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Alte Historische Fotos und Bilder Ellwangen (Jagst), Baden-Württemberg

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Wappen Ellwangen (Jagst)

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Geschichte von Ellwangen (Jagst), Baden-Württemberg in Fotos

Eine kleine historische Referenz

Geographie:

Gründungszeitpunkt:

Einwohner: 24 339

Geschichte:

Sehenswürdigkeiten:

Ellwangen. Gymnasium, Evangelische Kirche und Stiftskirche
Gymnasium, Evangelische Kirche und Stiftskirche
Ellwangen. Panorama der Stadt
Panorama der Stadt
Ellwangen. Schloß
Schloß
Ellwangen. Schloßhof
Schloßhof

Geschichte

Siedlung und Klöster

Die Anfänge von Siedlung und Kloster Ellwangen

Im 7. Jahrhundert entstand vermutlich im Bereich der heutigen Priestergasse am Hang zum Stelzenbach hin eine alamannische Siedlung, die den Namen von diesem abschüssigen Wiesenhang oder als "Siedlung beim Weideland des Alaho" erhielt. Neben dieser Siedlung gründete Hariolf und sein Bruder Erlolf, Bischof von Langres, 764 ein Benediktinerkloster. Die Brüder entstammten einer bayerisch-alamannischen Adelsfamilie. Diese Familie war an einer Reihe von Klostergründungen im bayerisch - alamannischen - fränkischen Raum beteiligt, so z.B. in Schäftlarn, Murrhardt und Neumünster. Wenige Jahre nach der Gründung musste die Familie ihr Eigenkloster Ellwangen dem fränkischen König Karl der Große übertragen.

Damit wurde Ellwangen Königskloster. Aufgrund dieser Stellung begann das Kloster rasch zu blühen und hat seinen Besitz durch königliche Schenkungen und Rodungssiedlungen rasch erweitern können, denn schon zu Beginn des 9. Jhdts. hat der Konvent über 100 Mönche umfasst. Das 817 unter den Reichsklöstern genannte Ellwangen musste 981 dem deutschen König 40 Panzerreiter kostenfrei für die Italienzüge zur Verfügung stellen. Als sich zu Beginn des 12. Jhdts. Abt Helmerich und der Ellwanger Konvent zerstritten, wobei der eigentliche Grund vermutlich in der Öffnung des Klosters für die Hirsauer Reformbewegung lag, führte der Konvent auch gegen seinen Abt an, dass dieser Laien erlaubt habe, an der südlichen Klostermauer zu siedeln und damit den klösterlichen Frieden zu stören. Obwohl Abt Helmerich resignieren musste, konnte der Konvent die Laien aber nicht mehr aus dem Klosterbereich vertreiben.

12. und 13. Jahrhundert

Kloster und Stadt im 12./13. Jahrhundert

Mit der Übernahme der Hirsauer Reform wurde um die Mitte des 12. Jhdts. nach dem Klosterbrand von 1124 der Klosterkomplex neu errichtet und dabei anscheinend die Wohngebäude des Konvents an ihre heutige Stelle im Norden der Klosterkirche verlegt. Südlich der Klosterkirche begann sich aus dem Wohnbereich der Laien eine Stadt zu entwickeln. Diese erscheint erstmals 1182 als "civitas" in der Geschichtsschreibung des Klosters, wird aber erst 1229 als solche urkundlich greifbar. Stadtherr war der Abt. Ob die überlieferten Zerstörungen der Stadt 1201 und 1253 durch die Äbte ein weitergehendes Streben der Bürger nach Selbstverwaltung bezeugen, ist zu bezweifeln. Es ist den Bürgern nicht gelungen, sich aus der Herrschaft des Klosters zu lösen. Die Mitglieder des Stadtgerichts und die höchsten Ämter der Stadtverwaltung wurden unmittelbar vom Abt ernannt.

Nach einem neuerlichen Klosterbrand von 1182 wurde die spätromanische Klosterkirche, das Wahrzeichen der Stadt Ellwangen, zwischen 1182 und 1233 unter dem Einfluss der Wormser Dombauschule errichtet. Sie gilt heute als das "vielleicht wichtigste Baudenkmal der schwäbischen Kaiserzeit im Stammlande" (Gradmann) und als die "bedeutendste romanische Hallenkirche Süddeutschlands" (Dehio). In der Bauzeit der Klosterkirche war insbesondere Abt Kuno (1188-1221), ein enger Mitarbeiter des staufischen Kaisers Friedrich II., für die weitere Entwicklung des Klosters bedeutsam. Er wurde schon 1215 als Reichsfürst genannt. Er war auch zeitweilig in Personalunion Abt im Kloster Fulda. Bereits unter seinen Nachfolgern begann der langsame Abstieg des Reichsklosters.

Benediktinerkloster

Benediktinerkloster und Chorherrenstift

Nach einer fast 200-jährigen Phase des Niederganges wurde das durch die adeligen Mönche nicht reformierbare Benediktinerkloster 1460 mit Genehmigung des Apostolischen Stuhles in ein Chorherrenstift mit einem Fürstpropst an der Spitze und zwölf Chorherren umgewandelt. Die Umwandlung hat auch zur wirtschaftlichen Konsolidierung der Fürstpropstei Ellwangen beigetragen. Da der Konvent bereits in den letzten Jahren der klösterlichen Zeit das gemeinsame Leben in den Konventsräumen aufgegeben hatte, entstanden im engeren Umkreis um das Kloster eine Reihe von Stiftsherrenhäusern, die das Bild der Innenstadt bis in die Gegenwart prägen.

Die rasche wirtschaftliche Konsolidierung ließ auch den Kreuzgang mit der Liebfrauenkapelle, die Wolfgangskirche vor der Stadt und die Eichkapelle entstehen. Die nicht erfolgte Reform des Klosters war aber wohl auch dafür verantwortlich, dass kein gotischer Neubau der Klosterkirche wie in zahlreichen anderen Klöstern Süddeutschlands erfolgte. Die wirtschaftliche und religiöse Stärkung des Chorherrenstiftes ließ Versuche einzelner Geistlicher scheitern, im Zuge des Bauernkrieges 1525 in Ellwangen die Reformation einzuführen.

Dennoch wurden einige Bürger in der Stadt evangelisch. Fürstpropst Kardinal Otto von Waldburg, der auch Bischof von Augsburg war, rekatholisierte Stadt und Fürstpropstei. Im Übergang vom 16. zum 17. Jhdt. fanden auch in Ellwangen wie in anderen evangelischen und katholischen Gebieten Hexenverfolgungen statt. In dem bald darauf ausbrechendem 30-jährigen Krieg hatte die Stadt und das Stift ebenfalls zu leiden. Nicht nur Seuchen haben 1626 und 1635 zu überproportionalen Todesfällen in der Stadt geführt, sondern auch die seit 1632 in der Stadt als Besatzung liegenden Schweden haben die Bürger stark belastet. Der Fürstpropst musste über Jahre hinweg aus seiner Residenz fliehen und konnte erst nach der Schlacht von Nördlingen 1634 in diese zurückkehren. Sie war zwischen 1603 und 1608 aus der mittelalterlichen Burg oberhalb der Stadt zum Residenzschloss umgebaut worden.

Bereits Kardinal Otto von Waldburg hatte die Jesuiten wiederholt nach Ellwangen eingeladen und seit 1611 hatten diese eine ständige Niederlassung in der Stadt, die immer mehr erweitert wurde. Sie haben mit ihren Bauten und ihrer religiösen und kulturellen Aufbauarbeit die Entwicklung Ellwangens entscheidend beeinflusst. So geht nicht nur die Wallfahrt auf dem Schönenberg mit der dortigen Wallfahrtskirche, sondern auch das Gymnasium in der Stadt auf sie zurück. Der zu ihnen gehörende P. Philipp Jeningen (1642-1704) wird noch heute in der Liebfrauenkirche verehrt.

Hexenverfolgungen

Hexenverfolgungen in Ellwangen

Eine Erläuterung von Hans Pfeifer (Entnommen aus der Publikation: "Ellwangen - Kunst und Geschichte aus 1250 Jahren", Ulm 2000, S. 50-52)

Düstere Erinnerungen rufen die Hexenverfolgungen Ende des 16. und im 17. Jahrhundert wach. Der Glaube an die Hexen war in jener Zeit überall verbreitet. Ausgelöst wurde die Hysterie offenbar durch das häufige Auftreten von Krankheiten, Seuchen, Unwettern und Mißernten, die durch Klimaverschlechterung verursacht wurden. Zwar war es in Ellwangen schon 1588 zu Hinrichtungen von Hexen gekommen. Die großen Hexenverfolgungen hier knüpfen sich hauptsächlich an die Namen der Fürstpröpste Johann Christoph I. von Westerstetten (1603 bis 1613) und Johann Christoph II. von Freyberg und Eisenberg (1613 bis 1620). Die Anklagen lauteten meist auf Verleugnung Gottes und der Heiligen, Entweihung der hl. Sakraments, Unzucht mit dem Teufel, Entfachung von Viehseuchen und Unwetter, Mischen von Giften und Herstellen von Hexensalbe.

Zur Befragung der Hexen hatte der Kanzler Dr. Carl Kibler ein Formular mit 30 Fragen zusammengestellt. Wichtigstes Mittel der Beweisaufnahme war die Selbstbezichtigung und die unter den Qualen der Folter erzwungenen Geständnisse. Viele Hexen wurden aufgrund von Denunziationen verfolgt. Durch die Folter wiederum hat man die Hexen nach Mithexen befragt; diese Aussagen, man nennt es "Besagungen", ließen die Zahlen sprunghaft ansteigen, denn die Genannten wurden in "Besagungsbüchern" festgehalten, und Ellwangen hat sie unaufgefordert den Nachbarherrschaften zur Verfügung gestellt. Das Urteil lautete meist auf Verbrennung der lebenden Hexe. Der Fürstpropst, der das Begnadigungsrecht hatte, wandelte es häufig ab auf Hinrichtung mit dem Schwert oder Strang und Verbrennung des Leichnams. Diese Form galt damals' als "mildes" Urteil.

Schrecken in der Stadt

Die Hexenprozesse wurden in Ellwangen in den Jahren 1588 und 1611 bis 1618 durchgeführt; 1622 und 1627 gab es nochmals zwei Todesurteile, dann hörte der Schrecken in der Stadt auf. Die furchtbarsten Jahre waren 1611 bis 1613. In dieser Zeit wurden über 300 Menschen verbrannt. Allein von Mai bis Dezember 1611 fanden an 17 Tagen 125 bis 130 Hinrichtungen statt. Insgesamt sind 1588 und 1611 bis 1618 450 Menschen, 350 Frauen und 100 Männer, hingerichtet worden. Rund 65 Prozent der Opfer stammten aus der Stadt, die damals etwa 1600 Einwohner zählte; die übrigen kamen aus umliegenden Ortschaften der Fürstpropstei.

Bisweilen wurden aus einer Familie mehrere Personen verbrannt. Viele Kinder wurden zu Halb- und Vollwaisen. Während anfangs fast nur Frauen der Hexerei bezichtigt wurden, stieg der Anteil der Männer von Jahr zu Jahr und betrug 1613-1618 rund ein Drittel. Aber auch Amtspersonen und Geistliche wurden nicht verschont. So wurden in Ellwangen zwei Richter und 1615 auch drei Geistliche und ein Organist hingerichtet. Personen geradezu jeden Alters, Geschlechts und Standes wurden Opfer der grausamen Verfolgung. Über das unermeßliche menschliche Leid hinaus hatte die Hexenverfolgung eine weitreichende demographische Veränderung in der Einwohnerschaft zur Folge, sie mußte auch zu wirtschaftlichen und finanziellen Problemen führen; vor allem aber hat sie jedes gesellschaftstragende Vertrauen zerstört.

Es gab schon damals zeitgenössische Stimmen, die auf die katastrophalen Auswirkungen hingewiesen haben. In Ellwangen hatten die Jesuiten die Aufgabe, als Beichtväter die unglücklichen Opfer zu betreuen. Einer von ihnen, Pater Johann Finkh schreibt am 13. September 1613 in einem Bericht, seit 1611 seien schon 303 Hexen verbrannt worden. Dann fährt er fort: "Ich sehe nicht, wohin das führen soll und wie dies enden wird. Denn dieses Übel hat so überhand genommen und hat wie die Pest so viele angesteckt, daß nach Jahren, wenn der Magistrat weiterhin sein Amt so ausübt, die Stadt elend veröden wird."

Ellwanger Verfolgungspraktiken

Die Ellwanger Verfolgungspraktiken wurden über die Grenzen der Fürstpropstei hinaus bekannt. Interessant ist, daß in dem im Jahre 1615 gegen die Mutter des Astronomen Johann Kepler in Weil der Stadt angestrengten Hexenprozeß einer der Ankläger aussagte, bei den Hexen seien Beweise nicht notwendig, weil die Verbrechen derselben im verborgenen geübt würden; im Ellwangischen seien »mehr als 100 Hexen verbrannt worden, ohne daß die Beschuldigungen bewiesen worden seien«.

Sicherlich gab es damals fast überall in Süddeutschland Hexenprozesse. Aber die Zahl der Opfer wie die zeitweilige Intensität der Verfahrensführung waren in Ellwangen offenbar doch über das hinausgegangen, was man anderwärts beobachtete. Ellwangen war wegen seiner Hexenverfolgung in einen schlechten Ruf geraten und wurde gemieden, wie der damalige Plan zur Errichtung eines Jesuitengymnasiums erkennen läßt. Nur in den Prozeßserien der fränkischen Hochstifte Bamberg, Würzburg und Eichstätt sowie in der Deutschordenskommende Mergentheim Mahnmal im Galgenwald lassen sich ähnliche Verfolgungsformen nachweisen wie in der Fürstpropstei Ellwangen

Mahnmal im Galgenwald

Als Folge des Sturms Wiebke wurden im Jahr 1991 die Fundamentreste des ehemaligen Galgens im gleichnamigen Galgenwald wieder sichtbar und archäologisch untersucht. Dabei wurden auch die sterblichen Überreste von acht Hingerichteten gefunden. Im Jahr 2001 wurde von der kath. Kirchengemeinde St. Vitus zur Erinnerung an die Hingerichteten der Hexenprozesse ein Mahnmal in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Richtstätte erstellt (s. Abbildung). Die Gestaltung übernahm hierfür der bekannte Künstlerpfarrer Sieger Köder. Das Mahnmal ist in einen ca. 10 minütigen Fußmarsch vom Parkplatz der Rundsporthalle/Berliner Straße erreichbar.

Barocke Residenz

Fürstpröpste

Mit der Wahl von Ludwig Anton von Pfalz-Neuburg (1689-1694) zum Fürstpropst kamen nachgeborene Söhne bedeutender Adelsfamilien des alten Reiches auf den Stuhl des Ellwanger Fürstpropsten. Insbesondere unter Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1694-1732) und Franz Georg von Schönborn (1732-1756), die auch Erzbischöfe in Mainz und Trier waren, wurde die Stadt Ellwangen zu einer barocken Residenz umgebaut. Auch das Innere der romanischen Stiftskirche wurde 1737-1740 barockisiert. Ellwangen und die Fürstpropstei haben die Regierungszeiten dieser Regenten einerseits in Verbindung mit weitreichenden geistigen und kulturellen Strömungen des alten Reiches gebracht, andererseits war Ellwangen seit 1689 eine Art Nebenresidenz und hat daher im späten 17. und vor allem im 18. Jhdt. nur einen relativ maßvollen Ausbau als Residenz erfahren.

Nachdem die Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg als Auftakt dieser Maßnahmen 1682 errichtet worden war, folgte 1688 das Palais Adelmann und 1699-1702 der Neubau des Spitals. Zwischen 1720 und 1729 wurde durch die Jesuiten die heutige evangelische Stadtkirche, das Kollegium und Gymnasium im Westen der Stiftskirche errichtet. 1720-1727 wurde das Schloss ob Ellwangen umgebaut und mit dem Zeitgeschmack entsprechenden Residenzräumen ausgestattet. Abschließend entstand auf dem Marktplatz 1748-1750 das Stiftsrathaus, während das Spital zwischen 1749 und 1753 umgebaut und erweitert und hinter der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg 1749-1757 das Priesterseminar gebaut wurde.

Meister aus Handwerkerfamilien

Obwohl die barocken Baumaßnahmen Baumeister und Künstler von außerhalb der Stadt nach Ellwangen gezogen hatte, wurde ein großer Teil der künstlerischen und handwerklichen Leistungen in dieser Zeit durch Meister aus Handwerkerfamilien der Stadt geleistet. Beispielhaft ist hier der Bildhauer, Stuckateur und Elfenbeinschnitzer Melchior Paulus (1669-1745) zu nennen, der weit über Ellwangen hinaus bekannt war und auch gearbeitet hat. Insbesondere das Wachstum der handwerklichen Tätigkeit in der Stadt zwischen dem 17. und 18. Jhdt. hat dieser eine weitreichende Bedeutung für die Umgebung gegeben.

Säkularisation

Die Säkularisation und das 19. Jahrhundert

Die Säkularisation von 1802/1803 bedeutete den größten Einschnitt in der Geschichte der Stadt und der Fürstpropstei. Das bislang selbständige geistliche Territorium wurde 1802 durch württembergisches Militär besetzt und dem Herzogtum, späterem Königreich Württemberg angeschlossen. Der neue württembergische Landesherr gab Ellwangen 1803 wegen seiner Schwierigkeiten mit den Landständen in Altwürttemberg den Status einer Residenz für die neuwürttembergischen Landesteile. Im Zusammenhang damit entstanden in Ellwangen die entsprechenden Behörden. Die Stadt behielt diese Stellung bis 1806 im Zusammenhang mit der Erhebung Württembergs zum Königreich die alt- und neuwürttembergischen Landesteile vereinigt wurden. Ellwangen wurde 1811 vom König Friedrich mit dem Titel einer "guten Stadt" des Königreichs entschädigt, der aber erst im Zusammenhang mit der neuen Organisation Württembergs 1817/1818 der Stadt das Recht gewährte, neben dem Oberamt einen eigenen Abgeordneten für den Landtag zu wählen.

1812 wurde in Ellwangen auch das Generalvikariat für die katholischen Einwohner Württembergs errichtet, das zum Vorläufer des späteren katholischen Bistums im Lande wurde. Neben dem Generalvikariat wurde auch ein Priesterseminar und eine theologische Universität eingerichtet. 1817 wurde das Generalvikariat und das Priesterseminar nach Rottenburg am Neckar verlegt, die Hochschule als katholisch-theologische Fakultät an die Universität Tübingen. Mit dem Anschluss Ellwangens an Württemberg wurde 1803 das Oberamt Ellwangen eingerichtet. Über verschiedene Vorgängerbehörden entwickelte sich auch die durch König Wilhelm I. in der Landesorganisation von 1817 geschaffene Kreisregierung für den Jagstkreis, die in ihrer Aufgabenstellung weitgehend einem heutigen Regierungspräsidium entsprach.

Im Zusammenhang mit der neuen Organisation des Landes entstand auch das Landgericht Ellwangen. Im Zuge der weiteren Entwicklung der Gerichtsbehörden im 19. Jhdt. traten neben dasselbe das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft. Bereits im 19. Jhdt. hatte die Stadt durch die Säkularisierung und die Umgestaltung der Verwaltungsbehörden entscheidend an bisheriger Bedeutung verloren.

20. Jahrhundert

Ellwangen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Der Bedeutungsverlust der Stadt setzte sich nach den politischen Veränderungen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg fort. Als erstes wurde 1924 im Zuge der Auflösung der Kreisregierungen im Lande die Kreisregierung für den Jagstkreis aufgelöst.

Im Zuge der Verwaltungsreform von 1938 wurde durch den Einfluss des damaligen Ellwanger Bürgermeisters und Kreisleiters der NSDAP Aalen zum Sitz des neuen Landkreise Aalen, dem der Landkreis (früher Oberamt) Ellwangen angegliedert wurde.

Dieser Vorgang wird im Zusammenhang mit dem seit 1933 in Ellwangen hart durchgeführten Kirchenkampf in Zusammenhang gebracht. Seit 1934 war in Ellwangen eine SS-Einheit stationiert, die insbesondere in der Anfangszeit sich nicht scheute, mit der katholischen Bevölkerung heftige, stark verletzende und zahlreiche Auseinandersetzungen vom Zaune zu brechen.

Später wurde dieser Kampf vom Ellwanger Bürgermeister und Kreisleiter maßgeblich fortgeführt. Die von der SS-Einheit und weiteren NS-Vertretern im April 1945 betriebene Verteidigung der Stadt gegen die amerikanischen Truppen hat diese zeitweise in große Gefahr gebracht. Obwohl die Stadt letztlich vor einer weitgehenden Zerstörung, wie sie Städte in der näheren Umgebung erfuhren, verschont blieb, gingen durch Artelleriebeschuß doch insgesamt 22 Gebäude in Flammen auf. Die katholische Bevölkerung hat durch Dankgottesdienste und Prozessionen nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder der Rettung der Stadt vor der Zerstörung durch amerikanische Bomber wegen eines plötzlich aufziehenden Gewitters gedacht.

Ellwangen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die Entwicklungen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben der Stadt neue Impulse gegeben. Die Bevölkerung war durch Heimatvertreibene und Flüchtlinge zwischen 1945 und 1950 von ca. 9000 auf 12000 gewachsen. Diese Entwicklung forderte nicht nur den Bau von Wohnhäusern, sondern auch die Ansiedlung von neuen Gewerben und Industrie. Die kleine Gemarkung der Stadt hat die wirtschaftliche Entwicklung Ellwangens in den 50er und 60er Jahren sehr behindert. Erst die Gemeindereform, durch die sich 1972/1973 die Gemeinden Rindelbach, Röhlingen, Schrezheim und Pfahlheim der Stadt anschlossen, gaben der Stadt den für die weiteren Entwicklungen notwendigen Raum.

Die Stadt hat in dem seitdem verflossenen Vierteljahrhundert nicht nur eine Altstadtsanierung mit dem Erhalt der alten Bausubstanz der Stadt und der dazugehörigen Verkehrsplanung durchgeführt, sondern auch ein Industriegebiet geschaffen und dadurch für die Ansiedlung weiterer Arbeitsplätze gesorgt. Die Einwohnerzahl liegt daher Ende 2003 bei ca. 25.172.Der Anschluss an die Autobahn A 7 war der Stadt bei dieser Entwicklung außerordentlich behilflich.

Hessentaler Todesmarsch

Ein Häftlingstreck durchquert Ellwangen

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges sollten auf Befehl Heinrich Himmlers alle Häftlinge der Konzentrationslager und deren Außenlager wegen vorrückender alliierter Verbände in Lager im Landesinneren verlegt werden. Auf diesen Evakuierungsmärschen, den sogenannten „Todesmärschen“, starben unzählige Menschen an Entkräftung oder durch die Misshandlungen des Wachpersonals.

Am 5. April 1945 wurde das ca. 40 km nordwestlich von Ellwangen gelegene Lager Hessental/Schwäbisch Hall evakuiert. Die rund 700 Insassen sollten ursprünglich per Bahn in das KZ Dachau verlegt werden. Dies wurde durch einen alliierten Fliegerangriff auf den Zug vereitelt, so dass die Häftlinge zu Fuß weitergehen mussten. Dabei kam es immer wieder zu schrecklichen Szenen, als die Wachmannschaften die ausgezehrten Gefangenen in Kolonnen dem Ziel entgegentrieben. Eine Versorgung der Häftlinge fand so gut wie nicht statt.

In der Nacht vom 6. auf den 7. April erreichte der Treck die Stadt Ellwangen. Am Bahnhof wurden rund 50 Marschunfähige zurückgelassen und 20 von ihnen noch an Ort und Stelle erschossen. In Neunheim machte der Gefangenenzug Rast. Die Häftlinge der ersten Kolonne mussten bei Nässe und Kälte im ehemaligen Neunheimer Steinbruch übernachten; mehrere überlebten dieses Nachtlager nicht. Die zweite Kolonne campierte für einige Stunden in einer Scheuer mitten im Ort, wo es ebenfalls Tote gab.

An diesem 7. April 1945 fanden auf Ellwanger Markung vermutlich mehr als 60 Menschen den Tod. Die Zahlen sind nicht genau zu fassen, da sie überwiegend auf den Aussagen von Augenzeugen beruhen. Die Leichname wurden an mehreren Orten entlang der Marschroute verscharrt, davon 27 in der Sandgrube bei Dalkingen und 23 im Neunheimer Steinbruch. Auch als der Treck das Ellwanger Gebiet wieder verlassen hatte, ging das Morden und Sterben weiter. Schon wenige Wochen nach der Kapitulation exhumierte man die sterblichen Überreste. Die Toten von Neunheim wurden am 15. Juni 1945 auf dem Wolfgangsfriedhof in Ellwangen beigesetzt.

Jeder vierte Häftling kam nie in Dachau an. Schätzungsweise 170 Menschen erlagen den Strapazen des Marsches und der Gewalt der Aufseher. Das Schicksal vieler Teilnehmer des Hessentaler Todesmarsches ist bis heute ungeklärt. Mögen sie uns und unseren Nachkommen zur Mahnung dienen.

Literatur: Friedensforum Ellwangen (Hg.): Vernichtung und Gewalt – die KZ-Außenlager Ellwangens, Ellwangen 1987.

Die 2., unveränderte Auflage (2017) kann in der Tourist Info zum Preis von 10,- € erworben werden.

Quelle: ellwangen.de



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