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Alte Historische Fotos und Bilder Jena, Thüringen

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Wappen Jena

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Geschichte von Jena, Thüringen in Fotos

Eine kleine historische Referenz

Geographie: Die Verwaltung der Stadt Jena ist nach § 45 der Thüringer Kommunalordnung in 30 Ortsteile unterteilt. Diese Ortsteile wurden durch die Hauptsatzung der Stadt Jena festgelegt. Dabei handelt es sich meist um räumlich getrennte Gebiete bzw. Dörfer, die ehemals selbstständige Gemeinden waren. Die 30 Ortsteile der Stadt sind in der Liste der Ortsteile Jenas aufgelistet:

Ammerbach, Burgau, Closewitz, Cospeda, Drackendorf, Göschwitz, Ilmnitz, Isserstedt, Jena-Nord, Jena-Süd, Jena-West, Jena-Zentrum, Jenaprießnitz/Wogau, Kernberge, Krippendorf, Kunitz/Laasan, Leutra, Lichtenhain, Lobeda-Altstadt, Löbstedt, Lützeroda, Maua, Münchenroda/Remderoda, Neulobeda, Vierzehnheiligen, Wenigenjena, Winzerla, Wöllnitz, Ziegenhain, Zwätzen

Gründungszeitpunkt: Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1145 Yen zurück ein Jahr

Einwohner: 109 527

Geschichte:

Sehenswürdigkeiten:

Jena. Abbe-Denkmal, Zeiss Werke, um 1910
Abbe-Denkmal, Zeiss Werke, um 1910
Jena. Betriebshof, Straßenbahn, 1905
Betriebshof, Straßenbahn, 1905
Jena. Bürgelsche Straße, 1935
Bürgelsche Straße, 1935
Jena. Burschenschaftsdenkmal
Burschenschaftsdenkmal
Jena. Carl Zeiss Platz
Carl Zeiss Platz mit Lesehalle und Volkshaus, 1914
Jena. Das Paradies, um 1890
Das Paradies, um 1890
Jena. Ernst Haeckels Phyletisches Museum
Ernst Haeckels Phyletisches Museum der Universität feierlich übergeben 30. Juli 1908
Jena. Frommannsche Haus, 1912
Frommannsche Haus, 1912
Jena. Fuchsturm, um 1890
Fuchsturm, um 1890
Jena. Hotel Burgkeller
Hotel Burgkeller
Jena. Johannesturm
Johannesturm mit Tor, 1922
Jena. Johannistor und Hercinrnhaus am Johannisplatz
Johannistor und Hercinrnhaus am Johannisplatz
Jena. Johannistor mit Stadtkirchturm und Hausberg, 1924
Johannistor mit Stadtkirchturm und Hausberg, 1924
Jena. Kurfürst Johann Friedrich
Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, Begründer der Universität
Jena. Marine Geschützes
Marine Geschützes auf einem speziellen Eisenbahn Förderer montiert
Jena. Marktplatz, 1910
Marktplatz, 1910
Jena. Marktplatz
Marktplatz mit Bismarkbrunner
Jena. Neue Frauenklinik, 1915
Neue Frauenklinik, 1915
Jena. Panorama der Stadt, um 1890
Panorama der Stadt, um 1890
Jena. Panorama der Stadt
Panorama der Stadt
Jena. Prinzessinnengarten, 1916
Prinzessinnengarten, 1916
Jena. Universität, 1920
Universität, 1920
Jena. Volkshaus
Volkshaus und Bibliothek Carl Zeiss Stiftung, 1918
Jena. Wald Haus
Wald Haus und Soldatendenkmal, um 1890

Geschichte

Mittelalter

Eine erste Erwähnung der Stadt liegt aus der Zeit von 830 bis 850 vor. Im Hersfelder Zehntverzeichnis erscheint Liutdraha (das in der heutigen Johannisvorstadt aufgegangene Dorf Leutra) neben Iani. Für 1145 und 1182 ist die Form Gene belegt, für 1216 schließlich Iehene und für 1252 Iene. Die Endung auf -a ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts nachweisbar. In lateinischen Texten wird Jena das Athen an der Saale (Athenae ad Salam) genannt.

Die nach dem Tod von Wilhelm IV., Pfalzgraf bei Rhein, im Jahr 1140 als Besitzer von Jena nachzuweisenden Herren von Lobdeburg erhoben um 1230 den Ort zur Stadt, die bald danach ummauert wurde, ihre Selbstverwaltung unter dem 1275 bezeugten Rat ausbaute, im 14. Jahrhundert das Schultheißenamt, 1365 die Niedergerichte und 1429 die Obergerichte an sich brachte. Bei einem Saalehochwasser starben am 23. Juni 1263 35 der etwa 1000 Einwohner. Der schnell aufblühende Weinbau brachte der Bürgerschaft guten Gewinn. Um 1176 befahl ein „Hermann, Herr des obern Hauses“ in Lobdeburg, „den Rittern und Bürgern in Gene, eine öffentliche Straße zu pflastern, die durch einen Hof gehe, den das Kloster zu Heusdorf erworben hatte und der im Gerichte von Jena liege“. 1286 errichteten die Dominikaner ihr Kloster, 1301 entstand bei der Michaeliskirche das Zisterzienserinnenkloster. Die Herren von Lobdeburg ließen im 12. Jahrhundert die Münzstätte Jena errichten.

Mit Schwächung der Lobdeburger traten die Grafen von Schwarzburg und die Wettiner in Erscheinung. Bis 1331 gelangten die Wettiner in den Vollbesitz der Stadt. 1332 erteilten sie Jena das Gothaische Stadtrecht. 1414 entstand das Karmelitenkloster. Nach dem Tode von Friedrich dem Strengen (1381) erhielten dessen drei Söhne Friedrich der Streitbare (1370–1428), Wilhelm der Reiche (1371–1425) und Georg (* 1380; † 9. Dezember 1401 in Coburg) die Stadt Jena im Jahr 1382 gemeinschaftlich, die beiden älteren erteilten der Stadt die Zollfreiheit. Auch Friedrichs drei Söhne, Friedrich der Sanftmütige, Sigismund und Wilhelm der Tapfere, bestätigten diesen Verwaltungsakt. Bei der Teilung der Erblande am 4. Januar 1436 fiel Jena an Sigismund, der jedoch aus Liebe zu einer Nonne aus Lohma Geistlicher im Kloster Mildenfurth wurde. Wegen seines Verhaltens wurde er aber von seinem Bruder Wilhelm in Freyburg an der Unstrut festgesetzt und eine Zeit lang gefangen gehalten. Mit dem Tode von Wilhelm III. fiel Jena am 26. August 1485 an seine Neffen Ernst und Albrecht. Bereits sechs Wochen später kam es zu einer erneuten Teilung, bei der das Amt Jena (ohne Kunitz, Zwätzen und Porstendorf) gegen Zahlung von 50.000 fl. Ernst zugesprochen wurde. Nach dessen Tod im Jahr 1486 erbten dessen Söhne Friedrich der Weise und Johann der Beständige das Amt Jena, dem sie am 10. Dezember 1492 das Marktrecht erteilten.

Städtischer Wohlstand äußerte sich in den Neubauten der Michaeliskirche seit 1380/1390 und des Rathauses am Ende des 14. Jahrhunderts. Ab 1423 gehörte Jena zum Kurfürstentum Sachsen (Kursachsen), da die Wettiner nach dem Aussterben der Askanier die Kurwürde erhielten. Die Aufteilung Kursachsens in der Leipziger Teilung ergab, dass Jena ab 1485 zum neu geschaffenen ernestinischen Kurfürstentum Sachsen gehörte. Neben dem bereits erwähnten Weinbau (ein Türkensteuerregister aus dem Jahr weist 70 Prozent der steuerpflichtigen Bürger Jenas als Weinbergbesitzer aus) trugen der Anbau von Waid, Hopfen und die Bierbrauerei wesentlich dazu bei, dass Jena im ausgehenden Mittelalter zu den wohlhabendsten Städten im heutigen Thüringen zählte. Eine weitere Quelle des Reichtums der Stadt war die Tuchmacherei, doch trotz seines wirtschaftlichen Aufblühens stand Jena stets in Konkurrenz zum benachbarten Weimar, welches sich ab dem Ende des 14. Jahrhunderts zu einer wettinischen Hauptresidenz entwickelte. Das brachte Jena allerdings den Vorteil ein, sich weitgehend unabhängig vom landesherrlichen Regiment entfalten zu können. Gegen eine Bezahlung von 3000 Rheinischen Gulden 1480 seitens Wilhelm III. wurde die Gerichtsbarkeit von der Stadt auf die Stadtflur ausgedehnt.

Frühe Neuzeit

Die Reformation begann 1523 mit dem radikalen Theologen Martin Reinhardt, der nach Martin Luthers Eingreifen 1524 vertrieben wurde. 1525 zerstörten Bauern und Teile der Stadtbewohner das Karmelitenkloster und verwüsteten das Dominikanerkloster. 1536 wurden die Juden durch ein judenfeindliches Mandat des Landesherren aus Jena vertrieben (wie auch aus anderen thüringischen Städten) – ausgelöst durch die Reformation und ihrer von Martin Luther verstärkten antisemitischen Ausrichtung. Durch die Niederlage im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 verloren die Ernestiner die Kurwürde und alle Besitzungen östlich der Weißen Elster, u. a. die Stadt Wittenberg. Aus dem ernestinischen Kurfürstentum Sachsen wurde das Herzogtum Sachsen unter Regentschaft des zum Herzog degradierten Johann Friedrich I. dem Großmütigen. Er gründete im Jahr 1548 als Ersatz für die verlorengegangene Universität Wittenberg die Hohe Schule im Dominikanerkloster in Jena, aus der 1558 die Universität Jena hervorging.

Mit dieser für die weitere Stadtentwicklung entscheidenden Einrichtung waren seit 1566 der für die Rechtsprechung in ganz Thüringen bedeutsame Schöppenstuhl und ein Hofgericht verbunden.

Die Universität blieb auch nach der Landesteilung 1572 unter gesamternestinischer Schirmherrschaft, während die Stadt dem Herzogtum Weimar zufiel. Bei der Thüringer Sintflut Ende Mai 1613 wurden Teile der Stadt überflutet.

In den Jahren 1672 bis 1690 war Jena Hauptstadt des selbständigen Fürstentums Sachsen-Jena, dessen Herzöge im bereits 1471 erwähnten und 1662 erweiterten Schloss wohnten und dessen Zentralbehörden zum Teil bis 1809 in der Stadt arbeiteten. Nach dem Tod des Herzogs von Sachsen-Jena kam das Amt und die Stadt nebst Schloss, Schlossgarten, Regierungshause, Fürstenkeller und Jägerhaus nebst Burgau und Lobeda, so wie das Amt Allstedt, die Zillbach, die Herrschaft Remda, das Vorwerk Schwabsdorf, Döbritschen und andre Einkünfte am 12. Juli 1691 an die ernestinische Linie Sachsen-Eisenach und 1741 an Sachsen-Weimar-Eisenach, bei dem es bis 1920 blieb.

In den theologischen Lehrstreitigkeiten des späten 16. Jahrhunderts war die Universität Mittelpunkt der lutherischen Orthodoxie (Matthias Flacius), nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte sie eine Blütezeit und stand mit 1800 Studenten zwischen 1706 und 1720 an der Spitze aller deutschen Universitäten. Die Barockzeit äußerte sich in prächtigen Bürgerbauten. Vom herzoglichen Hof gingen Anregungen auf die Kunst- und Musikpflege aus. 1570 begann das Collegium Musicum zu wirken, das nach der 1769 erfolgten Reorganisation ab 1770 bis ins 20. Jahrhundert die Akademischen Konzerte veranstaltete.

Der Rückgang des Weinbaus, der Studentenzahl und des Buchdrucks verursachte im 18. Jahrhundert einen Niedergang der städtischen Wirtschaft. 1788 wurden die Finanzen der Stadt unter Zwangsverwaltung gestellt. Unter der Regierung des Herzogs Carl August 1775 bis 1828 und seines Ministers Johann Wolfgang Goethe gewann der neue Geist Weimars auch auf Jena Einfluss und führte eine zweite Blütezeit der Universität herbei. Goethe widmete ihr sein amtliches und persönliches Interesse. Hier schloss er 1794 Freundschaft mit Friedrich Schiller, der seit 1789 als Professor wirkte und bis 1799 in Jena wohnte.

1794 wurden Johann Gottlieb Fichte und 1798 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling berufen, 1801/07 lehrte Georg Wilhelm Friedrich Hegel hier, so dass Jena ein Hauptort der deutschen idealistischen Philosophie wurde, wo auch die literarische Richtung der älteren Romantik mit August Wilhelm Schlegel, seiner Frau Caroline Böhmer-Schlegel-Schelling, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Clemens Brentano und Friedrich von Hardenberg eine hervorragende Pflegestätte fand. Die 1785 bis 1803 in Jena erscheinende Allgemeine Literatur-Zeitung erhöhte den Ruf der Stadt. Die Universität stand im Ruf besonderer Liberalität, doch sank ihr Ruhm ab 1800 schnell infolge des Weggangs berühmter Lehrer (1799 Entlassung Fichtes).

19. Jahrhundert

Am 14. Oktober 1806 bekämpfte Napoleon siegreich die preußischen und sächsischen Armeen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Diese Doppelschlacht auf den Höhen nordwestlich von Jena sowie rund um Auerstedt bescherte der Stadt und ihrer Universität schwere Schäden. Gegen das napoleonische Joch regte sich in Jena starker Widerstand; besonders unter den Studenten, die 1813 in Scharen in das Lützowsche Freikorps eintraten.

1815 wurde in Jena die Urburschenschaft gegründet, welche die Farben Schwarz-Rot-Gold als Zeichen der angestrebten Einheit eines demokratisierten Deutschen Bundes führte. Maßgeblich begünstigte die Pressefreiheit im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach den Kampf um die nationale Einheit. Das Wartburgfest 1817 ging im Wesentlichen von der Universität Jena aus und erregte das Misstrauen konservativer deutscher Regierungen, denen die Ermordung August von Kotzebues durch den Jenaer Theologiestudenten Karl Ludwig Sand 1819 einen willkommenen Anlass zu verstärkten Repressalien bot. Die Universität Jena bekam diese in Gestalt eines 1819 eingesetzten Kurators, durch Einschränkung der Pressefreiheit und Auflösung der Burschenschaft zu spüren.

Als wirtschaftliche Grundlage ist in der Neuzeit vor allem die Universität anzusehen. Daneben brachten Feld-, Wein-, Garten- und Hopfenanbau und der Buchdruck Gewinn. Nach 1800 entstanden kleinere gewerbliche Betriebe, eine 1820 errichtete Kammgarnspinnerei beschäftigte 1840 als einziges Unternehmen mehr als 100 Mitarbeiter. 1864 führte sie die Dampfmaschine ein. Im Jahr 1830 zählte Jena 5491 Einwohner. Durch den Bau der Saalbahn von Großheringen nach Saalfeld 1874 und der Linie Gera-Weimar 1876 wurde die Stadt ein Verkehrsknotenpunkt. 1843 wurde eine Pianofortefabrik, 1859 eine Ofenfabrik, 1886 eine Zementfabrik und 1895 eine Messwerkzeugfabrik errichtet.

Aus der von Carl Zeiss 1846 gegründeten optischen Werkstätte, die 1860 erst 20 Mitarbeiter hatte, ging unter maßgeblicher Mitwirkung von Ernst Abbe das seit 1880 in eigenen Fabrikgebäuden arbeitende Unternehmen der Feinmechanik und Optik hervor, das die Marke Carl Zeiss weltweit berühmt machen sollte und für seinen Aufstieg einen wesentlichen Impuls durch die Zusammenarbeit mit dem seit 1884 aufstrebenden Glaswerk Otto Schotts erfuhr. 1886 wurde das zehntausendste Mikroskop angefertigt, das dem Bakteriologen Robert Koch zum Geschenk gemacht wurde. Die Gewinne der 1889 errichteten Carl-Zeiss-Stiftung kamen in hohem Maße der Universität zugute, die zu jener Zeit in dem Zoologen Ernst Haeckel einen ihrer berühmtesten Lehrer besaß. 1908 bezog sie ihr an Stelle des ehemaligen Schlosses erbautes neues Hauptgebäude.

Ein staatliches Postamt am Löbdergraben wurde im Jahr 1858 gebaut und 1862 bezogen. Telegraphenbetrieb und Ortsfernsprechverkehr wurden dann 1876 bzw. 1893 in das Postamt verlegt.

Zwischen 1800 und 1880 war die Universität auf etwa 500 Studenten ausgelegt. Die Studentenzahl stieg bis 1914 auf 2000. Besonders die naturwissenschaftlichen und medizinischen Institute wurden ausgebaut. Die Verlage Gustav Fischer (1878) und Eugen Diederichs (1896) bereicherten das geistige Leben. 1879 nahm als Nachfolger des 1817 eingerichteten Oberappellationsgerichts das Oberlandesgericht für alle thüringischen Staaten seine Geschäfte auf (Neubau 1880).

1900 bis 1945

Am 19. März 1901 wurde das städtische Elektrizitätswerk eröffnet und am 1. April 1901 erfolgte die feierliche Inbetriebnahme der elektrischen Straßenbahn Jena. Mit der Vereinigung der thüringischen Staaten 1920 wurde Jena Teil des Landes Thüringen, die Stadt 1922 kreisfrei. Gleichzeitig entstand der Landkreis Stadtroda, zu dem das Umland gehörte. Innerhalb der Arbeiterschaft der großen Werke Zeiss und Schott fanden die Arbeiterparteien SPD und KPD starken Zulauf, so dass während der Zeit der Weimarer Republik die konservativen Parteien und die NSDAP die schlechtesten Wahlergebnisse in Thüringen erreichten. Demzufolge war auch der spätere Widerstand gegen die Nationalsozialisten erheblich.

Mit der Machtübertragung der Kanzlerschaft an Adolf Hitler begann in der Stadt die Diskriminierung und Verfolgung aller politischen und humanistischen Kräfte. Viele wurden mit Gefängnis- und Zuchthausstrafen belegt oder in das erste KZ Nohra, seinen Nachfolger KZ Bad Sulza und später in das KZ Buchenwald eingeliefert. Nach dem Berufsbeamtengesetz wurden zahlreiche missliebige Wissenschaftler von ihren Posten vertrieben. Die Universität mutierte mehr und mehr zu einem Ideologie-Produzenten von Rassismus (Lehrstuhl für Sozialanthropologie) und Antisemitismus (Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben).

Am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte und Einrichtungen boykottiert. Im Oktober 1938 wurden in der „Polenaktion“ zehn jüdische Personen ohne Staatsangehörigkeit nach Polen abgeschoben. Während der Novemberpogrome 1938 kam es in der Stadt zu antijüdischen Ausschreitungen. In der Folgezeit konnten noch zahlreiche jüdische Familien und Einzelpersonen ins Ausland emigrieren. In den Jahren 1942 bis 1945 wurden die verbliebenen Juden vom Westbahnhof aus in die Gettos und Vernichtungslager des Ostens deportiert und ermordet. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933–1945) verzeichnet namentlich 73 jüdische Einwohner Jenas, die deportiert und größtenteils ermordet wurden. Etliche Juden, darunter Clara Rosenthal, nahmen sich selbst das Leben.

In der Chirurgischen Klinik und der Frauenklinik wurden auf der Basis des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses Zwangssterilisationen in großem Umfang durchgeführt. Später wurden Patienten in Euthanasie-Anstalten ausgeliefert. Dennoch waren Widerstandskräfte am Werk, wurden Verfolgte versteckt, wurde mit Flugblättern und anderen Aktionen gegen Faschismus und Krieg aufgeklärt. Als während des Krieges Tausende Zwangsarbeiter in den Jenaer Rüstungsbetrieben beschäftigt waren, gab es eine Zusammenarbeit zwischen örtlichen Widerstandsgruppen und Zwangsarbeitern. So wurde kurz vor Ende des Krieges ein Sprengstoffanschlag auf das NSDAP-Büro von einer Sabotagegruppe verübt. Zusätzlich mussten in einem Außenlager des KZ Buchenwald bis zu 1000 Häftlinge im anliegenden Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Zwangsarbeit leisten.

Im Zweiten Weltkrieg richteten alliierte Bombenangriffe, besonders im Februar und März 1945, zahlreiche Zerstörungen an. Das schwerste Bombardement erfolgte am 19. März 1945. Insgesamt warfen die US Army Air Forces bei ihren Angriffen 870 Tonnen Bomben auf Jena ab. Die Bombenangriffe verursachten schwere Schäden und Totalzerstörungen, ein großer Teil des Stadtzentrums wurde völlig vernichtet, die Ruinen der teils historischen Bürgerhäuser wurden später abgetragen. Verloren gingen das Haus am Markt, in dem Goethe und Schiller ihren Freundschaftsbund geschlossen hatten, das Griesbachsche und Bachsteinsche Haus, das Stadtmuseum und der historische Burgkeller. Die Stadtkirche St. Michael erlitt starke Beschädigungen. Die Collegien- oder Universitäts-Kirche wurde zerstört und die Ruine 1956 abgetragen. Ihr Turm wie auch die Collegien-Gebäude wurden beschädigt. Das Rathaus wurde teilzerstört, die Hof- und Rats-Apotheke sowie die Universitäts-Bibliothek wurden zerstört und später abgetragen. Das Abbeanum erlitt schwere Schäden und wurde bis 1951 wieder aufgebaut. Völlig zerstört wurden die Universitätsbibliothek und sechs Universitäts-Institute, teilzerstört mehrere Kliniken in der Bachstraße. 709 Menschen verloren ihr Leben, 2000 wurden schwer verletzt.

Beim Beschuss der Stadt durch US-amerikanische Artillerie am 11. April 1945 starben 40 Menschen. Am 13. April 1945 besetzten US-amerikanische Truppen kampflos die Stadt.

Bei Kriegsende waren große Teile der Stadt zerstört. 1424 Wohnungen und 140 Geschäfts- und Warenhäuser waren total vernichtet, 4743 Wohnungen schwer beschädigt. Jena war nach Nordhausen die am meisten zerstörte Stadt in Thüringen.

Am 1. Juli 1945 zogen Einheiten der Roten Armee in die Stadt ein, Jena wurde Teil der Sowjetischen Besatzungszone.

Entwicklung ab 1945

Im Verlauf des einsetzenden Wiederaufbaus nahm am 15. Oktober 1945 die Universität Jena als erste deutsche Universität den Lehrbetrieb wieder auf. 1946 wurden die Unternehmen Zeiss und Schott zu 94 Prozent demontiert und über 300 Spezialisten aus beiden Werken in die UdSSR gebracht, um die Werke dort neu aufzubauen. Der pharmazeutische Großbetrieb Jenapharm wurde 1950 gegründet. Während der DDR-Zeit gehörte die Stadt von 1952 bis 1990 zum Bezirk Gera.

Beim Volksaufstand des 17. Juni 1953 kam es zu Streiks und Protesten von etwa 30.000 Bürgern der Stadt gegen Maßnahmen der DDR-Regierung. Die Demonstranten forderten freie Wahlen, die deutsche Einheit und den Rücktritt der Regierung. Erstürmt wurden die Gebäude der SED-Kreisleitung, das Gefängnis am Steiger (mit Befreiung von 61 Häftlingen), die Häuser der Massenorganisationen und die Kreisdienststelle des MfS. Um die Proteste niederzuschlagen, trafen sowjetische Panzer in der Stadt ein. Der Ausnahmezustand wurde verhängt und mehrere 100 Menschen verhaftet. Am 18. Juni 1953 wurde im Gebäude der sowjetischen Kommandantur in Weimar der 1927 in Jena geborene Schlosser Alfred Diener hingerichtet. Er hatte mit zwei Delegierten der Kohlearbeiter im Büro des Ersten Sekretärs der SED-Kreisleitung die Forderungen der Demonstranten vorgetragen. Andere Teilnehmer am Volksaufstand erhielten mehrjährige Haftstrafen.

Als "Platz der Kosmonauten" bildete der Eichplatz über 30 Jahre lang eine Freifläche vom Uni-Turm bis zur Rathausgasse. Auch zwischen St. Michael und Rathaus klaffte eine Baulücke.

Der planmäßige industrielle Wohnungsbau erreichte Jena 1957 mit Einführung der Großblockbauweise. Zwischen 1965 und 1975 entstand das Neubaugebiet Jena-Lobeda-West. Anlässlich der Neugestaltung des Stadtzentrums ab 1968 wurde die historische Innenstadt um den Eichplatz abgerissen und die 1816 gepflanzte Burschenschaftseiche gefällt. Am Rand des frei geräumten Platzes entstand das stadtbildbeherrschende Hochhaus der Universität. Im selben Jahr erfolgte die Gründung des Jenaer Madrigalkreises, Kammerchor der Jenaer Philharmonie. 1969 erhielt das Sinfonieorchester Jena den Namen Jenaer Philharmonie. Zwischen 1971 und 1983 entstand das Neubaugebiet Jena-Lobeda-Ost.

1975 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch Jena zur 14. Großstadt der DDR wurde. Das Wohngebiet am Rähmen wurde 1986 fertiggestellt.

Durch mehrere Arbeitsgruppen entwickelte sich die Stadt ab den 1970er Jahren zu einem der Zentren der DDR-Opposition. In den 1980er bildete sich die Gruppe Weißer Kreis mit dem Ziel, konzertiert zahlreiche Ausreiseanträge zu stellen.

Während der Wende in der DDR erlebte Jena am 4. November 1989 bei einem Bürgerforum auf dem Platz der Kosmonauten mit rund 40.000 Teilnehmern die größte Demonstration der Stadtgeschichte, nachdem die Zahl der Demonstranten von Woche zu Woche sprunghaft angestiegen war. Bis 1991 war Jena Standort der 79. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Anlässlich des Interessenausgleichs mit der Sowjetunion ab 1990 und der Auflösung der Roten Armee 1991 zogen am 24. März 1992 die letzten, überwiegend russischen, Soldaten aus Jena ab. Nach der Kreisreform zum 1. Juli 1994 wurde der Landkreis Jena dann Teil des neuen Holzlandkreises, der seit dem 14. September 1994 den Namen Saale-Holzland-Kreis trägt.

In der Nachwendezeit, insbesondere zwischen 1995 und 1997, ereigneten sich in Jena mehrere Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund. Im November 2011 stellte sich heraus, dass einige Angehörige der Neonaziszene in Jena seit der Jahrtausendwende als Nationalsozialistischer Untergrund terroristisch aktiv waren. In einem Video bekannten sie sich zu einer deutschlandweit verübten Mordserie und zu Bombenanschlägen, die fast immer rassistische Motive hatten.

Eingemeindungen

Seit 1909 wurden zahlreiche Gemeinden und Gemarkungen nach Jena eingemeindet. Im Jahr 1900 umfasste das Stadtgebiet eine Fläche von 1.323,2 Hektar. Seit den letzten Eingemeindungen von 1994 aufgrund des § 23 des Neugliederungsgesetzes in Thüringen gehören 11.421,6 Hektar zur Stadt Jena. Alle eingegliederten Orte waren vorher selbständige Gemeinden und hatten (außer Isserstedt) zuvor schon eine oder mehrere Nachbargemeinden aufgenommen (Cospeda die Gemeinden Lützeroda und Closewitz, Drackendorf die Gemeinde Ilmnitz, Krippendorf die Gemeinde Vierzehnheiligen, Kunitz die Gemeinde Laasan, Münchenroda die Gemeinde Remderoda, Maua die Gemeinde Leutra und Jenaprießnitz die Gemeinde Wogau).

Wüstungen

Neben den heutigen Ortsteilen gab es auf dem heutigen Stadtgebiet Jenas eine Vielzahl von Orten, die nicht mehr existieren, sogenannte Wüstungen. Diese waren Proschitz und Kötschen bei Zwätzen, Krolip, Schondorf und Ziskau bei Closewitz, Rödel und Schichmannsdorf im Mühltal, Krotendorf, Schetzelsdorf, Nollendorf als alte nördliche Vorstadt, Hodelsdorf/auf dem Sande als östliche Vorstadt, Zweifelbach als alte südliche und Leutra als alte westliche Vorstadt, Nobis im Jenaer Forst, Wüstenwinzerla, Dürrengleina auf dem Kospoth, Niederleutra bei Leutra, Hirschdorf, Selzdorf bei Lobeda, Clöchwitz, Büsitz, Schlendorf am Hausberg, Benndorf, Wenigenkunitz bei Kunitz, Gaberwitz sowie Kalthausen bei Kunitz.

Bevölkerungsentwicklung

1975 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Jena die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. 1988 erreichte die Bevölkerungszahl mit 108.010 ihren historischen Höchststand. Nach der Wende in der DDR ist die Einwohnerzahl von Jena bis Ende der 1990er-Jahre gesunken und seither – im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Ostdeutschland – im Steigen begriffen und wächst jedes Jahr um etwa 1000 Einwohner, auch wegen der Studierenden, die ihren Hauptwohnsitz während der Zeit des Studiums in Jena anmelden. Am 31. Dezember 2014 betrug die Amtliche Einwohnerzahl für Jena nach Fortschreibung des Thüringer Landesamtes für Statistik 108.207 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern) und hat somit erstmals den historischen Höchststand von 1988 überschritten (allerdings mit den 14 Eingemeindungen vom 1. Juli 1994).

Quelle: de.wikipedia.org



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