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Alte Historische Fotos und Bilder Herbolzheim, Baden-Württemberg

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Wappen Herbolzheim

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Geschichte von Herbolzheim, Baden-Württemberg in Fotos

Eine kleine historische Referenz

Geographie: Zur Stadt Herbolzheim gehören die Stadtteile Bleichheim, Broggingen, Herbolzheim, Tutschfelden und Wagenstadt. Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Mit Ausnahme des Stadtteils Herbolzheim erfolgt die offizielle Benennung durch den vorangestellten Namen der Stadt und dem nachgestellt die Bezeichnung „Stadtteil“ und der Name des Stadtteils. Die Stadtteile Bleichheim, Broggingen, Tutschfelden und Wagenstadt bilden zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.

Gründungszeitpunkt:

Einwohner: 10 341

Geschichte:

Sehenswürdigkeiten:

Herbolzheim. Hauptstraße
Hauptstraße
Herbolzheim. Hauptstraße
Hauptstraße
Herbolzheim. Hauptstraße
Hauptstraße
Herbolzheim. Hauptstraße
Hauptstraße
Herbolzheim. Kirchstraße
Kirchstraße, Hauptstraße, Unterdorfstraße und Elektrizitätswerk
Herbolzheim. Marktplatz mit Rathaus, 1905
Marktplatz mit Rathaus, 1905
Herbolzheim. Neue Schule
Neue Schule
Herbolzheim. Panorama von Stadtstraße
Panorama von Stadtstraße

Geschichte zu Herbolzheim

Herbolzheim, die nördlichste und zugleich jüngste der breisgauischen Städte, liegt am Rande der Rheinebene und der Lößhügelzone an einer alten Durchgangsstraße, die schon in der Römerzeit von Bedeutung war. Eingebettet zwischenWeinbergen, fruchtbaren Feldern und saftigen Wiesen, hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte sowohl in der Ebene wie auch an den Lößhängen ausgebreitet. Die zur Stadt gehörenden Waldungen liegen auf dem weniger fruchtbaren Buntsandsteinvorgebirge. Die günstige Verkehrslage und das bevorzugte Klima haben aus Einzelsiedlungen der Vor- und Frühgeschichte in der alemannisch-fränkischen Landnahmezeit des 5. bis 7. Jahrhunderts ein Dorf entstehen lassen, das sich in der Neuzeit zur Stadt entwickelte mit vielen infrastrukturellen Einrichtungen. Durch Eingemeindungen in den Jahren 1971 bis 1975 und durch rege Bautätigkeit ist die Einwohnerzahl in den letzten ahrzehnten von 5000 auf nahezu 10000 Einwohner angestiegen. Die in der Vorbergzone liegenden reizvollen Dörfer Bleichheim, Broggingen, Tutschfelden und Wagenstadt sind Stadtteile von Herbolzheim geworden.

Die Geschichte von Herbolzheim beginnt mit der Besiedelung der Vorbergzone und der höheren, hochwassergeschützten Niederterrasse am Ende der Mittelsteinzeit vor etwa 6000 Jahren. Deutliche Siedlungsspuren gibt es aus der Zeit der Bandkeramiker, der Michelsberger und Urnenfelderkultur, wie auch aus der Kelten- und Römerzeit. Ein römischer Gutshof oder eine Straßenstation größeren Ausmaßes befand sich an der Stelle, wo heute der Europa-Park Rasthof und das Highway-Hotel stehen. Eine größere Zahl römischer Funde beim Friedhof in Bleichheim, in den Tutschfelder Gewannen Geiger/Eckwäldele, im „Immele“ nördlich des Autobahnanschlusses und bei der Margarethen-Kapelle in der Unterstadt deuten auf weitere gewerbliche und landwirtschaftlich genutzte Siedlungen hin.

Die erste urkundliche Erwähnung des Namens Herbolzheim befindet sich um das Jahr 1108 im Rotulus Sanpetrinus, einem Güterbuch des Klosters St. Peter im Schwarzwald. Neben St. Peter hatten aber auch die Klöster Einsiedeln, Andlau, Schuttern, Ettenheimmünster, Waldkirch und Tennenbach Besitzungen und Rechte in Herbolzheim. In den Klosterurkunden des 12. Jahrhunderts wurden bei Besitzübergaben immer wieder Ritter von Herbolzheim genannt. Sie waren Ministeriale der Grafen und Herzöge, in deren Auftrag sie die Ordnung und das Gesetz im Dorf zu wahren hatten. Nach der Geländebeschaffenheit und ersten Bodenfunden kann geschlossen werden, dass sie ihre Burg auf dem heutigen Hüttenbühl oberhalb der Stadt hatten. Nach neueren Erkenntnissen dichtete Ritter Berthold von Herbolzheim um 1200 ein Alexanderlied zu Ehren des Zähringerherzogs. Von 1400 bis 1805 gehörte Herbolzheim zu Vorderösterreich, nachdem zuvor die Grafen von Nimburg, die Herzöge von Zähringen, die Üsenberger und Bischöfe von Straßburg Hoheitsrechte beanspruchten. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand ein beachtlicher Wohlstand, der bis heute in vielen guterhaltenen, stattlichen Fachwerkhäusern bezeugt ist. Diese Aufwärtsentwicklung zeigt sich auch in der Verleihung der Marktrechte mit einem Wochenmarkt und drei Jahrmärkten durch Erzherzog Ferdinand II. von Österreich im Jahre 1589. Zum Marktrecht kam 1593 noch das Recht zur Erhebung eines Wegezolles. Gegen 1800 besaß Herbolzheim sogar ein Oberzollamt. Im 1606 verliehenen Wappen ist die Geschichte der Stadt dokumentiert. Neben dem Reichsadler befinden sich die österreichischen Farben rot-weiß-rot und der Üsenbergflügel. Die halbe Pflugschar in der Mitte des Wappens symbolisiert die Bedeutung des Ackerbaues. Neben Handel, Handwerk und Gewerbe spielte in Herbolzheim bis in dieses Jahrhundert auch die Landwirtschaft eine beachtliche Rolle. Während der Agrarrevolution am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden große Waldflächen in der Ebene gerodet und in Acker- und Wiesennutzung übergeführt, so dass Dutzende von Familien in der Landwirtschaft ihre Existenzgrundlage sichern oder eine neue aufbauen konnten. Die alte Form der Fluraufteilung und der Bewirtschaftung verschwand. Über die verbesserte Dreifelderwirtschaft und die Einführung von Klee, Kartoffeln und Mais wurden die landwirtschaftlichen Erträge gesteigert. Zunehmende Bedeutung erlangten die Handelsgewächse, insbesondere der Anbau und die Verarbeitung von Hanf. Aus dem bodenständigen Hanfanbau entwickelte sich schon früh die Leinenweberei. Um 1800 gab es in Herbolzheim 40 größere und kleinere, selbstständige Handwebereien. Sechs Handelsunternehmungen befassten sich mit dem Vertrieb von Hanf und Hanferzeugnissen, die große Absatzgebiete in der Schweiz und in Frankreich hatten. Die Handleinenweberei und Spinnerei beeinflusste auch die Entwicklung des sonstigen Handwerks und Gewerbes. 1813 wurden insgesamt 186 Gewerbetreibende statistisch erfasst. Die starke gewerbliche Entwicklung bedingte 1810 die Verleihung des Stadtrechtes durch den badischen Großherzog Karl Friedrich.

Die verschiedenen Epochen wirtschaftlichen Aufschwungs waren auch immer mit einer regen Bautätigkeit im privaten, kommunalen und kirchlichen Bereich verbunden. Viele Jahrhunderte alte Gebäude prägen bis heute das Bild der Altstadt.

Herbolzheim erhält 1810 die Stadtrechte

Seit beinahe vier Jahrhunderten hatte Herbolzheim zu Vorderösterreich gehört. Gerade in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte der Breisgau am stärksten die Auswirkung der Wiener Politik. Die Reformbestrebungen, die schon unter Maria Theresia eingesetzt und unter Kaiser Joseph II. ihren Höhepunkt erreicht hatten, erregten auch im Breisgau alle Gemüter, Zustimmung oder Ablehnung hervorrufend. Doch es war im allgemeinen eine Zeit des Aufstiegs gewesen, gerade auch für Herbolzheim.

Aber der Ausbruch der Französischen Revolution und die Zeit Napoleons veränderten nun die staatlichen und politischen Verhältnisse in ganz Europa grundlegend, alte, überlebte Formen zerbrachen, neue Ideen setzen sich unaufhaltsam durch. So ging auch das deutsche Kaisertum unter und neue Gebilde entstanden aus den Trümmern. Der Reichsdeputationshauptschluss zu Regensburg vom 25.02.1803 bestätigte die Veränderungen, die Napoleon erzwungen hatte.

Der Markgraf von Baden wurde Großherzog, er erhielt einen bedeutenden Länderzuwachs.

Der Pressburger Friede 1805 brachte neue Gebiete an Baden, unter ihnen war diesmal auch der Breisgau, zugleich als Morgengabe, die des Franzosenkaisers Nichte und Adoptivtocher Stephanie Beauharnais ihrem Gemahl, dem badischen Erbprinzen Karl, mit in die Ehe brachte. Das neue badische Großherzogtum war durch den Länderhandel so vergrößert worden, dass seine Grenzen nun vom Bodensee im Süden bis an den Main im Norden reichte.

Noch aber war kein Friede, schwere Jahre waren noch durchzustehen, die Neuordnung des so willkürlich entstandenen Staates und die Einschmelzung der erworbenen Gebiete mit so verschiedenartiger Herkunft erforderten alle Kräfte.

Im Jahre 1808, als Herbolzheim mit dem vorderösterreichischen Breisgau also gerade zwei Jahre dem Lande Baden angehörte, erließ die großherzogliche Regierung in Karlsruhe ein Konstitutionsedikt, nach welchem die sogenannten „Marktflecken“ nicht mehr zu bestehen haben, sondern entweder zur Klasse der Städte oder der Dörfer gehören sollten.

In dem Erlaß heißt es am 19.04.1808: „Ob die bisherigen Marktflecken zu den Städten oder zu den Dörfern gezählt werden sollen, muss daraus beurteilt werden, ob derer gegenwärtiger Bestand mehr von dem für Städte ausgezeichneten Charakter an sich hat, oder ob er Dörfer mehr sich nähert, wonach also jene, deren Haupteinrichtung auf Nahrung durch Gewerbsamkeit, Kunstfleiß und Wohnungsannehmlichkeit für die zehrende Klasse der Staatsbürger geht und in welcher bisher jede ehrliche Hantierung getrieben wurde den Städten; die andern aber, deren Haupteinrichtung auf Nahrung durch Landwirtschaft und gemeiner, zum täglichen Gebrauch der Landmänner nötige Handarbeit berechnet ist, den Dörfern für die Zukunft beigezählt werden sollen.“

Auf Grund dieses Erlasses mussten die Marktflecken einen eingehenden Bericht über Zahl und Art der vorhandenen „Nahrungs- und Gewerbezweige“ erstatten. So auch Herbolzheim, für das ja ebenfalls die Entscheidung auf dem Spiele stand, ob Dorf oder Stadt.

Der damalige Schultheiß Meyer konnte getrost die verlangten Angaben liefern, denn Herbolzheim hatte sich nach den Wirrnissen der Neunzigerjahre des 18. Jahrhunderts verhältnismäßig rasch erholt und wie aus der damals gefertigten Aufstellung „über die am Orte ansässigen Gewerbs- und Handwerksleute“ hervorgehet, stand das Handwerk und das Kleingewerbe in hoher Blüte.

Nach dem Originalbericht waren vorhanden:

  • 8 Gasthöfe
  • 1 Orgel- und Klaviermacher
  • 1 Büchsenmacher
  • 3 Wolltuchweber
  • 4 Strumpfwirker
  • 2 Strumpfstricker
  • 8 Schmiedemeister
  • 8 Bäckermeister
  • 10 Metzgermeister
  • 3 Bierbrauer
  • 6 Handelsleute
  • 2 große und 4 kleine Handelsleute
  • 22 Schustermeister
  • 6 Maurermeister
  • 5 Wagner
  • 4 Sattlermeister
  • 3 Schlosser
  • 10 Schreiner
  • 40 Leinenweber
  • 4 Rothgerber
  • 1 Seifensieder und Lichtermacher
  • 3 Hutmacher
  • 1 Messerschmied
  • 3 Hafnermeister
  • 3 Glasermeister
  • 4 Hechler
  • 1 Drechsler
  • 9 Schneider
  • 8 Küfer
  • 5 Ziegler
  • 2 Seiler
  • 4 Gerber
  • 2 Öhler
  • 1 Eisenhändler
  • 1 Bildhauer

Der Bericht schließt mit dem Hinweis, dass der „Seelenstand“ des Ortes 2.102 beträgt.

Fast zwei Jahre gingen über das Land und immer sehnlicher erwartete man die Entscheidung:

Dorf oder Stadt? Endlich am 27. Januar 1810 war es so weit, durch höchsten Ministerialerlass wurde der bisherigen Marktflecken Herbolzheim zur Stadt erhoben. Es dauerte aber immer noch bis zum 05. November 1810 bis die Bürgerschaft Kenntnis von der Erhebung zur Stadt erhielt. Vom Bezirksamt Kenzingen war Oberamtmann Wetzel gekommen, um die freudige Kunde zu überbringen. Der Tag der offiziellen Bekanntgabe der Stadtrechtverleihung gestaltete sich zu einem großen Festtag. Während einer schlichten Feierstande im Rathaus wurde der bisherige Schultheiß Johann Baptist Meyer zum Bürgermeister und die Gerichtsleute Anton Biehler, Franz Joseph Leutner, Kaspar Guth, Joseph Bosch, Georg Hettich, Ignaz Galura, Anton Dörle und Joseph Kunzer zur Stadträten ernannt. Dann folgte ein großer Festakt im Saale des Gasthofes „Krone“. Aus einem zeitgenössischen Bericht entnehmen wir noch folgendes: „Abends schloss ein Ball das Fest, dessen Eintrittsgeld zur Armenkasse bestimmt war. An die Bürgerschaft wurde Wein und Brot, sowie der Schuljugend und den Armen noch Speisen zum Andenken dieses feierlichen Tages ausgeteilt.

Und so endigte dieses für die Geschichte des Ortes Herbolzheim so wichtige Fest in einstimmiger Zufriedenheit.

Geschichtliches während und nach der Stadtrechtsverleihung

Zum Zeitpunkt der Stadtrechtserhebung wirkte der spätere Fürstbischof Bernhard Galura als Stadtpfarrer in Freiburg/St. Martin. 1820 wurde er Weihbischof für Vorarlberg in Feldkirch und von 1829 - 1856 war er Fürstbischof von Brixen. Daniel Gulat von Wellenburg war 1820 Ritter und zeitgleich badischer Staatsminister.

Emil Dörle gehört ebenfalls zu den bedeutendsten Persönlichkeiten unserer Stadt. Der Musiker, Komponist und Regierungsrat wurde zum ersten Ehrenbürger der Stadt Herbolzheim durch Bürgermeister Hermann Jäger ernannt. Seine berühmteste Komposition ist der Marsch „Hoch Badner Land“. Anlässlich des 120. Geburtstages von Emil Dörle fand am 29.09.2006 ein feierlicher Festakt mit Einweihung des Erweiterungsbaus der Emil-Dörle-Schulen und offizieller Widmung seiner Büste statt.

Mit der Gründung der Leinenweberei Kuenzer im Jahre 1834 hat die industrielle Entwicklung der Stadt Herbolzheim begonnen. Im Verlauf der nächsten 50 Jahre wurden bedeutende Fabriken der Tabakindustrie durch die Familien Heppe, Neusch und Schindler gegründet.

Auf Grund der wirtschaftlichen Lage traten aus dem Breisgau 300 Personen die Auswanderung nach Tovar/Venezuela an. Aus Herbolzheim waren 10 Familien mit 52 Personen dabei. Am 8. März 1853 begannen sie als Kolonisten das Gebiet der heutigen Colonia Tovar zu entwickeln. Heute gehört die Colonia Tovar zu den reichsten Regionen von Venezuela. Nach den Ereignissen des 2. Weltkriegs wurden der Stadt Herbolzheim die Stadtrechte aberkannt und wieder erneut verliehen durch das Badische Ministerium des Innern am 5. Oktober 1949.

Ein besonderes Ereignis war die Verwaltungsreform in Baden-Württemberg, in deren Verlauf zwischen 1972 und 1975 die ehemals selbstständigen Gemeinden im Bleichtal nach entsprechenden Bevölkerungsbefragungen und Beschlüssen in den Gemeinderäten in die Stadt Herbolzheim eingegliedert worden sind.

Die Eingemeindung der Gemeinde Wagenstadt erfolgte zum 01.01.1972, danach folgten Bleichheim, Broggingen und Tutschfelden. Am 01.01.1975 war die neue politische Einheit Stadt Herbolzheim mit ihren Stadtteilen gebildet. In den vergangenen Jahren hat sich die Zusammenarbeit und Harmonisierung innerhalb der Gesamtstadt Herbolzheim erfolgreich entwickelt.

Geschichte zu Wagenstadt

Wagenstadt ist eine frühmittelalterliche Stätte, die in der Landesausbauphase des 6. bis 8. Jahrhunderts zwischen dem Bleichfluß und den Lößwänden des „Weißen Raines“ entstanden und zu einem Dorf herangewachsen ist.

Die Ableitung des Ortsnamens ist nicht mit Sicherheit geklärt. Bisher bezog man sich auf den Sippennamen „Wago“. Wahrscheinlicher erscheint jedoch die Ableitung aus dem althochdeutschen Wort „wag“, was fließendes Wasser bedeutet. Wagenstadt ist demnach die Stätte am fließenden Wasser.

Im Zusammenhang mit dem Kloster Wonnental erfolgte 1316 die erste bekannte Erwähnung.

Neben den Klöstern Schuttern, Tennenbach, Wonnental, Waldkirch und Alpirsbach, die auch in den anderen Bleichtalorten Besitzungen hatten, waren in Wagenstadt die Johanniter von Freiburg begütert. Im 13. Jahrhundert gehörte das Dorf den Geroldseckern, ab 1277 zur Herrschaft Mahlberg. Teilungen, Vererbungen und Verpfändungen führten ab dem 15. Jahrhundert zu einem Kondominat, bei dem der Ort zwei Herrschaften zugleich unterstand.

Die Rechte der Geroldsecker kamen über die Grafen von Mörs-Saarwerden an verschiedene Nassauer Linien und durch Pfandschaft anteilig an den Markgrafen von Baden. 1553/56 führten beide Herrschaften die Reformation in Wagenstadt durch. Mit der Baden-Badischen Linie wurde Wagenstadt wieder katholisch.

Nach mehrfachem konfessionellen Wechsel wurden nach dem 30-jährigen Krieg (1669 und 1693) Verträge abgeschlossen, die beiden Konfessionen gleiche Rechte zugestanden und die gemeinsame Nutzung der Wagenstadter Kirche durch Katholiken und Protestanten verbindlich regelten. Im Dreißigjährigen Krieg und in den Jahrzehnten danach litt das stark entvölkerte Dorf unter großer Not.

Das Land war verwüstet und die meisten Gebäudeeinschließlich der Kirche waren baufällig.

Um das Dorf erhalten zu können, wurde den Einheimischen, die alle schwer verschuldet waren, die Steuerlast erleichtert und Fremden, die sich häuslich niederlassen wollten, für 3 bis 4 Jahre Abgabenbefreiung zugesagt. 1741 einigte man sich zum Neubau einer Kirche unter Beteiligung des Landesherrn und der beiden Kirchengemeinden. So blieb St. Mauritius bis zu ihrer Erweiterung im Jahre 1972 Simultankirche für beide Konfessionen. Seit 1884 befindet sich in der Kirche eine wertvolle Stieffell-Orgel, die zuvor in der ev. Kirche in Köndringen stand und 1975/76 restauriert wurde. Die ältere Orgel stammte von Blasius Schaxel, der seit 1791 in Herbolzheim eine größere Orgelbauwerkstätte betrieben hatte. Die umgebaute katholische Pfarrkirche hat in ihrem Chorbau noch mittelalterliche Reste, ein Sakramentshäuschen und Türgewände aus der gotischen Zeit sowie eine barocke Dekorationsmalerei aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts mit einer spätgotischen Stehmadonna. 1972 baute die evangelische Kirchengemeinde am Rande des Dorfes, in der Nähe des Kindergartens und der Schule, eine moderne Saalkirche mit einem Gemeindezentrum.

Das katholische Gemeindezentrum befindet sich im alten Pfarrhaus, das 1784 fertig gestellt wurde. Im Pfarrhaus ist auch ein ökumenischer Jugendtreff eingerichtet. Das seit 1811 überlieferte Wappen symbolisiert den Ortsnamen (Wagenrad) und die Art der früher betriebenen Landwirtschaft (Sense, Pflugeisen und Rebmesser).

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren Ackerbau, Weinbau und Viehzucht wichtige Einnahmequellen. Der im 19. Jahrhundert vorübergehend angeordnete Anbau von Handelsgewächsen, wie Hanf, Raps, Zichorien und Tabak, brachte keinen dauerhaften Erfolg.

Mehr Erfolg brachte die Intensivierung der Viehzucht und der Anbau von Hackfrüchten (insbesondere Kartoffeln und Rüben) bis in die 60er Jahre, als die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung verlor.

In den letzten Jahrzehnten erreichten Wein- und Obstbau ihren Höhepunkt. Der Ertrag von ca. 50 ha Reben und mehreren großen Obstanlagen wird vorwiegend genossenschaftlich vermarktet. Allerdings gibt es auch heute zunehmend Selbstvermarkter. Mehrere private Brennereien liefern Edelbranntweine. Als besondere Spezialität gilt seit beinahe 100 Jahren das „Wagenstadter Pflümewässerli“, das aus der Maische goldgelber Pflaumen hergestellt wird. Die „Wagenstadter Pflüme“ wurde auch zum Symbol der Narrenzunft.

Die Aussiedlung von neun Bauernhöfen, Flurbereinigungen in der Ebene wie auch im Berg und Flächenaufstockung einiger Vollbetriebe schufen bessere betriebswirtschaftliche Voraussetzungen, änderten aber auch das landwirtschaftliche Gefüge, zumal viele Kleinbetriebe aufgaben.

Die Althofstellen dienten der Dorfsanierung und machten Platz für den Wohnungsbau.

Durch die Nähe zu den beiden Städten Herbolzheim und Kenzingen veränderte sich schon früh die dörfliche Struktur. Erwerbstätige pendelten zur Industrie und zu den Dienstleistungen. Aber auch am Ort angesiedelte Betriebe schufen gewerbliche Arbeitsplätze und begünstigten die Nebenerwerbslandwirtschaft. Mit der Ausweisung von Neubaugebieten, insbesondere „Im Kleinfeldele“, „Im Weiherle“, „Hohbühl“ und „Im Sand“ verstärkte sich die Wohnfunktion des Ortes. Von 1950 bis heute ist die Einwohnerzahl von 707 auf derzeit 1.027 angewachsen. Der Schulhausneubau mit Turn- und Festhalle sowie neuerdings mit einem Mehrzwecksaal und die Einrichtung eines Kindergartens verbesserten die Infrastruktur.

Bankfiliale und ein Raiffeisenmarkt kamen hinzu.

In Dorfsanierungsmaßnahmen wurden nicht nur Straßenzüge und die Ortsdurchfahrt L 106 neu gestaltet, sondern auch ein attraktiver Dorfplatz mit Feuerwehrgerätehaus geschaffen.

Gelungene Neubauten, Fassadengestaltungen, Baumpflanzungen, Blumenschmuck und dekorative Brunnen verschönern das Dorfbild.

In der Wilhelm-Oesterle-Straße erinnert eine Gedenktafel an den Maler und Radierer Wilhelm Oesterle (1876-1928), der dort geboren wurde. Nahezu die Hälfte seines Lebens wirkte er als Künstler in Berlin. Mehrfache Ausstellungen würdigten sein Lebenswerk. Letztendlich wird das dörfliche Leben auch nicht unwesentlich geprägt durch die Initiative mehrerer Vereine und Organisationen, die dem Zusammenleben immer wieder neue Impulse geben.

Geschichte zu Bleichheim

Das vom Bleichbach durchflossene Dorf, liegt zwischen Reben und Wald am Übergang zu den bewaldeten Buntsandsteinvorbergen des Schwarzwaldes. In Bleichheim berühren sich Geschichte und Gegenwart aufs Innigste. Historische Strukturen, die sich in Gebäuden und Besitzverhältnissen niedergeschlagen haben, überdauerten Jahrhunderte. Auf der Südostseite des Dorfes erhebt sich über steilen Buntsandsteinfelsen die Ruine Kirnburg, die von ca. 1200 bis 1352 Residenz der Herren von Üsenberg war. Die ältesten Teile der Burg stammen aus der Zeit der Staufer. Bei Sanierungsarbeiten wurde die noch vorhandene, spärliche Bausubstanz gesichert. Wertvolle Ofenkachelfunde und Reste von Tafelgeschirr illustrieren die Lebensweise und Wohnkultur der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts. Die Fundstücke sind im Heimatmuseum Bleichheim ausgestellt. Schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts ist die Burg nicht mehr dauerhaft bewohnt.

Unterhalb der Kirnburg erheben sich aus dem Waldgelände des „Kastenbucks“ die Reste einer Vorgängerburg, deren Strukturen neuerdings auf Grund exakter Einmessungen erkannt werden konnten. Neben einem Turmhügel und Wällen sind die Grundmauern eines 10 x 20 Meter messenden Gebäudes zu sehen. Das auf der anderen Seite des Dorfes an der Straße nach Broggingen liegende, ehemalige Kageneck’sche Schlossgut mit Herrenhaus, Herrenmühle und Zehntscheuer erinnert an die Grafen von Kageneck, die von 1682 bis in die badische Zeit die Grundherrschaft über Bleichheim ausübten. Im Jahre 1682 verlieh Kaiser Leopold I. dem Statthalter der vorderösterreichischen Lande, Johann Freiherr von Kageneck, für sich und seine männlichen Nachkommen das Dorf Bleichheim mit allen Rechten samt den beiden Höfen Kürnberg und Streitberg. 1736 kam noch das Patronatsrecht über die Kirche in Bleichheim hinzu, das zuvor das Kloster Alpirsbach und der Herzog von Württemberg besaßen.Aus der jüngeren Geschichte ist die kath. Pfarrkirche St. Hilarius zu erwähnen. Sie wurde 1825 nach Plänen des großherzoglichen Baumeisters Christoph Arnold, eines Schülers Friedrich Weinbrenners, im klassizistischen Weinbrennerstil errichtet. Die alte romanische Kirche stand in der Mitte des heutigen Friedhofes, neben dem Pfarrhof, der mit seinem Grundbesitz auf den mittelalterlichen Herrenhof hinweist. Dort hatten schon die Römer, nach den Bodenfunden zu schließen, einen Gutshof errichtet. Andere Bodenfunde, die im Bereich der Rebflurbereinigung „Rebeneck“ gemacht wurden, beweisen die frühgeschichtliche Besiedelung der Anhöhe zwischen Bleichheim und Broggingen.

Das in alten Siegeln überlieferte Ortswappen zeigt in gespaltenem Schild die österreichische Binde und daneben als Ortszeichen Pflugschar und Senseneisen.

Damit ist auch die über 400jährige Zugehörigkeit zu Vorderösterreich dokumentiert. Bleichheim ist mit 737 ha Gemarkungsfläche und 405 ha Wald neben der Kernstadt der flächengrößte und waldreichste Stadtteil. Heute leben 716 Einwohner in Bleichheim. Bleichheim war früher ein Bauern- und Handwerkerdorf mit ansehnlicher Gastronomie an der durchziehenden Landstraße. Viele Sandsteinbrüche lieferten nicht nur den Steinhauern Arbeit, sondern auch den Bauern einen Nebenverdienst durch den Transport der gebrochenen Sandsteine. Heute werden Acker und Weinbau fast nur noch im Nebenerwerb betrieben. Früher war der Bleichbach, der auf viele Kilometer die Gemarkung durchzieht, an mehreren Stellen aufgestaut. Über Mühlbäche, die noch zum Teil vorhanden sind, wurden Wasserräder und später auch Turbinen betrieben. Bis auf die „Glöcklemühle“ sind alle aufgegeben worden.

Im alten Dorfkern sind noch manche aufgebaut. Neben der Kirche entstand schon vor Jahrzehnten die Kirnburghalle für sportliche und kulturelle Bedürfnisse. Später kamen ein Spielplatz und der katholische Kindergarten „St. Marien“ hinzu.

Die Ortsdurchfahrt L 106 und einige Seitenstraßen wurden kanalisiert und verkehrsberuhigend saniert, ein kleiner Dorfplatz entstand. Das dörfliche Miteinander zeigt sich vor allem bei Festen und Feiern, die von den kirchlichen Organisationen und den kulturellen und sportlichen Vereinen getragen werden. Das Wein- und Dorffest und die Aktivitäten der Narrenzunft sind solche Höhepunkte.

Geschichte zu Broggingen

Das in der Lößhügellandschaft zwischen Bleichbach und Ettenbach eingebettete sehr alte Dorf, hatte schon früh Beziehungen zu Straßburg. Nach einer im Mittelalter gefälschten Urkunde soll es 748 in den Besitz des Straßburger Bischofs gekommen sein. Jedenfalls gehörte 1129 ein Brogginger Fronhof dem Domkapitel. Erwähnt sind aber auch Besitzungen und Zehntrechte der Klöster Ettenheimmünster, Tennenbach und Wonnental. Von den Geroldseckern, Üsenbergern und Hachbergern kam das Dorf an die Markgrafschaft Baden und 1535 zu Baden-Durlach. Nach dem Augsburger Religionsfrieden wurde es 1556 zusammen mit Tutschfelden evangelisch. Der Kirchenzehnte und die Baulast gingen vom Kloster Ettenheimmünster an den Markgrafen über. Von der ursprünglich romanischen Kirche sind die drei unteren Turmgeschosse erhalten geblieben. Um 1740 wurde das Langhaus neu erbaut und der Turm ergänzt, sowie der von der Dorfstraße zur Kirche führende, vor wenigen Jahren sanierte Treppenaufgang errichtet.

Neben der Kirche stehen noch interessante Grabsteine aus der Zeit um 1800. Der angrenzende Pfarrhof von 1759 ist mit seinen Wirtschaftsgebäuden erhalten geblieben. Der Pfarrhof und die Kirche bilden eine von Wein- und Obstgärten umgebene, dominante Gebäudegruppe auf einer Anhöhe an der Südseite des Dorfes. Im Dorfkern hat Broggingen einige stattliche Fachwerkbauten und Gehöfteanlagen aus dem 18. Jahrhundert. Eine Sonderstellung nimmt das gegenüber dem Rathaus traufständig angeordnete Haus Engler mit seiner reichen Fassadengestaltung und dem Mansardendach ein. Der Schlußstein des Torbogens zeigt neben der Jahreszahl 1752 und den Initialen des Besitzers einen Stierkopf und ein Haubeil als Handwerkssymbol. Das Haus war bis ins 19. Jahrhundert Metzgerei und Gasthof „Zur Sonne“.

In den letzten Jahren hat sich Broggingen sehr um eine schöne Dorfgestaltung bemüht. Viele Fachwerkhäuser wurden saniert. Der sommerliche Blumenschmuck ist beachtenswert. Fachwerk und Geranienblüten zeigen sich als vorteilhafte Schmuckkombination. Das Wappen des Dorfes zeigt in gespaltenem Schild vorn in Gold einen roten Schrägbalken, der an die Zugehörigkeit zu Baden-Hachberg erinnert, und hinten in Silber das schwarze Dorfzeichen. Auf einer Gesamtfläche von 525 ha hat Broggingen ca. 80 ha Reben und 234 ha Wald. Der Gemeindewald umfaßt mehrere Bezirke, die vom Dorf bis zum Streitberg reichen. Dazwischen liegen die Waldungen von Herbolzheim und Bleichheim sowie Staatswaldungen. Früher besaßen die Brogginger Familien am Gemeindewald neben dem Holznutzungs- und Streurecht auch das „Eggerichtrecht“. Sie durften eine bestimmte Anzahl Schweine in den Wald schicken unter der Aufsicht des Schweinehirten. In Broggingen ist der Weinbau schon seit Jahrhunderten eine wichtige Erwerbsquelle. In fünf Rebflurbereinigungen wurde von 1951 bis 1981 die Weinbaufläche vergrößert und wirtschaftsgerecht erschlossen. In der Dragonerstraße erinnert ein aus Sandstein geschaffener Brunnen an die genossenschaftliche Aufbauleistung. Viele Brennereien erzeugen aus dem eigenen Obst edelste und prämierte Spirituosen. Bis in die Nachkriegsjahre war Broggingen ein Bauerndorf mit vielen hauptberuflichen Landwirten, die sowohl Ackerbau als auch Viehzucht betrieben. Mit der Gründung der Winzergenossenschaft im Jahre 1963 erfolgte eine Umstellung auf den Weinbau, der Jahrzehnte gute Erträge lieferte. Umstrukturierungen gab es auch im heimischen Handwerk und in der gewerblichen Produktion. Das Handwerk orientiert sich heute mehr an der Bauwirtschaft als an der Landwirtschaft. Um 1970 waren in Broggingen über 200 Beschäftigte im Gewerbe tätig. Aus der einst gewerbesteuerträchtigen Spielwarenfabrik Faller ist über ein Aussiedlerwohnheim eine REHA-Klinik geworden. Durch den Um- und Erweiterungsbau des Rathauses, das einen schönen und geräumigen Bürgersaal besitzt und vielfache Nutzungsmöglichkeiten bietet, wie auch durch den Neubau der Lerchenberghalle sind Infrastrukturen geschaffen worden, die nicht nur dem Dorf selbst, sondern auch den Nachbarorten zugute kommen. Die sanierte und erweiterte Grundschule dient sowohl Broggingen als auch Bleichheim.

Den ebenfalls sanierten Kindergarten betreibt die evangelische Kirchengemeinde Broggingen. Im Dorfzentrum ist anstelle des abgebrochenen Schlachthauses ein Kinderspielplatz entstanden.

Vereine und Organisationen bereichern das dörfliche Leben. Neue Wohngebiete haben in landschaftlich schöner und ruhiger Lage, vor allem im Butzental und Dorfmatten, den Zuzug von Fremden beschleunigt. Buslinien verbinden das Dorf mit den Städten Herbolzheim, Kenzingen und Ettenheim. In Broggingen leben derzeit 759 Einwohner.

Geschichte zu Tutschfelden

Tutschfelden, ist von seiner Fläche und Einwohnerzahl her der kleinste der vier Bleichtalstadtteile. Seine exponierte Lage auf dem Rücken eines Lößhügels machen ihn zu einem Blickfang im Bleichtal. Schon in frühgeschichtlicher Zeit waren günstig gelegene Teile der Gemarkung bewohnt. In den Gewannen Geiger, Eckwäldele und Herrenberg deuten Funde auf römische und alemannische Siedlungen hin. Bereits 972 wurde der Ort in einer Urkunde des Klosters Einsiedeln erwähnt anläßlich der Auflistung von fränkischem Besitz, der an das Kloster übergegangen war. Später hatten auch die Reichsklöster Gengenbach und Waldkirch sowie Ettenheimmünster und Tennenbach Rechte in Tutschfelden.

Im 13. Jahrhundert beanspruchten die Herren von Üsenberg und Geroldseck als Schutzvögte der Klöster weitere Rechte. Nach vorübergehenden Verpfändungen wurde das Dorf im 15. Jahrhundert markgräflich- hachbergisch und fiel nach der Teilung der Markgrafschaft an Baden- Durlach. Markgraf Karl II. führte 1556 als regierender Landesfürst die Reformation ein. Die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges hatten in Tutschfelden viele Spuren hinterlassen. Durch Brand und Einsturz wurden die meisten Gebäude zugrunde gerichtet. Die Zahl der Einwohner ging von 200 auf 50 zurück. In den darauffolgenden Kriegen verhinderten Kontributionsleistungen den Wiederaufbau. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts stieg die Zahl der Einwohner wieder von 70 auf 200 an. Doch belasteten Mißernten, Unwetter, Viehseuchen und ansteckende Krankheiten die Entwicklung. Nur wenige Familien kamen zu Wohlstand, ihre meist in Fachwerk erbauten Häuser sind für das Dorfbild bezeichnend. Die wenigen aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg erhalten gebliebenen kleinen Häuser können an der Art der Fachwerkkonstruktion erkannt werden.

Bis zur Errichtung einer selbständigen Pfarrei im Jahre 1777 war der Ort Filiale von Broggingen oder Wagenstadt, wo auch die Kinder zur Schule gingen. 1757 bekam das Dorf seine erste ortseigene evangelische Schule. Die über dem Dorf 1806 im Weinbrennerstil erbaute evangelische Kirche enthält Ausstattungsteile des ehemaligen Klosters Ettenheimmünster (Altartisch, Kanzel und Kirchenbänke). Eine fast unverändert erhalten gebliebene, kleine Orgel des bekannten Herbolzheimer Orgelbaumeisters Blasius Schaxel aus dem Jahre 1807 ist nach ihrer Renovation ein Kleinod für Orgelfreunde geworden. Anstelle dieser klassizistischen Kirche stand zuvor eine frühromanische Kapelle, die Johannes dem Täufer geweiht war. Sie zählte nach Aufzeichnungen des Baudirektors Friedrich Weinbrenner zu den ältesten im ganzen Oberland. Der mit 1615 datierte Taufstein ist von der alten Kirche erhalten geblieben. Das Dorfwappen besteht aus einer roten Rose mit grünen Kelchblättern.

Es ist um 1900 aus dem alten Dorfzeichen unter Weglassung des bad. Schrägbalkens entstanden. Durch vier mustergültige Rebflurbereinigungen hat Tutschfelden auf seiner kleinen Gemarkung in den Jahren 1952 bis 1971 eine Rebfläche von 72 ha geschaffen. Damit bekamen die meisten landwirtschaftlichen Betriebe, die stark auf Feldbau ausgerichtet waren, eine zusätzliche Erwerbsquelle. Straßen und Wege wurden ausgebaut und kanalisiert, Häuser saniert und ein neues Rathaus gebaut, sowie in zwei Bauabschnitten (1951 und 1964) das 1907 erstellte Volksschulgebäude erweitert. Das an der Straße nach Wagenstadt liegende Schulgebäude diente bis 1974 dem Schulbetrieb.

In den letzten Jahrzehnten entstanden um die alte Dorfbebauung, die ausschließlich landwirtschaftlich gekennzeichnet war, mehrere Neubaugebiete. Den größten Umfang erreichte das „Neudorf“, dort erfolgte auch eine Erweiterung („Halden/Schörlinsmatten“). Mit dem Bau des Kindergartens am südwestlichen Dorfrand wurden sowohl in baulicher wie infrastruktureller Hinsicht neue Akzente gesetzt. Zwischen Kindergarten und Sportplatz entstand 2003 ein Bürgerhaus. Mit der Einweihung am 17.10.2003 ging ein lang gehegter Wunsch der Tutschfelder Bürgerinnen und Bürger in Erfüllung. Noch vor der Eingemeindung am 12. Juni 1974 wurde im Zuge der Gemeindereform im Eingemeindungsvertrag zwischen der Stadt Herbolzheim und der ehemals selbständigen Gemeinde Tutschfelden als wichtigster Punkt der Bau einer Mehrzweckhalle festgelegt. Die dafür gebildeten Rücklagen der Gemeinde Tutschfelden wurden der Stadt Herbolzheim übergeben. Über einen Zeitraum von fast 30 Jahren wurden von den Stadtbaumeistern und Architekten verschiedene Vorschläge erarbeitet und viele Modelle erstellt. Geplant wurden unter anderem eine Überbauung des damaligen Lagerhauses – eine Mehrzweckhalle mit vollautomatischen Kegelbahnen-eine Halle mit Kindergarten und Vereinsräumen. Auch verschiedene Bauplätze standen immer wieder zur Diskussion. 1991 entschied sich der Ortschaftsrat für den Platz oberhalb des Sportplatzes als Standort für den Kindergarten und das Bürgerhaus. Das Bürgerhaus beinhaltet neben der Ortsverwaltung, der Städt. Bücherei, der Freiw. Feuerwehr Abt.

Tutschfelden, einen Bürgersaal, Vereinsräume für alle örtlichen Vereine, Archivräume, Räume für die Kirchengemeinde sowie die Geschäftsstelle der Winzergenossenschaft Tutschfelden. Innerhalb weniger Jahrzehnte ist aus dem Bauerndorf in bevorzugter landschaftlicher Lage ein Wohn- und Auspendlerstadtteil geworden, in dem sich die eingesessenen wie zugezogenen Bürgerinnen und Bürger gut miteinander verstehen. Mit der Umstrukturierung in der Landwirtschaft sind auch die meisten diesbezüglich orientierten Handwerksbetriebe aufgegeben worden. Spielte doch früher der Wagner und Schmied, wie auch der Küfer, Krämer und Gastwirt im Dorf eine beachtliche Rolle. Während 1950 noch 74% der Erwerbspersonen, die im Ort wohnten, in der Landwirtschaft tätig waren, ist dieser Wirtschaftszweig heute weitgehend zum Nebenerwerb geworden.

Am nordwestlichen Ortseingang von Tutschfelden entstand im Jahre 2004 ein Golfplatz. Behutsam in das vorhandene, rebenbestandene Terrassengelände eingepasst, bietet die neue entstandene Golfanlage mit ihren sanften Bachläufen, integrierten Biotopen und herrlichem altem Baumbestand ein einzigartiges Landschaftserlebnis. Fern von jeglichem Verkehrslärm ergeben sich Bahn für Bahn herrliche Panorama- Aussichten auf eine unverwechselbare Natur- und Kulturlandschaft. Die Golfanlage verfügt über einen 18-Loch Meisterschaftsplatz „Rebland“ sowie über einen öffentlichen 9-Loch-Platz „Heckenrose“. An der Straße nach Broggingen stehen zwei auffallend große Gebäude, das ehemalige Gasthaus „Löwen“ mit Walmdach und schön renoviertem Fachwerkobergeschoß von 1730 und daneben der durch Umbau 1806 geschaffene alte Pfarrhof mit einer Zehntscheuer von 1728. Eine Vielzahl historischer Zeugnisse und moderne Veränderungen lassen die Geschichte nahtlos in die Gegenwart übergehen.

Kulturelle, sportliche und kirchliche Vereine und Gruppierungen pflegen die Tradition und fühlen sich der modernen Entwicklung verpflichtet.

In Tutschfelden leben derzeit 668 Einwohner.

Friedrich Hinn

Quelle: stadt-herbolzheim.de



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