Redynne, Paul Noagk, Hans Peter, Merten Kleinhans, Mattes Auschkewitz und Blasius Hornoff. Erbgeld, Zinsen und Naturalabgaben der Bauern kassierte im 16. Jahrhundert die Stadt Budissin. Im „Cammer Memorial“, dem Merkbuch des Kämmerers, sind auch zwei Einträge enthalten, die das „Erbegelt auff Merten Laßken gutte zu Taschendorff“ (1544) und das „Erbegelt auff Jorgen Lehemans Gutte zu Taschendorff“ (1545) betreffen.

Uhyst am Taucher

Der Name Uhyst geht auf das altsorbische Wort ujezd zurück und bedeutet „durch Umreiten abgegrenztes und für die Rodung bestimmtes Land“, auch Rodungsland selbst.

Unser Uhyst ist nur ein Ort von insgesamt fünf Dörfern in der Oberlausitz, die sich in der Vergangenheit Ugezd nannten oder in der Gegenwart Uhyst heißen.

Von welcher Seite der Besucher sich dem alten Straßenangerdorf Uhyst am Taucher(wald) auch nähert, immer wird er die auf einem kleinen Hügel erbaute Kirche im Blick haben, die in ihrer heutigen Gestalt 1800/01 an der Stelle einer älteren erbaut und im Oktober 1801 feierlich eingeweiht wurde. Nach Cornelius Gurlitt (1908) erbot sich im November 1799 der Amtsmaurermeister Johann Gottlieb Michael dem Rat der Stadt Bautzen, die Kirche in Form einer zentralen Predigtkirche „nach dem Lohmener Model“ zu errichten. J. G. Michael legte seinem Angebot einen Riß bei, der den Bautzener Ratsherren gefiel, die letztendlich die Genehmigung des Baues aussprechen mussten. Den Zuschlag erhielt Maurermeister Johann Gottlieb Staude und Zimmermeister Kühn, obwohl ihr Kostenanschlag rund 3 000 Taler über dem von J. G. Michael lag. Vermutlich gab der Hinweis den Ausschlag, dass „die alte Kirche stehen bleibt und die neue äußerlich herum gebaut werden soll“.

Altar, Kanzel und Orgel sind übereinander angeordnet und befinden sich an der östlichen Langseite des achteckigen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Kirchenschiffes. Der kompakte Turm mit einem achteckigen Glockengeschoss, das von einer Haube bekrönt wird, befindet sich an der westlichen Langseite. In der Sakristei, dem ältesten Teil der Kirche, wurde bei Erneuerungsarbeiten 1995/96 eine Nische freigelegt, in der aller Wahrscheinlichkeit nach von 1523 bis 1551 das aus der Taucherwaldkapelle stammende Marienbildnis aufbewahrt wurde.

Die alte Kirche, von der es leider keine Ansichten gibt, bestand aus „drey besonderen, nach und nach angebauten Theilen“, sie war „lang und dabey sehr schmal“, außergewöhnlich finster, niedrig und hatte eine Sakristei, die „einem Keller ähnlich“ und höchst ungesund war. Deshalb gab es schon 1756, dem Beginn des Siebenjährigen Krieges, Vorstellungen über einen Neubau, der infolge der kriegerischen Ereignisse unterblieb.

Die Glocken der alten Kirche fanden bis 1841 im neuen Gotteshaus Verwendung. Dann wurden drei neue Glocken aus der Gießerei Friedrich Gruhl (Kleinwelka) angeschafft, von denen die kleinste 1917 abgenommen und eingeschmolzen und bis 1936 nicht wieder ersetzt wurde.

1856 erhielt die Kirche eine neue Orgel, die Urban Kreutzbach aus Borna baute. Sie war sein erstes in die Oberlausitz geliefertes Instrument, dem die Orgeln für Großpostwitz (1857) und Oberfriedersdorf (1868) folgten. Im Oktober 1856 prüfte Domorganist Carl Eduard Hering aus Bautzen die Uhyster Orgel, der das Werk als gut beurteilte. Einen Tag nach der Abnahme fand die Orgelweihe statt. Das zwei Manuale und 22 Register umfassende Instrument spielten C. E. Hering und der 1809 in Siebitz geborene Uhyster Kantor Michael Schneider, der hier als erster pädagogisch ausgebildeter Lehrer wirkte. Die Kreutzbach-Orgel ist – außer den Prospektpfeifen – noch original erhalten und stellt „ein beachtliches Instrument aus der Mitte des 19. Jahrhunderts dar und verdient denkmalpflegerischer Beachtung“ (W. Hackel, 1990). Über die Orgeln vor 1856 ist kaum etwas bekannt. 1736 bemühte sich Schulmeister Johann George Reim erfolglos um die Anschaffung einer kleinen (vermutlich auch neuen) Orgel, denn 20 Jahre später wird in den Budissiner Nachrichten die alte Uhyster Orgel zum Verkauf angeboten, ohne einen Käufer zu finden. Fast 100 Jahre später (1858) wird in fünf Zeitungen die Versteigerung der Orgel angekündigt, zu der aber lediglich ein Uhrmacher erschien, der nur wenig bot. Zwei Jahre später ließ sich wenigstens das alte Pfeifen- und Holzwerk veräußern. Während des ersten Weltkrieges wurden die Prospektpfeifen abgenommen und eingeschmolzen. Bei der Entnahme fertigte die Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule genaue Zeichnungen an, die 1923 als Vorlage für die Erneuerung dienten. Den Taufstein (weißer und dunkelgrüner Marmor) mit silberner Taufschüssel stiftete 1895 Rittergutsbesitzer Oscar Hustig auf Neustädtel und Jiedlitz.

Quelle: gemeinde-burkau.de



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