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Alte Historische Fotos und Bilder Dinkelsbühl, Bayern
Old historical photos and pictures , Bavaria

Wenn Sie habe Vergessen deine Vergangenheit - Ihr wirst keine Zukunft haben


Wappen Dinkelsbühl

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Geschichte von Dinkelsbühl, Bayern in Fotos
History of , Bavaria in photos

Eine kleine historische Referenz

Geographie: Die Große Kreisstadt Dinkelsbühl hat 67 Ortsteile:

Bernhardswend, Beutenhof, Beutenmühle, Botzenweiler, Burgstall, Dinkelsbühl, Esbach, Freundstal, Froschmühle, Gaismühle, Gersbronn, Hammermühle, Hardhof, Hardmühle, Hausertshof, Hausertsmühle, Hellenbach, Hohenschwärz, Holzapfelshof, Hungerhof (Ungerhof), Karlsholz, Kemmleinsmühle, Kesselhof, Ketschenweiler, Knorrenmühle, Kobeltsmühle, Langensteinbach, Lohe, Lohmühle bei Neustädtlein, Maulmacher, Mögelins-Schlößlein, Mutschach, Neumühle bei Radwang, Neumühle bei Weidelbach, Neustädtlein, Oberhard, Obermeißling, Oberradach, Oberwinstetten, Pfaffenhof, Radwang, Rain, Rauenstadt, Reichertsmühle, Reuenthal, Rosenhof, Röthendorf, Rothhof, Sankt Ulrich, Scheckenmühle, Segringen, Seidelsdorf, Sinbronn, Sittlingen, Steineweiler, Tiefweg, Unsinnige Mühle (Ölmühle), Untermeißling, Unterradach, Unterwinstetten, Veitswend, Waldeck, Walkmühle, Weidelbach, Weiherhaus, Weißhaus, Wolfertsbronn

Gründungszeitpunkt:

Einwohner: 11 600

Geschichte:

Sehenswürdigkeiten:

Dinkelsbühl. Hotel Rose, 1920
Hotel Rose, Christoph von Schmid-Denkmal und Ratstrinkstube, 1920
Dinkelsbühl. Segringer Straße
Segringer Straße
Dinkelsbühl. Stadtpark, 1918
Stadtpark, 1918
Dinkelsbühl. Wörnitztor
Wörnitztor

Stadtgeschichte

Die Gründungssage vom Dinkelbauern

Der fromme Dinkelbauer, der auf seinen Äckern das Dinkelgetreide erntete, errichtete eine kleine Kapelle, die er mit seinem Hof an durchziehende Karmelitermönche verschenkte. Sie bauten hier ihr Kloster, bei dem nach und nach Dinkelsbühl als Ansiedlung entstand. Deshalb feierten die Mönche den Dinkelbauer als Kloster- und Stadtgründer. Die Überlieferung lässt sich historisch nachvollziehen. Allerdings überließ die Reichsstadt als Rechtsnachfolger des fränkischen Königshofverwalters, des „Dinkelbauern“, den Mönchen den Klosterplatz bei der „Alten Kapelle“ erst im 13. Jahrhundert. Damals war die Reichsstadt freilich schon mit Mauern und Türmen befestigt.

Gründung und Name "Dinkelsbühl"

Dinkelsbühl, so nimmt man aufgrund des Ortsnamens und des Geschichtsverlaufs an, wurde um 730 zur Sicherung einer Fernwegekreuzung an einer Wörnitzfurt als fränkischer Königshof (Villa) gegründet. Der zusammengesetzte Ortsname beschreibt mit „bühl“ die hügelige Landschaft und nennt einen „Thingolt“ als Verwalter (Villicus) des dazugehörigen Reichslands. Die Keimzelle der Stadt ist in Übereinstimmung mit der Gründungssage im Bereich von Karmeliterkloster und Altem Rathaus zu sehen. Auf den königlichen Villicus weist noch 1291 die Umschrift des großen Stadtsiegels hin.

Stauferstadt und Stauferburg

Unter der Herrschaft der Salier und Staufer entwickelte sich Dinkelsbühl zur Königsstadt und zum dynastischen Eigengut. Im Streit um den Thron des Deutschen Reichs wurde der Ort als staufische Großburg wohl 1126 – 1133 befestigt. Baubefunde bestätigen einen eirunden Mauerring, der auch im Straßenverlauf erkennbar ist. Als Stützpunkt zwischen den staufischen Hausgütern in Schwaben und dem Reichsland um Nürnberg und Eger dürfte König Konrad III. von Hohenstaufen den Ort 1142/1146 zum Markt erhoben haben. Aus dieser Zeit wird das im Münster St. Georg aufgedeckte Fundament einer Steinkirche stammen. Die Anlage einer Stauferburg bezeugen die typisch bearbeiteten Steinquader in den Kellergewölben des Hauses der Geschichte Dinkelsbühl.

Urkundliche Nennung 1188

Erstmals genannt wird Dinkelsbühl im Jahre 1188; Kaiser Friedrich I. Barbarossa übergibt in einem Ehevertrag "burgum tinkelspuhel“ an seinen Sohn Konrad von Rothenburg anlässlich dessen geplanter Verheiratung mit der Königstochter Berengaria von Kastilien. Mächtige Bossenquader der spätstaufischen Stadtmauer sind im Bereich des Wörnitztors und am Dreigangsturm zu finden. Desweiteren wurde vor 1230 das romanische Turmportal vom Münster St. Georg erbaut.

Dinkelsbühl ist Reichsstadt

Nach dem Untergang der Stauferdynastie brachte König Rudolf I. von Habsburg Dinkelsbühl 1274 ans Reich zurück. Die nunmehrige Reichsstadt profitierte von ihrer Lage an der bedeutenden mittelalterlichen Handels- und Pilgerstraße zwischen Italien und der Nordsee. Der wirtschaftliche Aufschwung zeigt sich in den Bauten von Kirchen, Karmeliterkloster und Hospital und in den wachsenden Vorstädten. Mehrmals vom deutschen König und Stadtherrn verpfändet, konnte das regierende Patriziat die Reichsstadt aus eigener Kraft auslösen und dadurch zusätzliche Freiheiten und Rechte als Privilegien erringen. Der Aufstieg zum souveränen Stadtstaat war zwei Jahrhunderte später abgeschlossen.

Die heutige Stadtmauer

Um 1372 begann man unter Einbeziehung eines Teils der bestehenden Staufermauer mit dem Bau der heutigen Stadtbefestigung. Die Vorwerke samt den äußeren Stadttoren wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen, ebenso größtenteils der Wehrgang. Aber der Mauerring samt Zwingern und Zwingertürmen ist vollständig erhalten. Auf einen Gesamlänge von 2.500 Metern wurden vier innere Stadttore und 20 Mauertürme verteilt.

Vom Handwerkeraufstand zur reichsstädtischen Republik

Infolge des Handwerkeraufstands gegen die Patrizier 1387 wurden sechs Zünfte gebildet, die nun aufgrund des erzwungenen „Richtungsbriefs“, der neuen Stadtverfassung, mitregierten. Dinkelsbühl wurde zur reichsstädtischen Republik. Der Stadtstaat besaß ein kleines Territorium, begrenzt von einer Weiherkette und dem Landgraben. Hinzu kamen ein umfangreicher Streubesitz im Umkreis von etwa 15 Kilometern sowie die Herrschaft Wilburgstetten mit Greiselbach und im Dreibund mit den Reichsstädten Rothenburg und (Schwäbisch) Hall die Orte Honhardt, Kirchberg und Ilshofen. Die Einnahmen aus den Gütern und das Handwerk brachten bürgerlichen Wohlstand. Bedeutend war die Tuchherstellung und das Schmiedegewerbe: die Sicheln und Sensen wurden auf den Messen in Nürnberg, Nördlingen und Frankfurt verkauft. Die Wirtschaftskraft spiegelt sich im Bau des Münster St. Georg (1448 – 1499) wider, eine der schönsten gotischen Hallenkirchen Süddeutschlands, oder auch im Hospitalkomplex.

Juden

Seit dem 13. Jahrhundert lebten Juden in der Stadt und es gab immer wieder Judenverfolgungen. Von den im Dreißigjährigen Krieg aufgenommenen sechs Familien verzog der letzte Jude 1712. Die ab 1853 neu entstehende israelitische Gemeinde endete mit der Reichspogromnacht 1938, nach der alle Juden Dinkelsbühl verließen.

Reformation und Gegenreformation

Die Reformation fand früh Eingang und führte in der Reichsstadt zu einer Evangelisch-Lutherischen Staatskirche. Bereits 1537 ließ man zwei sehr seltene Schrift-Bild-Abendmahlsaltäre anfertigen. Dinkelsbühl schloss sich dem Schmalkaldischen Bund an. Nach dem gegenreformatorischen Sieg Kaiser Karls V. herrschte von 1552 an ein katholischer Magistrat über die protestantisch gebliebene Bürgermehrheit. Sie konnte erst ab 1566 wieder Gottesdienst halten und eine obrigkeitsunabhängige Evangelisch-Lutherische Landeskirche gründen.

Hexenverfolgung

Die Hexenverfolgungen des 16. und 17. Jahrhunderts zogen auch in Dinkelsbühl ihre Kreise, allerdings war die Reichsstadt Dinkelsbühl nicht fanatisch. Bei rund 40 Gerichtsverfahren ordnete der Innere Rat in fünf Prozessen zehn Hinrichtungen an, wobei eine Frau lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Der Dreißigjährige Krieg

Bis zum Dreißigjährigen Krieg entstanden als imposante Bauten das Alte Rathaus, die Ratstrinkstube (Gustav-Adolf-Haus) am Marktplatz, das heutige Hotel Deutsches Haus mit seinem eindrucksvollen Renaissance-Schnitzwerk, drei Kornhäuser (heute Jugendherberge, Kinderzech‘-Zeughaus und die Schranne am Weinmarkt), die festungsartige Stadtmühle sowie dann 1622 das Kapuzinerkloster. Der hoheitsvolle Löwenbrunnen von 1557 stand ursprünglich vor dem Münster. Mehrmals wechselten sich während des Krieges die katholischen Kaiserlichen und die evangelischen Schwedischen als Besatzer ab. Die Stadt blieb von größeren Beschädigungen verschont, litt jedoch schwer unter den Kriegszahlungen.

Die Kinderzeche

Erstmals archivalisch genannt ist die Schulzeche der katholischen Lateinschüler 1629, was in der Überlieferung mit dem Einmarsch des schwedischen Obristen Sperreuth 1632 in Verbindung gebracht wurde und 1897 zum Festspiel und einen Historischen Umzug führte. Die evangelischen Schulkinder feierten ihre eigene Zeche erst ab 1654, woraus sich ein Volksfest entwickelte. Nach dem Ende der Reichsstadtzeit konnte schließlich eine gemeinsame "Kinderzeche" entstehen.

Die bikonfessionelle Stadt mit paritätischer Verfassung

Die Friedensverhandlungen des Dreißigjährigen Kriegs brachten der Reichsstadt Dinkelsbühl 1649 als Sonderregelung eine paritätische Verfassung mit zwei gleichberechtigten Konfessionen im Magistrat und allen Ämtern. Dies hatte eine tief zerstrittene Bürgerschaft samt Vettern- und Misswirtschaft zur Folge. Die Glaubensfraktionen strengten gegeneinander Gerichtsverfahren vor dem Reichshofrat an, zehn kaiserliche Kommissionen wurden mit wenig Erfolg eingesetzt. Durch die fortwährenden Kriegslasten wurde das Gemeinwesen völlig ruiniert. Als herausragende Bauten sind der Komplex des Karmeliterklosters und das repräsentative Schloss des Deutschen Ordens mit seiner Rokokokapelle zu nennen. Eine Besonderheit in einer evangelischen Kirche ist das 1774 von Johann Nepomuk Nieberlein freskierte Deckengewölbe „Erlösung“ der Heiliggeistkirche im Spital.

Das Ende der Reichsstadtzeit

Die Landesherrlichkeit der souveränen Reichsstadt Dinkelsbühl endete mit den napoleonischen Kriegen. 1802 fiel die Stadt an das Kurfürstentum Bayern und 1804 durch einen Tauschvertrag an das preußische Fürstentum Ansbach. Dieses wurde 1806 in einem weiteren Tausch vom Königreich Preußen an das neugegründete Königreich Bayern abgetreten. Ein beispielhafter klassizistischer Kirchenbau ist die 1843 fertiggestellte St. Paulskirche. Das Denkmal des Dinkelsbühler Jugendschriftstellers und Dichters des Weihnachtslieds „Ihr Kinderlein, kommet“, Christoph von Schmid, wurde 1859 enthüllt.

Kommunale Selbstverwaltung und Große Kreisstadt

Dinkelsbühl erhielt seine kommunale Selbstverwaltung 1818 als unmittelbare Stadt des Rezatkreises im Königreich Bayern, später umbenannt in Mittelfranken. Doch 1940 wurde die Stadt dem Landkreis Dinkelsbühl eingegliedert, was 1997 vom Bayerischen Staat mit der Erklärung zur Großen Kreisstadt wiedergutgemacht wurde. Dinkelsbühl erhielt erweiterte Befugnisse in allen Verwaltungsebenen. Seit der Landkreisreform 1972 gehört Dinkelsbühl zum Landkreis Ansbach.

Neubürger

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen Heimatvertriebene, vor allem aus dem Sudetenland, aus Schlesien und Siebenbürgen. Zu dem wandern europäische Migranten seit einigen Jahrzehnten als Neubürger zu. Um die Altstadt entstanden außerhalb des Grüngürtels neue Wohnsiedlungen, Gewerbe- und Industriegebiete.

Jüdische Gemeinden in Dinkelsbühl

Die Juden, die bis zum November 1938 in Dinkelsbühl lebten, waren königliche Kammerknechte, reichsstädtische Schutzverwandte, eingekaufte Juden, bayerische Staatsbürger und Deutsche. Zumeist erschienen sie ihrer nicht-jüdischen Umgebung als mehr oder weniger fremd. Denn sie gehörten in einer stark von der Religion und exklusiven Heilsgewissheiten geprägten Zeit, wie dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit einer anderen, über Jahrhunderte als gotteslästerlich und gefährlich diffamierten Religion an. Sie formierten ihre eigene Gesellschaft, organisierten sich in Gemeinden mit eigenem Kultus, eigener geistiger Führung und eigenem Gericht. Zugleich waren sie jedoch auch Teil der Gesamtgesellschaft: lebten als Nachbarn in der gleichen Straße, begegneten als Händler, Bettler oder Vaganten vor der Tür, auf dem Markt, dem Hof oder der Weide, boten sich als Kreditgeber an, besiegelten Geschäfte gemeinsam in der Schänke und standen zum Schwätzen auf der Straße.

Mittelalter

Während der zweimaligen Verpfändung Dinkelsbühls an die Grafen von Oettingen ließen sich um 1251 und 1341 Juden nieder, die jedoch durch die Rintfleisch-Verfolgung 1298 bzw. das Pest-Pogrom 1348/49 wieder aus der Stadt gedrängt wurden. Vermutlich konnte das Patriziat mit den einbehaltenen jüdischen Vermögen beide Male die Stadt aus der Pfandschaft auslösen. Die Reichsstadt erhielt dann 1372 das Privileg, Juden aufzunehmen und Nutzen daraus zu ziehen. Fünfmal erneuerten und bestätigten Kaiser und Könige anschließend dieses Recht. Kaiser Karl IV. gewährte den Juden vier Jahre Steuerfreiheit, weil sie ihn finanziell unterstützten. Bald darauf hatte die Gemeinde einen Rabbiner. Schwer belastet wurde sie durch die 1384 vom Dinkelsbühler Rat eigenmächtig eingeleitete Judenschuldentilgung und die nachfolgende Schuldenminderung durch König Wenzel. Innerhalb des Städtebundes bestrafte die Obrigkeit zwar bürgerliche Verfolgungen, doch die Dinkelsbühler Juden waren finanziell ruiniert und verließen bis 1400 die Stadt. Danach betrieben hier nur noch auswärtige Juden Handels- und Geldgeschäfte. Gegen das Hausieren und die Wucherei wurde später vorgegangen, schließlich das Kreditgeschäft ganz verboten. Die Gerichtsstreitigkeiten von Dinkelsbühler Bürgern und Landuntertanen mit den herrschaftlichen Juden der umliegenden Dörfer und Städte wurden vor dem Inneren Rat verhandelt.

Dreißigjähriger Krieg bis zum Ende des Alten Reichs

Im Dreißigjährigen Krieg wurde 1636 die zahlungsunfähige Reichsstadt gezwungen, sechs Juden mit ihren Familien für 700 Gulden aufzunehmen. Eine Synagoge wird 1663 genannt, es wurden auch Beschneidungen auswärtiger Juden durchgeführt und eine Mikwe, ein rituelles Tauchbad für Frauen und Männer, war auch vorhanden. Schon bald nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs sollten die Juden die Stadt wieder verlassen. Dennoch blieben drei oder vier Familien als Schutzverwandte. Die Familie Frommele etwa erreichte ein lebenslanges Schutzrecht in Dinkelsbühl und erlebte kaum Benachteiligungen. Die Handelsverbindungen mit auswärtigen Juden nahmen in dieser Zeit zu. Beispielsweise kamen 1680 aus 44 Orten insgesamt 301 jüdische Händler, darunter aus Schopfloch 78, Feuchtwangen 33, Wittelshofen 23, Oettingen 14 und Wassertrüdingen 8. Wiederholt ordneten kaiserliche Kommissionen an, die Juden auszubezahlen und aus der Stadt zu schaffen. Aber zum einen konnten weder die Bürger noch die Stadt ihre Schulden zurückzahlen, sie nahmen sogar neue Kredite auf. Zum anderen waren Bürgermeister und Räte selbst in Geldgeschäfte verwickelt. So verließ der letzte Jude die Stadt erst 1712. Die Zeit bis zum Reichsstadtende 1802 kennzeichnen Streitigkeiten wegen des Leib- oder Kopfzolls. Ihn mussten Juden am Tor bezahlen, um hausieren, Geldhandel treiben oder einkaufen zu dürfen. Die „eingekauften Juden“ der Nachbargemeinden konnten das mit einem günstigeren Jahresvertrag tun.

Neuzeit bis 1938

In der bayerischen Landstadt Dinkelsbühl erschwerten die von 1813 bis 1861 geltenden Judenmatrikel die Ansässigmachung, da zuvor keine Juden in der Stadt wohnten. Dennoch zog im Jahre 1853 Dr. Moritz Mannheimer aus Mönchsroth als Hospitalarzt zu. Er lebte hier bis 1861 mit seiner Frau und neun Kindern - als erste Familie der letzten Dinkelsbühler Judengemeinde, die 1938 endete. 1861 und 1862 folgten weitere Juden. Sie waren der israelitischen Kultusgemeinde Schopfloch zugeteilt, erst 1929 bildete sich eine selbstständige Gemeinde, amtlich bestätigt 1932. Bereits ab 1882 besaßen die Bürger mosaischen Glaubens einen Betsaal, später eine Synagoge im Haus des Seligmann Hamburger in der Klostergasse. Die höchste Anzahl mit 65 jüdischen Bürgern hatte Dinkelsbühl bei der Machtergreifung Hitlers 1933, schon ein Jahr später waren es nur noch 54. Die Juden waren bis zum Beginn der Naziherrschaft Mitglieder in Vereinen, hatten an der Kinderzeche teilgenommen, auch 1928 an der Tausendjahrfeier der Stadt. Geschürt durch die antsemitische Hetze im Dritten Reich nahm die Judenfeindlichkeit zu. In der Frühe des 9. und des 10. November 1938 (Reichspogromnacht) wurden sie persönlich gedemütigt, das Inventar und die Kultgegenstände der Synagoge auf der Straße verbrannt. Die in der Stadt noch wohnenden 18 Frauen und Männer verließen „unter dem Druck der Verhältnisse die Stadt“. Von den in Dinkelsbühl einst beheimateten israelitischen Bürgern wurden mehr als 25 Opfer der Shoa.

Sichtbare Spuren

Gedenktafel für die Opfer des NS-Regimes in der Kriegergedächtniskapelle

Stolpersteine vor den Wohnhäusern der Shoaopfer

Alle Häuser, in denen jüdische Bürgerinnen und Bürger zwischen 1853 und 1938 wohnten

Haus der Geschichte Dinkelsbühl - von Krieg und Frieden: Judaica-Vitrine mit Erläuterungen

Ehemalige Synagoge, Klostergasse 5: Seligmann Hamburger stellte nach 1882 einen Raum seines Hauses, ab 1923 einen Betsaal für Männer und einen für Frauen als Zimmersynagoge zur Verfügung. Eine Tafel zum Gedenken an die jüdischen Bürger wurde im April 2007 im Geschäftseingang angebracht.

Mikwe in der Klostergasse 5, nach 1862.

Mikwe im Nebenhaus (Hof) von Steingasse 9, nach 1636.

Einzelne historische Wohnhäuser und Gebäude: Haus mit Garten von Mosche, Abraham und Moschi Frommele 1657 bis 1712 in der Bauhofstr. 15. – Haus von Lazar Frommele 1684 bis um 1700 in der Segringer Str. 41. – Weiteres Haus von Lazar Frommele 1692 bis um 1700 in der Langen Gasse 4. – Judenwirtschaft Zum Koppen, Segringer Str. 38, genannt 1651 bis 1663. – Judenwirtschaft Zum Weißen Ross, Steingasse 12, genannt 1668 bis 1681. – Stadttore: 1664 wurde beschlossen, dass jeder auswärtige Jude beim Eintritt in die Stadt Kopfzoll bezahlen muss, wofür er einen Zollschein erhielt. – Waaghaus (Gustav-Adolf-Haus, Eingang vom Waaggässlein): Die Zollscheine wurden hier abgerechnet, Warenzoll bezahlt. – Altes Rathaus (Haus der Geschichte): Hier wurden die gesetzlichen Bestimmungen sowie Eingaben von Juden und ihre Gerichtsfälle beraten. – Heilig-Geist-Spital: Dr. Mannheimer praktizierte hier von 1853 bis 1861.

Historischer Überblick

8. Jahrhundert - Ein fränkischer Königshof zur Sicherung zweier wichtiger Handelswege gilt als Keimzelle der Ansiedlung an einer Wörnitzfurt.

1188 - Erste urkundliche Erwähnung; Kaiser Friedrich I. Barbarossa übergibt „burgum tinkelspuhel“ an seinen Sohn Konrad von Rothenburg.

1274 - Der Ort ist Reichsstadt, wird in der Folgezeit aber mehrmals an die Grafen von Oettingen verpfändet. Aus der Pfandschaft kann sich die Stadt jeweils selbst freikaufen.

1323 - Die Stadt erlangt Wohlstand durch ein ausgeprägtes Wolltuchgewerbe, was durch ein Tuchprivileg Kaiser Ludwigs des Bayern begünstigt wird.

1387 - Die Handwerker erzwingen die Zunftbildung und regieren zusammen mit den Patriziern die Stadt.

1522 - Die Reformation setzt ein; ein Großteil der Bürger wird protestantisch. 1546 besiegt Kaiser Karl V. den Schmalkaldischen Bund, ein katholischer Rat regiert ab 1552 und die katholische Minderheit erhält das Münster St. Georg zugesprochen.

1618 - Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wechseln in Dinkelsbühl achtmal katholisch-kaiserliche und evangelisch-schwedische Besatzer. Die Stadt bleibt unzerstört, wird aber finanziell schwer belastet.

1629 - Erste Erwähnung einer "Schulzeche", einer der Wurzeln der "Kinderzeche".

1632 - Schwedische Truppen unter Obrist von Sperreuth nehmen die Stadt kampflos ein. Hier findet sich der historische Hintergrund zum Festspiel „Die Kinderzeche“.

1649 - Trotz des „Paritätsvertrags“, der die Gleichberechtigung der Konfessionen festlegt, kommt es zu Streitigkeiten zwischen Katholiken und Protestanten, die bis ins 18. Jahrhundert andauern.

1768 - Der Theologe und Jugendschriftsteller Christoph von Schmid, Dichter des Weihnachtslieds "Ihr Kinderlein kommet", wird in Dinkelsbühl geboren.

1802 - Die souveräne Landesherrschaft der Reichsstadt endet.

1806 - Dinkelsbühl kommt an das Königreich Bayern.

1826 - König Ludwig I. von Bayern erlässt eine Verordnung, die den Abbruch der Mauern und Vorwerke der bayerischen Festungen verbietet, und trägt somit zum Erhalt der historischen Altstadt bei.

1889 - Maler aus Berlin und München entdecken das mittelalterliche Städtchen, das seither als Inbegriff der deutschen Romantik gilt.

1945 - Dinkelsbühl bleibt in beiden Weltkriegen unbeschädigt. Die vollständig erhaltene historische Altstadt zählt zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern in Europa. Seit 1985 ist Dinkelsbühl Geschäftsstellensitz der Arbeitsgemeinschaft „Romantische Straße“.

1998 - Die Stadt erhält den Status einer Großen Kreisstadt.

Quelle: dinkelsbuehl.de



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